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Seilbahnunglück in Liberec (CZE) - ein Toter

Kris schrieb:
Latesn schrieb:
Ein "Abräumen" würde ich nicht als zwingend sehen - Das Laufwerk hebt das Zugseil ja bei der Überfahrt aus den Rollen ab (kann es dir gerade nur von MSB sagen da ist der Abstand ZS-TS etwa 150-200mm größer als der Abstand TS - Zugseilanfassung) - Selbst wenn der Verguss nach unten pendelt streift er dann nur am Seil entlang das muss also kein Ausräumen bewirken wenn das Seil sich nicht blöd verfängt.


Das den Masten talwärts passierende Laufwerk nimmt das Gegenseil ja mit, nach dem Passieren liegt doch das bergseitige Zugseil in den Rollen?
M.M.n. müsste das Laufwerk damit bereits bergseitig vom Masten entgleist sein, z.B. indem die Kabine das Gegenseil einholte und somit in dessen durchhängenden "Bauch" vor dem Masten fuhr....

Du hast natürlich recht mit dem Überholen. Nur denke ich gerade an die Möglichkeit eines Überholens (400m Laufweg sind viel) bei dem die Kabine dann soviel Gegenseil hinter sich gelassen hat, dass beim Abflug das Seil noch in den Rollen bleiben konnte. Hier wäre interessant wo und wie das Gegenseil zum Liegen gekommen ist.
 
Die Geschichte der Bahn ist in dem Buch „Bergbahnen der Welt“ von Josef Hons sehr ausführlich dokumentiert.
Der erste Planer der Seilbahn war 1924 ein Ingenieur der Fa. Bleichert. Gebaut wurde die Anlage schließlich von der tschechischen Maschinenfabrik Wiesner in Chrudim. Die Bahnlänge beträgt ca. 1,2 km bei einem Höhenunterschied von 400 m. Ursprünglich gab es 2 Stützen von etwa 20 m Höhe. Die Fahrgeschwindigkeit betrug 5 m/s, die Fahrtdauer 6 min. Die Spanneinrichtungen befanden sich im Tal, die Fördermaschine in der Bergstation. Die Kabinen fassten 32 Fahrgäste. Die Seilbahn wurde 1933 fertiggestellt und war 38 Jahre unverändert in Betrieb.

Anfang der 1970er- Jahre bewarb sich die italienische Fa. Ceretti-Tafani um ein Rekonstuktionsprojekt. Der Hauptteil der Technologie wurde dann aber von Transporta Chrudium geliefert. Es erfolgte die Erhöhung der Förderleistung auf 550 Personen je Stunde bei 10 m/s auf der Strecke und 7 m/s über die dann einzige Stütze in Vollwandbauweise. Die Kabinen fassten neu 35 Personen. Dieser Umbau erfolgte von 1972 bis 1975.Mit Ausnahme der Sicherheits- und Kommunikationsanlage der Wiener Firma Schrack war die Rekonstruktion ein CSR-eigenes Werk.

Über spätere Umbauten der Seilbahn ist nichts beschrieben. Das Originalbuch ist von 1985, die deutschsprachige Fassung von 1990.
 
Hier noch die nicht sehr umfangreiche Reportage von Remontées Mécaniques:
https://www.remontees-mecaniques.net/bdd/reportage-tph-v-jested-transporta-4587.html

Demnach wäre der Antrieb in der Bergstation, Zugseildurchmesser wäre 22.4 mm (keine Angabe, ob oberes und unteres Zugseil unterschiedlich wären, vermute die beiden Seilsegmente sinde demnach identisch aufgebaut).

Früheres Video, am 2021-05-24 veröffentlicht (Youtube Link wurde im RM Forum erwähnt):

V Česku jezdí několik lanovek na stejném principu jako v Itálii. Jsou bezpečné?

https://www.youtube.com/watch?v=UC60HwJ1qt8

(Edit: Siehe Fangbremse (Tragseilbremse, frein de chariot, frein de voie, truck brake) bei ca. 00:01:18.)

