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Seilbahnunglück in Liberec (CZE) - ein Toter

Darf ich mal eine kleine OT-Zwischenfrage stellen, die mir vor kurzem anlässlich einer Fahrt mit der Stuttgarter Standseilbahn durch den Kopf gegangen ist: wie gut sind eigentlich Standseilbahnen gegen einen Zugseilriss abgesichert? Gibt es da wirklich zuverlässige Bremsen und wie funktionieren die (die Strecken sind ja manchmal wirklich sehr steil)? Es gibt ja zum Teil auch Standseilbahnen mit kompletter Zugseilschleife, also auch mit einem talseitigen Seil - könnte es da auch zu solchen heftigen Abwärtsbewegungen der Bahn kommen, wenn das obere Seil reißt? Sind Standseilbahnwägen auch mit einem Vergusskopf an das Zugseil angebunden?
 
osorno schrieb:
Darf ich mal eine kleine OT-Zwischenfrage stellen, die mir vor kurzem anlässlich einer Fahrt mit der Stuttgarter Standseilbahn durch den Kopf gegangen ist: wie gut sind eigentlich Standseilbahnen gegen einen Zugseilriss abgesichert? Gibt es da wirklich zuverlässige Bremsen und wie funktionieren die (die Strecken sind ja manchmal wirklich sehr steil)? Es gibt ja zum Teil auch Standseilbahnen mit kompletter Zugseilschleife, also auch mit einem talseitigen Seil - könnte es da auch zu solchen heftigen Abwärtsbewegungen der Bahn kommen, wenn das obere Seil reißt? Sind Standseilbahnwägen auch mit einem Vergusskopf an das Zugseil angebunden?
Fangbremse zu Standseilbahnen siehe --> https://www.alpinforum.com/forum/viewtopic.php?f=39&t=1921
 
Hallo in die Runde,

war mit untergegangen, dass die Gondel "nur" mit Gondelführere besetzt war, zum Glück muss man sagen.

Bisher wird ja von einem Zugseilriss ausgegangen, obwohl die Bilder dazu komisch aussehen und das nicht plausibel erscheinen lassen. Drum mal ganz anders gedacht.

Was, wenn das GEGENSEIL gerissen ist (wo auch immer). Die Gondel wird extrem mit Laufrichtungsumkehr beschleunigt, schlägt/pendelt in Folge dessen bis ans Tragseil hoch, was den Einriss, die mittige Einkerbung der Gondel talseitig hervorruft. Dabei ist derart viel Dynamik mit im Spiel, wobei das TRAGSEIL vom FAHRWERK abgehoben wird. Die hochpendelnde Kabine hat derart viel Energie, dass sie das Tragseil deutich nach oben drückt, denn sonst wäre die Einkerbung nicht vom Dach bis zum Boden der Kabine entstanden. Dabei bewirkt die Längsbewegung der Kabine am Tragseil das zusätzliche Einschneiden und nicht nur ein Eindrücken. Durch den Bewegungsschub in Richtung Berg schlägt die Gondel weiter oben auf, als deren Position im Moment des Gegenseilrisses war.

Daraus würde auch plausibel begründbar, warum das Zugseil noch weiterhin über der Stütze geführt ist und zum anderen durchhängt.

Bei der Lage der abgestürzten Gondel wäre untern keinen Umständen noch Zugseil bei einem Zugseilriss am Mast vorhanden. Nicht vergessen, das peischt ja noch viel schneller zurück als die Beschleunigung der Gondel an sich. (Das Bisschen Zugseilmasse auf dem kurzen Stückchen bei der vorhandenen Federenergie ...)

Voraussetzung für dies Szenario, also Abheben des Tragseiles vom Fahrwerk, wäre aber ein zu verzögertes oder gar nicht vorhandenes Ansprechen der Tragseilbremse. Bei einer über Geschwindigkeit gesteuerten Tragseilbremse ein vlt kritischeres Szenario denn bei einer schlafseilauslösenden Bremse. Ferner in dem Szenario eine leere Kabine auch wiederum kritischer, weil schneller nach oben pendelnd und das Tragseil berührend, bevor die Rollen Fahrt detektieren. Dazu noch die Laufrichtungsumkehr, d.h. die Rollengeschwindkeit ist trotz größerer zurück gelegter Strecke nicht annähernd so hoch als wenn ein Seilriss vorliegt, der eine Beschleunigung in Fahrtrichtung zur Folge hätte.

