16.-24.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer | (Aktuell: 24.-26.11. Montafon -> Würzburg -> Bochum)

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16.-24.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer | (Aktuell: 24.-26.11. Montafon -> Würzburg -> Bochum)

Beitrag von bastian-m »

Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer
16.11. - 24.11.2023


Let's wash away the troubles
Keeping us apart
Tell those untold stories
Let the healing start

(aus: "Untold Stories" von Kathy Mattea)
  • 16.11. Bochum -> Zürich
  • 17.11. Zürich -> Lech
  • 18.11. Lech
  • 19.11. Lech -> Feldkirch
  • 20.11. Feldkirch -> Kühtai
  • 21.11. Kühtai -> Vent
  • 22.11. Vent -> Reschenpass -> Davos
  • 23.11. Davos -> Montafon
  • 24.-26.11. Montafon -> Würzburg -> Bochum
  • To be continued
Zuletzt geändert von bastian-m am 02.12.2023 - 15:58, insgesamt 9-mal geändert.
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Firn77
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Re: 18.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer (Lech a.A.)

Beitrag von Firn77 »

bastian-m hat geschrieben: 18.11.2023 - 22:17 Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer
18.11.2023 - Lech am Arlberg


Let's wash away the troubles
Keeping us apart
Tell those untold stories
Let the healing start

(aus: "Untold Stories" von Kathy Mattea)


Ein Tag am dessen Ende mir die Zeit nicht gereicht hat, direkt eine Geschichte dazu zu schreiben, doch er ist es so sehr wert. Eigentlich war ich ganz wo anders, wollte ganz woanders hin und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, ist, wenn es um Schnee gehr, für jemanden aus Bochum nicht gerade eine Kernkompetenz. Bis auf heute. Wer weiß, wie oft ich es diesen Winter überhaupt auf die Ski schaffe, vielleicht war genau das bereits der Tag der Tage. Was ein geniales kleines Zeitfenster mitten im November.
Ich bemühe mich, die Geschichte in den nächsten Tagen nachzureichen und bitte um Entschuldigung, hier vorab nur schonmal ein paar Bewegtbilder einzustellen. Ist sonst ja nicht meine Art...
Direktlink
Danke Arlbergfan, danke Lech!

Und da ich meine Berichte für die Community und nicht für irgendeinen Admin schreibe, erscheint mir persönlich ein Berichtsboykott der generell falsche Ansatz.
Egal, welche Geschichte dahinter steckt - sie scheint großartig gewesen zu sein.

Und ja - bitte reiche sie noch nach, du bist einer der besondersten Storyteller hier und diese Geschichte will man bei solchem Bewegtbild schon gleich drei mal nicht missen...

Meine Meinung zum Boykott: Selbstzensur. Für die Nerven.
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Re: 16.-24.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer | 16.-18.11..)

Beitrag von bastian-m »

Bochum -> Zürich -> Lech
14.11. - 16.11.2023

Der November ist nicht gerade das Highlight des mitteleuropäischen Kalenders, eher das blasse, gehänselte Gothic-Kid unter den Monaten. Also so etwas ähnliches wie Bochum bei den Städten. Nimmt man sich den Moment für innere Werte, ist der November allerdings recht spannend (ebenso wie Bochum!). Er vereint die Kontraste des bunten Herbstes in den Tälern wie kein zweiter mit dem nahenden weißen Kleid des Winters in der Höhe. Für manchen nichts Halbes und nichts Ganzes. Ich hingegen sage, man muss damit zu spielen wissen. Muss ich auch, denn meine überzähligen Freiwochen kann ich zum Jahresende nur da abbauen, wo alle anderen Kollegen da sind. Also im November.
Im Dezember werden meine Frau und ich das erste mal mit unserem Camper (ein 6meter VW Kastenwagen) in der kalten Jahreszeit unterwegs sein und wahrscheinlich Dänemark und Schweden heimsuchen. Bisher waren wir nur im Sommer damit unterwegs. Entsprechend war der Zuschlag ehrenvoller Weise an mich gegangen, Erkundigungen über technische Modifikationen zur Erhöhung der Wintercampingtauglichkeit aus dem Netz zu recherchieren und diese dann möglichst professionell und möglichst kostengünstig umzusetzen. Das meiste hat mit Isolierungsmaßnahmen zu tun. Nachdem ich zwei Tage im Nieselregen in unserer Einfahrt überwiegend unter dem Fahrzeug in Rückenlage verbracht hatte, vermute ich, dass der Schmutzwassertank nun auch eine Arktisexpedition überstehen würde und selbst Robert Habeck stolz auf den geringen Wärmeverlust der Fenster ist.
Wenn T. von der Arbeit kam, stupste sie jedes Mal liebevoll gegen meine unter dem Camper hervorragenden Füße und fragte, ob ich vielleicht schon tot sei und wenn nein, warum nicht. Im Rahmen jenes liebevollen Neckens ersann ich schließlich die Retourkutsche, dass ich ja nun noch 10 Tage frei hätte und alles daran setzen wolle um sicherzugehen, dass ihre Hoheit im Dezember nicht frösteln zu braucht. Dazu müsse eine Vorexpedition in kältere Gefielde stattfinden um das neu ertüchtigte Fahrzeug unter realen Bedingungen ausgiebig zu testen. T rollte mit den Augen... "So möge er losziehen und sein Werk tun. Am Freitag, den 24. hat er Nachmittags in Würzburg zu erscheinen, dort hole er sie vom Bahnhof ab, führe sie aus und demonstriere ihr dann bis Sonntag die Neuigkeiten am Fahrzeug." Jawohl eure Hoheit!