Wie es bereits erwähnt wurde, die Rissstelle des Zugseils sieht doch merkwürdig aus (sowas wie z.B. Sabotage oder andere externe tendenziell eher sehr lokale Einwirkung).

Bei destruktiven Seilprüfungen geht ein Seil beim Versagen explosionsartig mit Knall auf, und die Enden sind dann entsprechend ausgefranst
(siehe z.B. Video hier: https://www.youtube.com/watch?v=RMZW1SX_rbk).
Habe selbst solche Tests miterlebt (sicherheitskritische Anwendungen wo für die destruktive Prüfung ein 1:1 Muster auf Kosten des Auftraggebers geopfert wurde und dies in Anwesenheit eines Vertreters des Auftraggebers).


Edit:
Artikel mit brauchbaren Fotos:
https://zdopravy.cz/kabinka-lanovky-na-jested-spadla-den-pred-chystanou-revizi-95553/
(habe nicht überprüft, ob bereits gepostet und auch noch nicht online übersetzt).

Edit:
Youtube Videos von früher:
https://www.youtube.com/watch?v=uura0OCySxM
https://www.youtube.com/watch?v=UgX333jNGoo
Verunfallt ist Fahrzeug 2 (rot), Spur 2 (rechte Spur, von Talstation (Gegensation) aus Richtung Bergstation (Antriebsstation) betrachtet).

Edit:
Nachrichtenvideo (inkl Evakuierung Kabine 1):

Na ještědu se zřítila lanovka Českých Drah 31.10.2021




Edit:

Liberec - Ještěd 27 a 28.05.2017



Zugseilschwingungen sind gut ersichtlich, siehe auch technische Ausführungseinzelheiten.
Bei ca. 00:06:35 erkennt man die mittig angeordnete Bremszange der Fangbremse.
Auf einem Foto der RM Reportage (Link weiter oben) erkennt man den roten Griff für die Auslösung von Hand der Fangbremse.

Bei 00:08:22 öffnet der Kabinenbegleiter die Tür noch während der Fahrt, was einem schweren Verstoss gegen die Sicherheitsvorschriften darstellt (und bedeutet zudem dass die Tür weder über eine elektrisch Entriegelung noch über Endschalter für die Überwachung der Endlage geschlossen verfügt, die Kabinentüren werden hier jedoch ausschliesslich von Hand bedient).
Ferner gibt es Videos in denen der zusätzliche handbetätigte Zuhalte-Schwenkriegel der Tür nicht in Schliessstellung war, was ebenfalls vorschriftenwidrig ist.
 
Reportage vom 2019-04-01 (Youtube URL):

Lanovka na Ještěd

https://www.youtube.com/watch?v=Zw2oMmf6y14

Kurze Einsicht in die bereits etwas ältere Technik.

Edit:
Artikel über die neue Elektrotechnik, gehe davon aus, das die Steuerung sowie der Hauptantriebsdrive dem aktuellen Stand der Technik entspricht, siehe Fotos im Bericht:
https://genus.cz/Liberec/lanovka-na-jested-ma-vymeneny-pohon-rozjede-se-za-pet-tydnu-n451518.htm

Sowas wie Google Translate reicht aus, um zu verstehen worum es geht. Unter anderem Ersatz des Ward-Leonard-basierten DC Antriebs durch AC mit FU sowie neue Funk FUA/FWA die das vorheriges klassische System (induktiv gekoppelte Kommunikation über Zugseile, aufgrund der Seilköpfe ist eine obere sowie eine untere Zugseil-"Halbschlaufe" vorhanden) ersetzt.
Zudem ist ein ebenfalls ein neues CCTV System vorhanden, vermute stark, dass der Unfall aufgezeichnet wurde. Ferner sind höchstwahrscheinlich detailierte Logs (Datenaufzeichnungen) vorhanden, was die Untersuchungen erleichtern wird.