Grüße
Mattias
 
AW bzgl. Fehlauslösung einer Fangbremse habe ich ausnahmsweise rauseditiert, werde später im Fangbremsentopic antworten. Fehlauslösungen der Fangbremse sind relativ selten. In den allermeisten Fällen müssen lediglich das Tragseil (bzw. beide Tragseile falls zwei pro Spur vorhanden sind) sowie die austauschbaren Bremsbeläge der Fangbremsenzangen kontrolliert werden. Ggf. sind oberflächliche Bemsbelagmaterialablagerungen von den Tragseilen (meist durch Spezialisten des Seilherstellers) wegzuschleifen.
Seilsättel der Stützen sowie Seilreiter (Zugseilzwischenaufhängungen) sind so ausgelegt, dass das Laufwerk selbst mit geschlossener Fangbremse ohne Entgleisung durchfahren kann.

Habe noch diese Fotos gefunden:
https://www.lidovky.cz/domov/jested-nehoda-lanovka-odstranovani-kabina-hasici-tank.A211102_153222_ln_domov_kov/foto
Zu beachten ist dabei, dass sich die Kabine z.T. nicht mehr in der Ausgangslage befindet und auch für das Wegschleppen ursprünglich herumliegende Wrackteile in die Kabine gesteckt wurden.

Schlaffseilauslösung konnte ich nirgends klar erkennen. Beim ausgestellten Seilkopf sehe ich keine tragende Gewinde, wirkt demnach der gesamte Seilzug als Scherkraft auf axiale Schrauben (oder ähnliches), oder ist eine andere formschlüssige Verbindung vorhanden?

Meinte definitiv, dass der "Türschliesser" ein Hydraulikventil ist, um beim erreichen einer zu grossen Längsauspendelung die Fangbremse schliesst (ob winkelsymmetrisch ausgelöst wird weiss ich nicht).
Schlaffseilauslösung konnte ich nirgends erkennen, Geschwindigkeitsmessung sehe ich auch keine wobei dies visuell nicht unbedingt gut erkennbar ist, insbes. da die Steuerung neu ist.

Der Verlauf des Zugseils von Fahrzeug 2 (verunfallt) bei der Stütze ist mir zurzeit rätselhaft, dies sofern nichts manipuliert wurde (z.B. aus Sicherheitsgründen für die Bergung). Insbes. das talseitig SENKRECHT verlaufende Seil ist unlogisch oder es handelt sich nur noch um ein relativ kurzes Reststück des oberen Zugseils, was dann jedoch widesprüchlich zur Lage der absgestürzten Kabine wäre (diese wäre in diesem Szenario dann erst NACH dem Seilsattel abgestürzt) und zudem wurde AFAIK das untere Zugseil nicht vom Laufwerk getrennt.

Erfolgte die vollstädige Entgleisung VOR dem Seilsattel der Stütze wäre das beidseits vom Seilsattel herunterhängende Seil das untere Zugseil (Gegenseil), dieses kann jedoch talseitig nicht senkrecht verlaufen da das Seil von der Talstation bis Sütze zuerst durchhängt bis es dann den Boden berührt und ggf. noch etwas talwärts gezogen wird oder bzw. rutscht.

Auch das Schadensbild ist interessant, siehe der Knick im Gehänge sowie die plattgedrückte Abdeckung beim Kontaktsystem (hintere Seite des Betätigungssystems der Fangbremse). Sieht aus als wäre das Gehänge mit etwas kollidiert, nur ist die Eindruckstelle bergseitig, sollte demnach vom Aufprall am Boden stammen...
 

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Öffentlicher Aufruf nach Fotos:
Die Eisenbahninspektion sucht ein Foto der Seilbahn nach Ještěd: Ihn interessiert der Zustand vor dem Unfall
https://liberecka.drbna.cz/zpravy/spolecnost/27908-vysetrovani-padu-kabiny-lanovky-na-jestedu-drazni-inspekce-chce-fotky-od-turistu.html
https://www.blesk.cz/clanek/zpravy-krimi/694819/drazni-inspekce-shani-fotografie-lanovky-na-jested-zajima-se-o-jeji-stav-pred-nehodou.html
Dies sind Fotos aus der jüngeren Vergangenheit, etwa vom 1. September bis zu dem tragischen Ereignis, bei dem der 36-jährige Führer starb. Fotos können an matej.pluhar@dicr.cz gesendet werden.


