Skitour Höferspitze 21.3.2022
Vielleicht liegt es daran, dass ich im Herzen mehr Sportler und Alpinist als Skifahrer bin, vielleicht daran, dass ich nach 15 Jahren einen erheblichen Teil der sagen wir populären Skigebiete der Alpen besucht habe oder vielleicht daran, dass mein Bedürfnis eines Ausgleichs zum Alltag zu schaffen, in den letzten zwei bis drei Jahren mehr Stille einfordert. Meistens nur noch aus sozialer Indikation mit meiner Frau oder wenn ich Freunde treffe findet man mich in Liften und auf Pisten, ansonsten bin ich mehr zum Skitourengeher transformiert. Entgegen der Sicherheitserwägungen bin ich in der Regel dann ganz bewusst alleine ein paar Stunden unterwegs da draußen. Wenn man das erste Mal auf einem Berg steht auf den kein Lift führt und sich dann hinunterschwingt merkt man, dass Skifahren zwar schon immer großartig war, man gerade aber eine neue Welt betreten hat.
Die Höferspitze ist ein mittelmäßig oft besuchter Gipfel, zu dem man üblicherweise aus dem hintersten Ort des Kleinwalsertals, nämlich aus Baad aufsteigt - ein Ausgangspunkt für zahlreiche beliebte Skitouren und Wanderungen.
Ausgangspunkt ist der Wander- und Tourenparkplatz am kleinen Kreisverkehr am Ortsrand. Ich bin gemütlich etwa eine Stunde entfernt in Nesselwang in den Tag gestartet und felle um 9 Uhr meine Ski am Parkplatz auf. Die meisten Hänge der Route sind nördlich und östlich geneigt, die bleiben lange hart. Ein paar dünne Schleierwolken dämpfen die Sonne zusätzlich ein wenig und für ~1000 Höhenmeter Anstieg muss man heute nun wahrlich nicht früher starten.
Der Weg startet breit und gemächlich ins Bärgunt-Tal hinein. Am Anfang ist er ein breiter Winterwanderweg bis zur vielbesuchten Bärgunt-Hütte.
Das Tal zieht sich ein wenig und man macht nicht all zu viele Höhenmeter.
Nach der Bärgunt-Hütte zieht die Aufstiegsspur dann in das erste Waldstück.
Unspektakulär aber schön.
Schließlich wird das erste Mal der Blick in den hinteren Talkessel frei.
Das auf dem vorherigen Bild zu sehende zweite Waldstück wird in einem kleinen Tobel überwunden. Der Schnee ist wie um diese Jahreszeit zu erwarten noch pickelhart gefroren.
Dann weitet sich der Blick erneut und man erreicht die erste kleine Felsstufe. Diese wird in Bildmitte und dann schräg nach rechts weg durchstiegen. Spätestens für den Quergang geht es nicht mehr ohne Harscheisen. Und mittendrin verliere ich Trottel mein Handy als ich ein Foto machen will und brauche eine Dreiviertelstunde, bis ich es erheblich weiter unten im Gestrüpp wiedergefunden habe. Selbst schuld.
Die Gratformation der Höferspitze kommt in Sichtweite. Die meisten Kilometer sind längst gemacht, die meisten Höhenmeter noch nicht.
Da freut man sich beim Aufstieg schon auf die Abfahrt. Die Hänge sehen wunderbar aus. Ganz oben im Gipfelsteilhang tun sich einige große Fischmäuler auf, die man entweder ganz links oder ganz rechtsherum umgehen kann. Ich entscheide ich irgendwie für links. Jetzt gerade dürfte von ihnen noch nicht all zu relevante Gefahr ausgehen - die Schneedecke am Nordhang ist nach wie vor eisig hart gefroren. Am Nachmittag mag das schon anders aussehen.
Links der markante Große Widderstein, davor unscheinbar der Seekopf und der Hochalppass als klassischer Übergang nach Warth-Schröcken.
Der letzte Gipfelhang neben den Fischmäulern. Wäre auch ohne die Harscheisen gegangen, aber ich bin schon froh, sie unterwegs nicht wieder abgebaut zu haben.
Und dann bin ich oben - der Blick fällt nach Norden über Baad und Oberstdorf hinaus ins flache allgäuer Alpenvorland.
Nach Süden schaut man tief in die Alpen hinein und aus ungewöhnlicher Perspektive auf das Skigebiet Warth/Schröcken mit den im moment üblichen weißen Pistenbändern durch eine beigen Melange aus Saharasand und Schnee.
Ich wechsle in Ruhe auf trockene Klamotten, raste ausgiebig in Erwartung das die Sonne ihr Werk vollbringt. Und dann liegen knapp 1000 Höhenmeter Firn vor mir.
Auf dem letzten Stück stoßen zwei Tourengeherinnen hinzu, die mit mir zeitgleich vom Parkplatz aufgebrochen waren - wahrscheinlich zum Karlstor in der Flanke des kleinen Widdersteins.
Ein wundervoller Tag, der gleichzeitig der letzte in einer Reihe von vier Skitouren ist, mit denen ich ein paar Überstunden des Jahres plattgemacht habe. Ruhrgebiet - ich komme dir schonmal wieder ein Stück entgegen. Ich fahre noch Quer durchs Allgäu durch Oberstaufen zum Bodensee, genieße ein wenig Landschaft und Sonne und übernachte Abends in einem kleinen AirBnB-Zimmer am Rande von Karlsruhe. Und da sitze ich jetzt auch gerade am heutigen Dienstag Morgen und schreibe diese Zeilen. Noch ein Kaffee und dann geht es zurück nach Bochum - wenn ich nicht mittags wieder zu Hause bin, bekomme ich die Akkreditierung für weitere Kurzurlaube wahrscheinlich entzogen.
Could happen that you can scratch the clouds
Could happen that you come tumbling down
Could be you find yourself at the top of the stairs
Could be you're just another clown
It takes seconds to fall
(aus: "Seconds to fall" von Fury in the Slaugtherhouse)