In der Bergstation sind Seikopfteile ausgestellt (inkl. Vergusskopf) und auch einige technische Daten sind angeschlagen, nur habe ich leider weder gute Fotos noch aufschlussreiche Videos davon gefunden, nicht einmal in der RM Reportage (!).

Mangels Sprachkenntnisse sind für mich Recherchen kaum sinnvoll möglich.

Erfreulich ist, dass offensichtlich nicht so schlampig wie bei Mottarone vorgegangen wird (siehe das aktuelle Trauerspiel das die Videos der italienischen Feuerwehr dokumentieren). Zumindest wurde in CZ unmittelbar begonnen, Ground Zero u.a. mittels Total Station zu vermessen (möglicherweise auch mit GNSS, muss mir die Videos näher ansehen; sinnvoll wären 3D Scans mittels High-End Geräten wie z.B. Z+F (Zoller+Fröhlich), Faro, Leica Geosystems, usw.). Gehe auch davon aus, dass hier auch im Gegensatz zu Italien auch eine staatliche Unfalluntersuchungsbehörde mitwirkt.

Leider ist aufgrund der Lage des absgestürtzten Fahrzeugs kaum zu erwarten, dass man gute Fotos der Bremszange der Fangbremse online finden wird, interessant wären insbes. Nahaufnahmen der Bremsbeläge, um zu erkennen, ob auswertbare Abtragsspuren ersichtlich sind.
Die Stellung der Bremsbacken muss man näher untersuchen, da z.B. eine auf einem Foto geschlossen erscheinende Bremszange kein Beweis dafür ist, dass die Bremszange effektiv irgendwann mal das Tragseil klemmte. Z.B. durch (Stützen-)Kollision oder beim Aufprall des Fahrzeugs am Boden kann sich eine (ggf.) fehlfunktionierende Bremszange auch nachträglich schliessen.


Vorort (oder mit sehr gutem Fotomaterial, u.a. Seilrissstelle, Fangbremsenbeläge, Schleifspuren am Tragseil, Zugseil, ggf. Kollisionsschäde (Stütze) sowie anormale Spuren (insbes. vom Zugseil stammend) in der Bergstation (Antriebsstation), usw.) könnte man vermutlich innert kurzer Zeit ziemlich genau herausfinden was sich abspielte.


Edit:
In diesem bereits erwähnten empfehlenswerten Video erkennt man gut, wo sich die Fahrzeuge kreuzen (z.B. ca. 00:13:36):
https://www.youtube.com/watch?v=L1-uno0cOxU

Edit:
Distanz gem. Luftaufnahme (Bahnachse):
1) Gebäudekante Bergstation - Mitte Stüze: ca. 520 m
2) Mitte Stüze - Gebäudekante Talstation: ca. 590 m (Edit: Gem. Erbauer: Horizontal: 582.55 m wobei die Referenzpunkte leicht verschoben sind).

Schräge Länge: 1188 m (Quelle ohne Gewähr: https://www.remontees-mecaniques.net/bdd/reportage-tph-v-jested-transporta-4587.html).

Zugseile: Durchmesser 22.4 mm, 6x19 Seale (insges. 114 Drähte).

Zu beachten, dass Videos sowie Fotos diversen Zeitpunkten entsprechen. Kabinen wurden irgendwann mal etwas saniert und wie erwähnt wurde die Elektrotechnik inkl. Hauptantriebsmotor kürzlich erneuert.
 
hol3_data.php


Das war das letzte Bild der Webcam.
Hier wird zumindest an der Unfallstelle gearbeitet.
 
Mal abwarten.

Hat jemand Video- oder Bildmaterial?