V kabině, která jela v opačném směru, tedy směrem nahoru, cestovalo 14 lidí včetně průvodčího. Nikomu z nich se nic nestalo. Kabina zůstala viset na nosném laně, neboť se průvodčímu podařilo aktivovat záchrannou brzdu a zastavit tak kabinu, jež po přetržení tažného lana prudce sjížděla zpátky k dolní stanici.
DE:
In der Kabine, die in die entgegengesetzte Richtung, also nach oben, fuhr, reisten 14 Personen inklusive Guide. Keinem von ihnen ist etwas passiert. Die Kabine blieb am Tragseil hängen, da es dem Guide gelang, die Notbremse zu aktivieren und die Kabine zu stoppen, die nach dem Abriss des Abschleppseils steil in die untere Station zurückfuhr.
Effektiv von Hand ausgelöst wie schon anfänglich vermutet.

Drážní úřad po pádu kabiny lanovky přijal mimořádná opatření. Po provozovatelích bude chtít před zahájením zimní sezony sdělit termíny kontrol, oprav a údržby a doložit kontroly lan. Další bezpečnostní opatření bude možné přijmout po vyšetření příčiny nehody na Ještědu.
DE
Die Bahnbehörde hat nach dem Einsturz der Seilbahnkabine ausserordentliche Massnahmen ergriffen. Vor Beginn der Wintersaison wollen die Betreiber die Inspektions-, Reparatur- und Wartungstermine bekannt geben und die Inspektionen der Seile dokumentieren. Nach der Untersuchung der Unfallursache in Ještěd können weitere Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden.
 
Zum Vergleich, als Beispiel, Seilverlauf nach Zugseilriss sowie doppeltem Tragseilriss der vorderen Spur (die zwei Zugseile der hinteren Spur sind noch intakt) bei einer anderen Pendelbahn, Sütze is etwas 80 m hoch, jedoch teilweise vom Wald verdeckt. Eine Kabine endete zerstört am Boden, die andere wurde von der Fangbremse unversehrt festgehalten, reiner Sachschaden.

Edit:
Habe noch ein früheres Foto gefunden.

Artikel, mit was mehr Inhalt als der reine Presseagenturmist:
https://www.voxnews.online/artikel/ein-toter-bei-seilbahnunglueck-in-tschechien

Vermute, das von Kabine 1 aus mit Handys gefilmt wurde. Hoffentlich werden Videos auftauchen, damit man sehen kann was wirklich geschah.
 

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Interessant finde ich noch dieses Bild. Was zeigt es? Teil der Kabine? Fiberglasteil aus dem Bereich wo das Gegenseil gesägt hat? Jedenfalls hängt es an einer einzelnen aufgegangenen Litze.
7298330.jpg

7298330-Kopie.jpg
 
ATV schrieb:
Interessant finde ich noch dieses Bild. Was zeigt es? Teil der Kabine? Fiberglasteil aus dem Bereich wo das Gegenseil gesägt hat? Jedenfalls hängt es an einer einzelnen aufgegangenen Litze.
7298330.jpg

7298330-Kopie.jpg

Dieses Teil hab ich auch schon in einem Video baumeln gesehen, aber wieso hängt das auf einer Litze vom Gegenseil? Dann muss die Kabine schon vor der Stütze das Gegenseil berührt haben. Vermutlich beim auspendeln der Kabine bei einer Tragseilnotbremsung und dannach Entgleisung des Laufwerks?

Warum der Aufruf von Privatfotos von der intakten Bahn vor dem Unglück?
Es wird doch hoffentlich ein Video der Überwachungskamera geben, das den Unfallhergang aufklärt?
 
Liftler1976 schrieb:
Warum der Aufruf von Privatfotos von der intakten Bahn vor dem Unglück?
Man hat an dem Unfall am Mottarone in Italien gesehen, dass solche Privatfotos sehr aufschlussreich sein können :wink:
 
Hängt das herausgerissene Teil wirklich an einer Litze eines Zugseils oder könnte es sich um eine Elektrokabel handeln, das sich nachträglich um ein Zugseil wickelte?

