Nachdem ich des Öfteren beruflich in St. Anton und auch einmal in Lech war, wächst natürlich zunehmend das Interesse Österreichs größtes Skigebiet nicht nur vom (anfangs echt verwirrenden) Pistenplan sowie von Berichten aus dem Forum, sondern auch einmal von Skiern aus kennenzulernen.
Gestern war es schließlich so weit, ich hatte Zeit und die Wettervorhersage versprach Kaiserwetter. Am Vortag wurde noch schnell ein grober Plan geschmiedet und zur Orientierung eine Liste mit den zu fahrenden Liften und Pisten erstellt. Kurz gesagt: einmal von St. Anton aus nach Lech und wieder zurück sowie alles was zeitlich noch dazu passt. Die Latte wird hier im Forum ja regelmäßig recht hoch gelegt und so bin ich gespannt ob der Arlberg seinem Ruf gerecht wird. Noch zur Info: da es mein Erstbesuch war, war das Ziel in erster Linie das Gebiet kennenzulernen und die Landschaft sowie die Weitläufigkeit zu genießen. Möglichst viele Höhenmeter zu sammeln oder nur die schönsten bzw. leersten Pisten zu fahren war nicht das Ziel des Tages.
Wetter: sonnig, später diesig und leicht bewölkt , -8 - 8°
Schnee Piste: oben griffig unten firnig oder sulzig; 60 - 370cm (lt. Website)
Schnee Abseits: pulvrig/hart später firnig; 0-370cm
Wartezeit: 0-20min
Positiv:
neues Gebiet kennengelernt
sehr weitläufig
Landschaftlich sehr schön
Negativ:
viel los
zu teuer
Aber nun zu den Bildern:
Los gehts pünktlich um 8:30 mit der ersten Gondel an der Galzigbahn wo sich hinter mir schon eine kleine Schlange gebildet hat.
Oben angekommen mit Blick auf die erste Abfahrt (52). Über St. Anton lag noch der Hochnebel.
Nach kurzer und sehr harter Abfahrt über die schwarze 52 gings mit der 4KSB Zammermoosbahn weiter. Diese nutzt (wie auch die Angertalbahn in Bad Gastein) die Stützen der Vorgängerbahn.
Ausblick vom Galzig-Gipfel Richtung Stuben. Irgendwie komisch, dass man die Galzig-Bahn nicht gleich bis hier hoch gebaut hat.
Alternativ hätte ich auch die St. Christophbahn oder die Osthangbahn nehmen können, letztere sperrt allerdings erst um 9:00 auf.
Weiter über 58 und 76 (oben schön pulvrig unten raus wieder sehr hart) zur 6KSB Arlenmähderbahn, die aufgrund der Schlange schon um kurz vor 9 aufmachte.
Als Alternative hätte ich gerne die Schindlergratbahn genommen um dann die Pisten 85 und 100 zu kombinieren, leider macht diese aber erst um 9:15 auf und gerade am Morgen wollte ich keine Zeit verschwenden.
Auf der Piste 100 kam dann das erste Mal Freude auf. Diese war durch die schattige Lage super griffig.
Direkt weiter mit der 10EUB Flexenbahn um in den Zürser Gebietsteil zu wechseln. Im Hintergrund sieht man die Albonabahn II mit deren Pisten.
Nachdem ich zur Trittkopfbahn II direkt durchgehen konnte ging es bis ganz hinauf und anschließend klassisch über die 134 runter nach Zürs.
Um auf die andere Seite von Zürs zu kommen, muss man noch die kurze 6KSB Übungshangbahn nehmen. Da gibts es ja im Sauerland längere Bahnen.
Rechts sind die Flutlichtmasten der Flexenarena zu erkennen.
Angekommen auf der anderen Seite. Hier hat man die Wahl zwischen der 4KSB Zürserseebahn und der 4KSB Seekopfbahn. Ich entschied mich für letztere, da dort die Schlange etwas kürzer schien. Die Wartezeit war im Endeffekt aber nur 2-3 Min.
Darunter sieht man eine der mehreren schönen Pisten an dem Hang. Eigentlich hätte ich hier direkt eine Wiederholungsfahrt machen sollen. Aber noch weiß ich ja nicht wie lange die Runde um Lech dauert.
Weiter in der 6KSB Madlochbahn, wo man direkt durchgehen konnte.
Und hier startet sie nun: die berühmte Madloch-Route - ich bin gespannt.
Landschaftlich natürlich traumhaft, skifahrerisch irgendwie nichts besonderes. Und Route ist definitiv der falsche Begriff, es ist eine normale Piste (besonders im unteren Teil), aber das wusste ich bereits im voraus und war jetzt keine große Überraschung. Bei Neuschnee schaut das alles natürlich ganz anders aus.
Um es etwas interessanter zu gestalten nahm ich die unpräparierte Variante 171.