Bei z.B. 00:03.32 ist die aktuelle moderne Kabinenvorortsteuerstelle ersichtlich:
https://www.youtube.com/watch?v=j-1zB710f7c

Wie bereits erwähnt ist eine Funk-FUA installiert. Das kleine Runde Gerät bei der Einfahrt der Bergstation (siehe diverse Videos und Fotos) ist übrigens ein Ultraschall-Windmessgerät, das weitaus sinnvoller als mechanische Schalenkreuzanemometer ist. Solche solid-state Ultraschall-Anemometer messen Windgeschwindigkeit (inkl. Böen) sowie -richtung ohne bewegliche Teile auch unter extremsten Bedingungen.

Beim Betrachten von Luftaufnahmen, die alten Eckfundamente einer früheren Stütze (ca. 301 m talwärts von der Bergstation aus, auf Bahnachse) nicht mit den aktuellen Stütze verwechseln.

Edit:
Zugseilschwingungen (bereits weiter oben aufgeführtes Video):
https://www.youtube.com/watch?v=L1-uno0cOxU
Siehe insbes. z.B.: ab 00:05:33
Sowie:
Ab 00:00:51
Ab 00:03:11
Ab 00:07:33
Ab 00:12:17 (siehe Gegenspur).
(Nebenbei, off-topic: 00:12:18: Ultraschall-Anemometer links im Bild.)

Führe die Seilschwingungen nur zu Veranschaulichung auf, die effektive Unfallursache ist mir zurzeit unbekannt.
 
Wiesel schrieb:
https://youtu.be/UC60HwJ1qt8

Hier erklärt ein Mitarbeiter noch vor 5 Monaten, wie sicher diese Bahn im Vergleich zum Monte Mottarone ist.

Der Unfallhergang und das Schadensbild deuten allerdings auf Parallelen zum Mottarone hin. In der Presse findet das Ereignis aber vergleichsweise wenig Beachtung. Ein einzelner toter Seilbahnangestellter sorgt eben nicht für Schlagzeilen, obwohl es hätte noch viel schlimmer kommen können.

Die Seilbahn ist scheinbar noch mit klassischen Zuegg-Fangbremsen ausgerüstet. Diese werden aber nach den Videoaufnahmen auf YouTube (nach Minute 6:30) hydraulisch betätigt, würde ich behaupten. Man sieht einen Zylinder über dem Gehängetrafrohr. Hier hat es offensichtlich nach 1975 einen Umbau gegeben.Wer hat diesen dann durchgeführt?
 
Täuscht es, oder sind bei der Bahn keine Schwingungsdämpfer für das Zugseil vorhanden? Zumindest ist in den Videos beidseitig vor den Vergusskegeln nichts zu erkennen...
 
Lagorce schrieb:
In der Bergstation sind Seikopfteile ausgestellt (inkl. Vergusskopf) und auch einige technische Daten sind angeschlagen, nur habe ich leider weder gute Fotos noch aufschlussreiche Videos davon gefunden, nicht einmal in der RM Reportage (!).

Bei den Google-Rezensionen findet man zumindest einen Beitrag mit Fotos von der Technik-Ausstellung. Unter anderem ist ein zerlegter Seilkopf zu sehen...

https://goo.gl/maps/WnzhZVfSQXH4BpN39
 
* Verfügt die Tragseilbremse über eine automatische Auslösung?
Ich kann im Umfeld der Seilbefestigung keine Mechanismen hierzu finden...
Nach dem Mottaronevideo verliert der manuelle rote Auslösegriff im Dach der Kabine ja schon an Glaubwürdigkeit...

* Scheint es tatsächlich so zu sein, dass beide Kabinen nahe am Kreuzungspunkt waren, als das Unglück geschah, d.h. sodann die bergwärts fahrende und mit 13 Passagieren besetzte Kabine retour zu Tal fuhr?
* Tat sie dies mit oder ohne Auslösung der Fangbremse? Was brachte die Kabine letztendlich zu Halt? Antrieb ist am Berg...

* Welches Seil hängt rechts am Masten? Zug- oder Gegenseil?