Die Dynamik des Vorfalls ist mir zurzeit weiterhin rätselhaft, ebenso die Beschädigungen sind für mich etwas unerwartet, insbes. der Knick sowie die Risse im Gehänge, die doch auf eine hohe Krafteinwirkung deuten (zwar dennoch möglich insbes. bei einer Leichtmetallausführung).

Schlugen Gehängekopf (Edit: eher beim Schleifkontaktsystem hinten an der Fangbremse (End Edit)) sowie bergseitige Kabinenfront jeweils sehr hart auf, und ggf. in welcher Reihfolge?

Offensichtliche gut sichtbare Kollisionsspuren bei der Stütze sieht man keine.

Beim bergseitigen Seilkopf kann ich nicht klar sehen, ob noch ein ca. 20-25 mm langes Seilstück nach dem hellen Teil herausragt, oder ob man gar keinen Rest des Zugseils sieht.

In einem älteren Foto sieht es so aus, als würde das bergseitige Zugseil anstelle zentrisch leicht nach unten versetzt aus der Austrittsabdichtung des Seilkopfes verlaufen, kann jedoch eine optische Täuschung sein, da man es nicht gut sehen kann. Muss Foto suchen.
Edit: Meinte 4. Foto hier (Post von ATV): https://www.alpinforum.com/forum/viewtopic.php?f=35&p=5335390#p5335284

Bei den Seilköpfen meinte ich, dass keine Hydraulikleitungen erkennbar sind, sieht für mich wie Elektrokabel aus.
 
Lagorce schrieb:
Beim bergseitigen Seilkopf kann ich nicht klar sehen, ob noch ein ca. 20-25 mm langes Seilstück nach dem hellen Teil herausragt, oder ob man gar keinen Rest des Zugseils sieht.

Ich glaube Seil schaut da keines heraus, Bild aus einer anderen Perspektive:

https://www.lidovky.cz/domov/jested..._153222_ln_domov_kov/foto/BSE8f1f52_image.jpg

Und die Zugseilbefestigung wurde noch vor der Bergung, ich denke zur Schadensanalyse, ausgebaut:

https://www.lidovky.cz/domov/jested...8f29e1_123189073566_7065807036842931134_n.jpg
 
Info aus den tschechischen Medien:

Die Polizei bzw. Ceske Drahy bitten um Fotos der Zugseilanfassung seit dem 1.9. scheinbar seien dort die ersten Hinweise auf Unregelmässigkeiten aufgetaucht.
 
Irgendwas (bzgl. Seile?????, bin nicht mehr sicher worum es genau ging, siehe auch weiter oben) war einem Fahrgast bereits vor Wochen aufgefallen Als er einen Angestellten fragte, bekam er (angeblich) keine klare Antwort. Möglicherweise schrieb er (oder möglicherweise jemand anders) darauf ein e-mail an den Betreiber.
Habe irgendwo so was in diese Richtung per Google überesetzt gelesen oder es war als Untertitel in einem Video. Habe mich dann nicht mehr näher damit befasst.


ATV schrieb:
Meinte dies wäre die Handpume zur Notöffnung der Handbremse (mit Griffaufnahme, hier ohne rohrförmige Hangriffstange). Siehe Fotos, hatte auch zuerst an den "Türschliesser" gedacht.

Siehe anderes Foto vor Unfall.


Interessant ist die Verriegelung in Offenstellung (Verklinkung).
Im Foto vor dem Unfall sieht es so aus, als würde rein mechanisch durch Verklinkung offen gehalten.
Bergseitig teilweise horizontal am zylindrischen Teil verlaufend könnte es sich um den Bowdenzug der zum Handgriff an der Kabinendecke führt handeln, bin jedoch nicht sicher (Fotos vom roten Griff vor und nach dem Unfall weiter oben). Talseitig ist die hydraulische Freischaltung, die man jedoch nirgends sehr gut sieht (habe noch kein aufschlussreiches Bild gefunden, muss schauen ob evt. was abgerissen wurde).

Wie die Fangbremse geöffnet wird ist nicht genau ersichltich, vermute mit internem Hydraulikzylinder, in diesem Falle müsste nach dem Erreichen des mechanischen Verriegelungspunkts (einrasten des Offenhaltekipphebels) der Hydraulikzylinder ein ungestörtes Schliessen der Bremszange erlauben. Keine Ahnung wie dies genau bei dieser Bauart ausgführt ist.