Das Ende der Route war dann irgendwie unerwartet abrupt, da fährt man die letzte Kurve und man steht direkt vor der Talstation der 10EUB Zugerbergbahn.
Oben angekommen spare ich mir die flache 200 entlang vom Seillift und nehme Route 221 zum nächsten Ziel: der 8KSB Steinmähderbahn, wo es das erste Mal etwas länger zum Anstehen ist (5-6min).
Oben angekommen mit Blick zurück auf die Bergstation der Zugerbergbahn sowie dem oberen Teil der Madlochroute dahinter.
Und da es erst 10:20 Uhr ist und der Zeitstress schön langsam verfliegt, mache ich über die 223 eine Wiederholungsfahrt.
Nachdem, speziell an der Bergstation, richtig viel los ist, geht es über die 235+240 sowie die präparierte 242 hinten rum zur Weibermahdbahn. Hier war es schön leer.
Seitenblick zum Sonnen-Jet nach Warth, schaute auch ganz gut aus. Aber die doppelte Fahrt mit dem Auenfeldjet wollte ich mir nicht antun.
In der 6KSB Weibermahdbahn wo die Gondeln vom Auenfeldjet mit durch fahren. Rechts die Rotschrofenbahn und die Hasensprungbahn.
Nachdem ich die Abzweigung zur 201 übersehen habe gehts über die 200 hinunter nach Lech wo es gerade auffirnte. So habe ich auch Oberlech mal gesehen.
Generell wäre an der Hasensprungbahn oder der Kriegerhornbahn noch eine Fahrt schön gewesen, aber da war es einfach zu voll.
Nach dem Fußweg durch Lech erstmal die Ernüchterung. Die Schlange an den Rüfikopfbahnen geht bis knapp aus dem Gebäude heraus. Aber hatte ich irgendwie schon so befürchtet.
Nach 20 Minuten anstehen endlich oben angekommen mit dem Rückblick auf Lech.
Belohnt wird man immerhin mit traumhafter Landschaft und genialem Ausblick.
Über die 180 geht es weiter...
...zum Schüttbodenlift, der natürlich nicht, wie von den meisten, obenrum umfahren wird. Aufgrund der Wartezeit bleibt es aber bei einer Fahrt.
Rückblickend betrachtet wäre die Route 181 anstellte der 180 wohl die interessantere Wahl gewesen.
Weiter in der 6KSB Trittalpbahn mit der schön griffigen 121 darunter.
Ausblick nach Zürs und die schönen Pisten gegenüber wo es eigentlich als nächstes nochmal hingehen sollte.
Doch aufgrund der langen Schlangen an beide 4KSB mache ich erstmal eine Fahrt mit der 6KSB Hexenbodenbahn wo man direkt durchgehen konnte - komisch irgendwie.
Da es erst 12 Uhr war und ich das Täli eigentlich noch gern mitnehmen wollte, ging es also doch in die Schlange (knapp 10min).
An der 6KSB Muggengratbahn konnte man anschließend wieder direkt durchgehen. Verstehe ich nicht, wo kommen denn die Leute hin wenn sowohl die Pisten unter den 4KSBs als auch die 6KSBs danach recht leer sind?
Naja egal, ich genieße erstmal den wirklich genialen Standardblick auf das Täli (144). Hat schon was.
Auch die Piste war noch recht gut und ging ganz schön in die Beine. Durch den Ziehweg zum Schluss leider nicht wirklich wiederholungstauglich.
Doch das Hauptproblem war jedoch, dass man, entgegen dem Pistenplan, vom Täli nicht wieder zurück zur Zürserseebahn kommt sondern die Übungshangbahn nehmen muss (oder halt zu Fuß durch Zürs gehen muss).
Naja egal, ich will ja unbedingt noch eine der Pisten unter den beiden 4KSBs fahren. Im Bild die Zürserseebahn, links daneben die 153.
Ich entscheide mich für die außenrum 151. Ging für die Uhrzeit noch relativ gut. Der ganze Bereich könnte ohne Probleme etwas mehr Förderleistung vertragen.
Gegen 13 Uhr welchselte ich zurück ins St. Antoner Teilgebiet. Um allerdings zur Trittkopfbahn zu kommen, muss ich nochmals mit der Hexenbodenbahn fahren - die Fahrten in Zürs hätten in geänderter Reihenfolge irgendwie mehr Sinn gemacht, mit dem Täli zum Schluss. Durch Glück bei der Trittkopfbahn den richtigen Eingang gewählt, ging es anschließend ohne Wartezeiten wieder Richtung St. Anton.
Bei der Talfahrt in der Flexenbahn lachte mich die Piste an der Albonabahn II derart an, dass ich dorthin einen komplett ungeplanten Ausschwenker von der eigentlichen Route machte.
Im Bild die Piste 105 mit Blick auf die Flexengalerie und Zürs.