* Die talseitige Kabinenfront zeigt einen markanten vertikalen Einschnitt, wohl durch Einschlag in ein Seil bedingt.
Ist dieser Einschnitt an Kabinandach und Kabinenboden etwa gleich tief wie es dem Anschein nach aussieht? Dann kann dies nicht durch Auspendeln nach einer Fangbremsauslösung in das Talseitige Seilsystem bedingt sein (vgl. Gaislachkogel Bremsversuche).

* in Bildern ist erkennbar, dass das bergseitige Zugseil in der Nähe der Seilbefestigung durchtrennt ist.
Ist das talseitige Gegenseil noch dran?
Gibt es Bilder von herumliegenden Seilen in der Nähe der Kabine?

Wahrscheinlich wurde vieles bereits in tschechischen Foren erörtert. Ich meine mich zu erinnern, es gab/gibt ein kleines tschechisches (Eisenbahn/Strassenbahn?)-Forum welches auch Bergbahnen zum Thema hat. Spreche leider kein tschechisch, kennt jemand die URL zu dem Forum?
 
Kris schrieb:
* Verfügt die Tragseilbremse über eine automatische Auslösung?
Ich kann im Umfeld der Seilbefestigung keine Mechanismen hierzu finden...
Nach dem Mottaronevideo verliert der manuelle rote Auslösegriff im Dach der Kabine ja schon an Glaubwürdigkeit...

Ohne Schlaffseilauslösung wäre es durchaus plausibel, dass sich die Bahn zum Zeitpunkt des Seilrisses knapp vor der Mitte der Strecke befunden hat. Die besetzte Bergfahrt noch talseitig etwas vor der Stütze, der verunglückte Wagen unmittelbar im bergseitigen Bereich der Stütze. Dort sind erfahrungsgemäß die Zugseilschwingungen am stärksten, was theoretisch einen Seilriss im stark belasteten Bereich vor dem Kegel verursachen könnte. Wenn der unmittelbar betroffene Wagen dann so wegschnellt, wie das Mottarone-Video zeigt, ist plausibel, dass der Wagenbegleiter nicht im Stande ist, den roten Auslösegriff zu ziehen und die Gondel die Überfahrt über die Stütze nicht schafft bzw. auch durch das starke Auspendeln -zuerst nach hinten und dann nach vorne- im Bereich nach der Stütze gegen das Seil/Sattel schlägt und abstürzt. Dafür würde auch das Schadensbild sprechen: zuerst Einschlag am Tragseil nach der Stütze (Schaden vorne mittig), dann Absturz im nach vorne aufgeschaukelten Zustand, wobei die Rückseite der Gondel beim Einschlag eingedrückt wird.

Die dynamischen Kräfte aufgrund des Seilrisses dürften den anderen Wagen dann bereits schwächer treffen, wodurch es für Fahrgäste bzw. den Begleiter in diesem Wagen nach einer kurzen Zeit des Schocks/Reaktionszeit möglich sein müsste, die manuelle Auslösung der FB zu ziehen. Dies würde auch die Aussagen, wonach der eingebremste Wagen zuerst zurückgerollt ist, untermauern.

Ist hald mal eine Vermutung...
 
Christoph Lütz schrieb:
Der Unfallhergang und das Schadensbild deuten allerdings auf Parallelen zum Mottarone hin. In der Presse findet das Ereignis aber vergleichsweise wenig Beachtung. Ein einzelner toter Seilbahnangestellter sorgt eben nicht für Schlagzeilen, obwohl es hätte noch viel schlimmer kommen können.

Die Seilbahn ist scheinbar noch mit klassischen Zuegg-Fangbremsen ausgerüstet. Diese werden aber nach den Videoaufnahmen auf YouTube (nach Minute 6:30) hydraulisch betätigt, würde ich behaupten. Man sieht einen Zylinder über dem Gehängetrafrohr. Hier hat es offensichtlich nach 1975 einen Umbau gegeben.Wer hat diesen dann durchgeführt?