Sinnvoll wäre es, bei sämtlichen kleinen älteren Pendelbahnen mit exotischer Fangbremse, deren automatische Auslösung (Schlaffseil simulieren) sowie den Handabzug zu überprüfen sofern dies nicht wie vorgeschieben periodisch gemacht wurde. Im STILLSTAND kann man jederzeit, egal ob leer oder unter Volllast, problemlos eine Fangbremse schliessen.


(nach dem Absturz ist der Verriegelungsbügel nicht mehr in Verriegelungsstellung, wobei man nicht weiss, ob der Bügel sich erst beim Aufprall entriegelte oder ob effektiv die Fangbremse ausgelöst wurde.
 

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Ich hab mal eine Frage an die Experten (rein hypothetische Frage). Wäre es denkbar, dass am Antrieb der Seilbahn irgendetwas versagt haben könnte (die Betriebsbremse zb)?
Dass dadurch die (deutlich schwerere) bergfahrende Kabine talwärts stark beschleunigt hat und die zweite Kabine dadurch dass sie deutlich leichter war sich sehr stark aufgeschaukelt hat (der Einschnitt ist ja am talwärts gerichteten Ende der Kabine, was eigentlich doch gegen einen Seilriss oberhalb der Kabine sprechen müsste....in Stresa konnte man ja gut sehen, in welche Richtung die Kabine beim Seilriss gependelt ist).
Und sofern sich das Unglück (wie teilweise erwähnt wurde) etwa bei der Kreuzung der beiden Kabinen unterhalb der Stütze ereignet hat, wäre die fast leere Kabine durch das starke bergauf Beschleunigen an der Stütze entgleist (dass das Zugseil dadurch erst gerissen ist).
 
Wenn die Betriebsbremse nicht verzögern würde,
Dann würde die Sicherheitsbremse einfallen.
 
Lagorce schrieb:
Die Dynamik des Vorfalls ist mir zurzeit weiterhin rätselhaft, ebenso die Beschädigungen sind für mich etwas unerwartet, insbes. der Knick sowie die Risse im Gehänge, die doch auf eine hohe Krafteinwirkung deuten (zwar dennoch möglich insbes. bei einer Leichtmetallausführung).

Schlugen Gehängekopf (Edit: eher beim Schleifkontaktsystem hinten an der Fangbremse (End Edit)) sowie bergseitige Kabinenfront jeweils sehr hart auf, und ggf. in welcher Reihfolge?
Offensichtliche gut sichtbare Kollisionsspuren bei der Stütze sieht man keine.
Beim bergseitigen Seilkopf kann ich nicht klar sehen, ob noch ein ca. 20-25 mm langes Seilstück nach dem hellen Teil herausragt, oder ob man gar keinen Rest des Zugseils sieht.

Ich hab mir nochmals Gedanken gemacht und die Indizien welche wir bis jetzt haben miteinander verglichen.
-Keine Kollision mit der Stütze
-Es befindet sich noch immer das Gegenseil auf den Zugseilrollen der Stütze
-Die Kabine besitzt auf der Front Richtung Tal 2 grosse Einschnitte in GFK
-Das Gehänge ist in Fahrrichtung nach hinten gebogen
-In den Bäumen hängt das Seil mit Resten des GKF der Kabine

Alles in Allem würde für mich folgenden Verlauf Sinn machen.
Zugseilriss weiter oben als von den Zeugen beschrieben (Nicht etwa in der Streckenmitte sondern so 250m vor der Bergstation), würde auch besser mit der Position der Kabine 1 (auf) korrespondieren.
Versagen Vergusskopf. Beide Wagen rollen retaul. Durch das kurze flachen Trasse und die Tatsache dass beide Wagen zurückrollen ist der Spannweg im Tal sofort aufgebraucht, Gegenseil hängt durch. Kabine überholt die Schlaufe des Gegenseiles Gegenseil hängt über die Talseitige Front der Kabine.
Jested1.jpg