Ganz nette Piste, allerdings mit permanenter "Angst" nicht versehentlich nach Stuben hinunter abzubiegen.
Über die 103 geht es anschließend zurück zur Alpe Rauz, die Lifttechnisch irgendwie ein bisschen eine Fehlkonstruktion ist. So muss man von der Flexenbahn kommend erst einmal um das Gebäude herum um dann entweder mit dem Aufzug oder über den kurzen Hang neben dem Rauzlift hinunter zur Albonabahn II zu kommen. Wäre mit allen drei Bahnen einer Ebene einfacher gewesen. Aber wird schon ihre Gründe haben warum die Flexenbahn im dritten Stock anfängt. Wahrscheinlich um den Wechsel zur Valfagerbahn einfacher zu gestalten.
Stichwort Valfagerbahn. Mit ihr geht es nun weiter. Im Hintergrund sieht man St. Christoph und ganz hinten das Rendl-Gebiet.
Neben dem Madloch und dem Täli gibt es noch ein weiteres vermeintliches Highlight des Gebietes: die Schindlergratbahn, wo man an der Mittelstation auf der "falschen" Seite aussteigt.
Nachdem die Piste 85 schon recht zerfahren aussah, fahre ich auf der anderen Seite über die Route 86 hinunter. Die anderen Routen Richtung Steissbachtal waren wegen Lawinengefahr gesperrt. Besonders die 87 hatte schon einige Risse im Steilhang.
Damit ist das Soll bereits übererfüllt und ich bin erstaunt wie schnell die Runde doch gegangen ist und so geht es um halb drei durch das extrem volle Steissbachtal (57+55) Richtung Tal. Allerdings gehören bei einem Tageskartenpreis von 75€ auch die restlichen 1,5 Stunden noch genutzt und so biege ich auf halbem Weg zur 4SB Mattunbahn ab...
...wo man diesen Ausblick auf die Piste 52 und die super hässliche Talstation der Zammermoosbahn hat.
Seitenblick ins Steissbachtal wo von der Südseite schon einiges abgegangen ist. Darüber sieht man, ganz klein, eine Gondel der Vallugabahn.
Nach einer Fahrt mit der 6KSB Kapallbahn, geht es zum etwas abgelegenen Schöngrabenlift mit Ausblick Richtung Pettneu.
Nach einer Fahrt mit dem Schlepplift weiter über schwarze 42. Ab der Einmündung in die 34 wurde es dann sehr sulzig.
Über eine Fahrt mit der zu 95% leer laufenden 4KSB Fangbahn geht es über die 31 und 29 ins Tal. Im Bild der brutale Sulzacker vor der Talstaion der Galzigbahn, wo die meisten Skifahrer komplett überfordert waren.
Da aber immer noch Zeit war wechsle ich zum Abschluss noch kurz auf die Rendlseite. Im Bild: DSB-Romantik mit der Riffelbahn I & II. Wobei letztere nur eine Route und keine Pisten erschließt - erinnert ein wenig an die Gamsleiten II in Obertauern.
Und mit diesem Ausblick von der Route 16 aus auf die beiden Skiberger Galzig und Gampen bzw. Kapall beende ich meinen Bericht sowie meinen Skitag nach 65 Pistenkilometern und über 14000 Höhenmetern.
Fazit:
Sehr schöner Skitag - wenn auch nicht überragend. Das Skigebiet ist natürlich gigantisch und besticht vor Allem durch die Weitläufigkeit, welche mir zum Beispiel in Ischgl gefehlt hat. Was mir im Gegensatz zu Ischgl ebenfalls gefallen hat sind die naturbelasseneren Pisten, auch wenn dadurch öfter Ziehwege nötig sind, womit ich generell kein Problem habe. In Summe sind die Pisten schön abwechslungsreich mit oft über 500HM und einigen Highlights. Bei über 300 Pistenkilometern wäre alles andere auch verwunderlich.
Landschaftlich durch die Weitblicke und unterschiedlichen Ausrichtungen eine Wucht und wahrscheinlich in den Top 3 in Österreich wenn nicht sogar Top 1, aber das ist natürlich Geschmackssache. Anlagentechnisch ist man mittlerweile auch vorne mit dabei und so hätte ich den ganzen Tag keine nichtkuppelbare Bahn fahren müssen (mit Ausnahme der PBs natürlich
Der Andrang war wie erwartet groß - ist ja noch Hauptsaison. Da fällt an manchen Stellen ein nicht ganz passendes Verhältnis von Förderleistung zu Pistenfläche auf. Während in St. Anton und in Lech die Pisten zu voll werden, sind in Zürs die Schlangen zu lang. Das gilt natürlich nur für den gestrigen Tag, an dem anscheinend verhältnismäßig viel los war.
In Summe gern wieder, dann aber bitte mit Neuschnee