Interessante Frage. Das Problem ist hat, am Mottarone weis man auch 6 Monate nach dem Unfall nicht, was das Problem war und dementsprechend kann es durchaus sein, dass auch bei anderen Bahnen Gefahr im Verzug ist.
Ich persönlich würde zum aktuellen Zeitpunkt nicht mehr in eine klassiche grossen Eintragseil Pendelbahn der Generation I (Vor 45) und II (Vor 75) einsteigen.

Der Umbau muss erst in den letzten paar Jahren gemacht worden sein. Auf dem Video von Radim ist noch die alte Steuerung drauf. Wer hat den Umbau gemacht? Was wurde bei dem Umbau gemacht?

Aber wie wird bei dieser Fangbremse ein Zugseilriss erkannt? Schlaffseilauslösung klassisch über Exzenter an der Zugseilbefestigung? Kann man nichts erkennen.
Fangbremse1.jpg

Wozu dient das Gestänge und der Hebel unterhalb des Laufwerks? Nur Pendeldämpfer?

Kabine 1 (links auf) wird vermutlich nicht so stark beschleunigt haben da das Zugseil mit Eigengewicht durch den Antrieb gebremst wurde. Reichte wohl um aufzustehen und die FB manuell abzuziehen.

User Radim hat sicher bessere Fotos davon.
 
Es gibt zwei neue Artikel auf idnes.cz. Im ersten wird berichtet, dass ein Fahrgast diesen Sommer bereits Verschleiß an den Seilen bemerkt hat (https://www.idnes.cz/zpravy/domaci/jested-lanovka-satne-lano-vina-smrt-inspekce-foto-pad.A211101_202220_domaci_albe). Im zweiten Artikel steht, dass die andere Kabine auch Richtung Tal gerast ist und vom Personal händisch die Notbremsung ausgelöst werden konnte (https://www.idnes.cz/liberec/zpravy/jested-nehoda-lanovka-odstranovani-kabina-hasici-tank.A211102_085130_liberec-zpravy_gabr). Da ich kein Tschechisch spreche, habe ich beider Artikel automatisch übersetzen lassen und hoffe, den Inhalt richtig verstanden zu haben.
 
Titanium schrieb:
Es gibt zwei neue Artikel auf idnes.cz. Im ersten wird berichtet, dass ein Fahrgast diesen Sommer bereits Verschleiß an den Seilen bemerkt hat (https://www.idnes.cz/zpravy/domaci/jested-lanovka-satne-lano-vina-smrt-inspekce-foto-pad.A211101_202220_domaci_albe).
MMN ist das kein defekt des Seiles sondern hartgetrocknetes Fett. Wahrscheindlich an der Stelle wo das Seil über Monate während dem Lockdown auf den Rollen auflag.
Mehrere Litzen gebrochen, dann sieht das aus wie ein Drahtkneuel.
 
Ich habe noch einmal nachgehakt bei dem Betriebsleiter einer anderen Tschechischen Bahn.
Der Unfall soll tatsächlich zum Zeitpunkt der Gondelbegegnungen stattgefunden haben und daraufhin habe man die andere Kabine heruntergleiten lassen, um in einen komfortableren Bereich zur Evakuierung zu gelangen.

Da frage ich mich allerdings, wie das technisch möglich ist.
Kann man die Tragseilbremse manuell "steuern", also je nach Krafteinwirkung gezielt am Seil gleiten lassen?
Oder war durch das bergseitige Zugseil noch genug Spannung vorhanden, dass die Kabine in moderater Geschwindigkeit gen Tal rollen konnte?
Und da wäre natürlich auch die Frage, warum man nicht gleich bis in die Station hineinrollt. Das Gefälle ist ausreichend vorhanden.
 
Wiesel schrieb:
Kann man die Tragseilbremse manuell "steuern", also je nach Krafteinwirkung gezielt am Seil gleiten lassen?

Dürfte eigentlich technisch nicht möglich sein...
 