Die Nachgezogene Schlaufe des immernoch am Laufwerk befestigten Verguss bleibt an einem Objelt hängen. Baun, Fundament der ehem. Stütze 2, Fels, usw.
Das führt dazu dass das Gegenseil sofort gespannt und das Laufwerk schräg nach Richtung Berg und nach unten gerissen wird, der Gehängearm verbiegt sich und das Laufwerk entgleist.
Jested2.jpg


Rot in etwa die Schlaufe welche das Gegenseil gemacht haben könnte um dem Gehänge so zu zerdrücken. Das sich das Gegenseil um das Laufwerk gewickelt hat könnte darauf hinweisen, dass die Kabine sich beim Abstutz gedreht hat.
Jested-Kabine2-Gesamtansicht-021.jpg
 
Klingt sehr einleuchtend.

Die Kabine liegt aber unterhalb der Stütze, oder?
In deiner Skizze ist sie darüber zum Liegen gekommen, oder sehe ich das Falsch?

Besonders die dünnen Knickstellen in der Seitenwand und im GFK Dach und Boden deuten auf einen Seilkontakt hin.
 
Eine andere Hypothese vielleicht. Gleichwohl mir ATV's Hypothese schlüssig erscheint, wäre auch folgendes "simpleres" Szenario möglich:


photo upload website

Im der Skizze (1):
Zugseil reißt ein gutes Stück oberhalb des Mastens. Kabine beschleunigt gegen Tal, das Gegenseil hängt mehr und mehr durch bis es am Boden liegt. Kabine holt am Boden liegendes Gegenseil ein und überholt es.

Kabine nimmt weiter Fahrt auf, zieht Gegenseil hinter sich her - wodurch die Kabine bereits ein wenig nach hinten geneigt wird. Bis hier also wie bei ATV's Hypothese.

Im der Skizze (2):
Das Gegenseil hängt vom Masten jetzt schräg durchhängend gegen Berg, durch talseitigen Zug ein wenig gespannt, vgl. Skizze.

Kabine nähert sich Masten, talseitige Wand erreicht zunächst an der Unterkante das schräg hängende Gegenseil. In der Skizze ist die am Boden liegende Seilschleife etwas kurz dargestellt, es könnten jedoch durchaus bis zu 400m Seil im unebenen Gelände ausliegen, die ruckartig kaum substantiell zu bewegen sind. Dadurch schlägt (und sägt) sich das vom Masten hängende Gegenseil durch (weiche) Aluminiumbleche und Verkleidungen. Übermäßig stark scheint mir der Einschlag dennoch nicht gewesen zu sein.




Durch den Vortriebsvektor der Kabine und die Seilschräge bedingt, hebelt es die Kabine nach oben, wodurch das Laufwerk abhebt und entgleist. Dies passiert unmittelbar vor Erreichen des Mastens, jedenfalls scheint dieser nicht beschädigt zu sein, oder es ist nicht zu erkennen (s.u.).
Die weitere Dynamik ist kaum nachzuvollziehen, dennoch gibt es Spuren:

Beim Absturz zieht es das doppelte Gegenseil wieder aus der Einkerbung in der Kabinenwand heraus. Dabei reißt auch der talseitige Scheinwerfer (vgl. blaurote Farbkombo im Bild oberhalb) am Kabinendach aus. Die Zuleitung des Leuchtmittels schlingt sich um das Gegenseil, wo es jetzt noch hängt.




Das Gegenseil hängt jetzt beidseitig vom Masten nahezu senkrecht herab, ein Indiz, dass es durch den Einschlag in die Kabine und/oder beim wieder herausreissen durch diese "eingezogen" wurde:

 
Beide Thesen (Seil liegt am Boden in Schlaufe) klingen logisch und nachvollziehbar.

Allerdings: Das müsste sehr offensichtlich auch bei der Untersuchung zu sehen sein und es dürfte Bilder von der am Boden liegenden Seilschlaufe geben. Insbesondere wenn sie sich irgendwo verfangen hat (erste These) dürfte das extrem auffällig sein und man hätte da sicher schon was 'zu gehört oder gelesen.
 
Die Kabine 1 kann meines Erachtens nicht al zu weit gerollt sein da sie gemäß diesen Bildern das eigene Gegenseil nicht überholt hat.
Jested-Kabine1-Gesamtansicht-021.jpg

Jested-Kabine1-Gesamtansicht-021-Kopie.jpg
 
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