Danke für die Bild Links des Seilkopfes.


ATV schrieb:
Ich persönlich würde zum aktuellen Zeitpunkt nicht mehr in eine klassiche grossen Eintragseil Pendelbahn der Generation I (Vor 45) und II (Vor 75) einsteigen.
Mittlerweile hätte ich sogar Vorbehalte bei der 2. Sektion der Aiguille du Midi PB, idealer Kandidat für Zugseilriss (hohe Zugseilschwingungen, extremes Längsprofils, nur ein Tragseil (allerdings gespleisste Schlaufe), fangbremsenlos, Dauerprobleme mit dem Zugseil (musste auffallend oft ersetzt werden), exotische technische Auslegung, usw.


Der Umbau muss erst in den letzten paar Jahren gemacht worden sein. Auf dem Video von Radim ist noch die alte Steuerung drauf. Wer hat den Umbau gemacht? Was wurde bei dem Umbau gemacht?
Siehe hier (wurde weiter oben bereits erwähnt):
https://genus.cz/Liberec/lanovka-na-jested-ma-vymeneny-pohon-rozjede-se-za-pet-tydnu-n451518.htm
Fotos im Anhang.

Touch in der Kabine sieht man in mehreren neueren Videos. FUA ist über Funk. Neue Videoüberwachung in den Stationen wurde ebenfalls installiert.

Elektrotechnik inkl. AC Antrieb und Steuerung entsprechen soviel ich sehen kann dem "aktuellen Stand der Technik".


Aber wie wird bei dieser Fangbremse ein Zugseilriss erkannt? Schlaffseilauslösung klassisch über Exzenter an der Zugseilbefestigung? Kann man nichts erkennen.
Habe nirgends was in Richtung Schlaffseilauslösung gesehen, was IMO ein absolut gravierender Grundkonzeptfehler ist.

Eine vollautomatische schlaffseilerkennungsbasierte Fangbremsenauslösung ist m.E. bei sämtlichen Pendelbahnfangbremsen absolut zwingend erforderlich.

Bin ich strikte gegen alleinige auf die Fahrgeschwindigkeit basierte Fangbremsenauslösesysteme (stets mit Fahrgeschwindigkeitserfassung am Laufwerk), da die Geschwindigkeitserfassung mit vertretbaren Mitteln nicht genügend zuverlässig ausgeführt werden kann. Z.B. können Laufwerks- oder spezifische reine Messrollen bei Vereisung versagen, auch Entgleisungen, usw. sind problematich. Zudem wird unnötige Komplexität eingeführt und der Wartungsaufwand ist ebenfalls grösser.

Unter gewissen Voraussetzungen ist eine Schlaffseilauslösung je nach Vorschriften leider nicht zwingend erforderlich, was m.E. jedoch auf einer schweren Fehlüberlegung beruht.

Die i.d.R. stets vorhandene Handauslösung ist nur in gewissen Situationen wirklich einsetzbar, bei Zugseilriss ist die Dynamik zu extrem (und der Glanzidee bei Zugseilriss auf der intakten Seite das andere Zugseil vom Laufwerk automatisch trennen (!!!) traue ich gar nicht, sowas gibt es sogar),

Meine Vermutung ist, dass die Fangbremse aufgrund der Fahrgeschwindigkeit (autark lokal am Laufwerk erfasst, nicht über FUA) hätte auslösen sollen, und dass dann irgendwas falsch lief.
Ob mechanisch, elektrisch oder hydraulisch, fahrgeschwindigkeitserfassungsbasierte Auslösung der Fangbremse ist ausführungsunabhängig komplexer, störungsanfälliger und gesamthaft weniger sicher als eine einfache klassische Schlaffseilauslösung mit ganz banaler Tellerfedernpaketvorspannung (nicht zu verwechseln mit der fragwürdigen hydraulischen Vorspannung wie in u.a. bei Mottarone und diversen weiteren Pendelbahnen).

Ob überhaupt eine automatische Auslösung der Fangbremse bei Jested vorhanden ist, weiss ich nicht. In zahlreichen Ländern war stets eine automatische Auslösung vorgeschrieben. Reine Handauslösung wäre völlig unverständlich, da eine solche eigentlich nur als zusätzliche Sicherheitsmassnahme dienen kann, da seit eh und je bekannt ist, dass bei Zugseilriss in den allermeisten Fällen eine in der betroffenen Kabine mitfahrende Person nicht mehr in der Lage ist, die Fangbremse von Hand auszulösen.
Noch idiotischer sind Auslösehebel mit mehreren Auslösestellungen, als hätte jemand im Ernstfall noch Zeit zu überlegen, ob man z.B den Hebel auf volle oder halbe Fangbremsenleistung stellt (siehe u.a. diverse Poma Pendelbahnen).


Wozu dient das Gestänge und der Hebel unterhalb des Laufwerks? Nur Pendeldämpfer?
Siehe hier: 00:06:39
https://www.youtube.com/watch?v=L1-uno0cOxU

Irgendwo ist noch ein Foto oder Video von den anderen Seite, muss ich suchen. Bin nicht sicher was es ist, muss nochmals hinschauen. Habe zwar auch zuerst an Längspendeldämpfer gedacht.


Kabine 1 (links auf) wird vermutlich nicht so stark beschleunigt haben da das Zugseil mit Eigengewicht durch den Antrieb gebremst wurde. Reichte wohl um aufzustehen und die FB manuell abzuziehen.

User Radim hat sicher bessere Fotos davon.
Wäre interessant sowas nachzurechnen oder ggf. gibt es CCTV Aufzeichnungen.

Jedenfalls ähnlich wie bei Mottarone riss ein oberes Zugseil und eine Fangbremse versagte während die andere schlimmeres verhinderte,

Fazit wäre eigentlich, dass endlos gespleisste Zugseilschlaufen zusammen mit fangbremsenbehafteten Laufwerken die sicherste Kombination darstellen sofern korrekt ausgeführt (die Nachteile der Fangbremsen kenn ich wohl, darüber diskutiere ich seit ca. 2007 in Alpinforum), also insbes. ohne überflüssige Komplexität.

Dass ein Seil jedoch katastrophal versagt, ohne dass man genügend frühzeitig Probleme erkennt scheint mir nach wie vor Rätselhaft. Ausser bei besonderen Einwirkungen wie Brand, Sabotage, usw. wird ein Seil allermeist mehr oder weniger progressive beschädigt, so dass in den allermeisten Fällen Probleme früh genug erkannt werden damit kein unzulässiges Risiko entsteht.

Ob stets fachgerecht vorgegangen wurde spielt da eine entscheidende Rolle, sowas wird auch entsprechend Untersucht da der Betreiber die Auflagen des Herstellers und die der Behörden befolgen muss.


Bilder im Anhang können ggf. von den Copyrigthinttegristen gelöscht werden, jedoch Texte bitte belassen.
 

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ATV schrieb:
Titanium schrieb:
Es gibt zwei neue Artikel auf idnes.cz. Im ersten wird berichtet, dass ein Fahrgast diesen Sommer bereits Verschleiß an den Seilen bemerkt hat (https://www.idnes.cz/zpravy/domaci/jested-lanovka-satne-lano-vina-smrt-inspekce-foto-pad.A211101_202220_domaci_albe).
MMN ist das kein defekt des Seiles sondern hartgetrocknetes Fett. Wahrscheindlich an der Stelle wo das Seil über Monate während dem Lockdown auf den Rollen auflag.
Mehrere Litzen gebrochen, dann sieht das aus wie ein Drahtkneuel.

So etwas ähnliches ist mir (nur weniger deutlich ausgeprägt) vor Jahren schon einmal an der Predigtstuhlbahn aufgefallen.

img_1425btxjd3.jpg


img_1428brgjem.jpg
 
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