Donnerstag, 14.11.
Ich habe immer Angst davor, irgendetwas an Sportausrüstung nicht dabei zu haben was ich unterwegs spontan gerne nutzen würde. Daher habe ich relativ wenig Probleme, auch alleine den Camper ausreichend vollzuladen. Am frühen Mittag komme ich dann irgendwann schlussendlich los. Eine Agenda für die acht Tage bis ich in Würzburg sein soll habe ich nicht. Die tiroler Gletscher haben mich im Herbst in den letzten Jahren nur wenig gereizt. "Hauptsache Berge" ist mir im Moment grundsätzlich wichtiger als "Hauptsach Skifahren". Zumindest so lange, bis ich die Wettervorhersage für das Wochenende gesehen hatte. In den klassischen Weststaulagen könnten Freitag innerhalb von 24h über einen Meter Neuschneefallen, am Samstag dann kurzer Zwischenhoch-Einfluss und am Sonntag dann das jähe Ende mit Regen bis über 2000m. Und ich kenne nur einen, der mitten in der Staulage des Arlbergs wohnt. Man erzählt sich, er sei ein wahrer Fan der Region.
Die A3 besteht von Köln bis Frankfurt eigentlich nur aus Baustellen und die A5 quasi bis Lörrach ziemlich voll. Irgendwann am frühen Abend komme ich bei meinen Verwandten nahe Zürich an. Hier machen wir gerne regelmäßig Station auf dem Weg von oder nach Süden. Den Teil der Verwandtschaft schätze ich außerordentlich und nebenbei ist der servierte Rotwein immer vorzüglich. Ich bin gemäß meines Auftrags äußerst pflichtbewusst und nächtige im Camper in der Garageneinfahrt und schlage das Gästezimmer aus.

Freitag, 15.11.
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Als ich erwache, liegen Wolken im Talgrund über die hinweg ich nach rechts die Höhenzüge des Jura und nach links bei gutem Wetter den Titlis sehen könnte. Am Arlberg verläuft bereits alles nach Plan und es schneit.
Ich sitze das erste Mal in meinem Leben auf einem S-Pedelac und folge meinem Onkel über die wundervollen Hügel des Aargau die 25km bis nach Zürich. Ich vertreibe mir und erschwere ihm den Start in den Arbeitstag mit einer privaten Führung durch die Google-Zentrale Swiss in Zürich.
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Alles, was man sich so erzählt über das Arbeiten bei hippen Tech-Konzernen stimmt.
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Es gibt tatsächlich Rutschen, Indoorspielplätze, Snoozelräume, Restaurants und viele bunte Lichter. Und ein äußerst gutes Frühstück für mich.
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Mittags bin ich dann ausreichend geflasht von dieser Welt und radel zurück. Also nein, nicht wirklich. Ich setze mich auf dieses Gefährt, das wahrscheinlich schwerer ist als mein Mofa damals mit 15, tippe leicht die Pedale an und fahre auf jeden Fall erheblich schneller als ein Mofa aus Zürich hinaus. Irgendwann rolle ich gemütlich mit Supermarkt-, Pinkel- und "ich hab keinen Bock zu fahren"-Stopps Richtung Osten. In Feldkirch regnet es noch, irgendwann vor Bludenz geht es in Schnee über und noch vor Klösterle ist die Autobahn weiß.
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Ich fahre an der dortigen Raststation ab. Den Pass hoch mit dem 3,5-Tonnen gefährt hätte ich ohne Ketten sowieso keine Chance, dann kann ich auch einfach hier aufziehen und bin sicher, nicht vorher schon stecken zu bleiben.
Und dann tauche ich ein in eine Winterwunderlandschaft, wie man sie in den letzten Jahren auch im Hochwinter selten zu Gesicht bekommen hat. Der VW-Crafter verhält sich mit den Ketten und seinem Vorderradantrieb äußerst vorbildlich und ich ziehe mühelos über die schneebedeckte Fahrbahn hoch nach Stuben. Im dichten Flockenwirbel schafft ein wahrscheinlich im Pendelverkehr fahrendes Räumfahrzeug es halbwegs, eine Spur breit zu räumen. Auch die Serpentinen hoch bis zum Abzweig zum Flexenpass machen keine Probleme.
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Zürs ist wie ausgestorben.
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Natürlich sieht man niemanden auf den unter Schnee begrabenen Gehwegen, aber es brennt auch nirgends Licht. Wenn man anhält und einen Schneeball gegen eine der Hotelfassade wirft, fallen sie womöglich um wie Kulissen in einer Westernstadt. Bis zum Start der Skisaison hat das Dorf sich abgemeldet. Ich versuche Arlbergfan zu erreichen.
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Eigentlich wollte ich auf einem Parkplatz zwischen Zürs und Lech nächtigen, mittlerweile frage ich mich allerdings, ob es klug ist, sich bei diesen Schneemassen außerhalb des Siedlungsraumes aufzuhalten. Vielleicht kann der Local mir ja einen Parkplatz in Lech zuschanzen. "Gib mal Stubenbach ein". Okay! Das ist der letzte Weiler vor der Sperre der Straße nach Warth. Hier wurde noch nicht geräumt bzw. schon länger nicht mehr. Ich komme hoch, aber so langsam ist die Grenze der Steigfähigkeit des Crafters erreicht. Schlussendlich schliddere ich nach kurzer Diskussion mit Anrainern in eine allen Parteien genehme Parklücke und stehe vor der Casa Arlbergfan.
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Auch seine Couch schlage ich aus, jetzt kommt die erste Nacht im Schneegestöber.
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Eher wie ein Ufo aber die Isolierung tut ihren Zweck und ich verbringe eine gemütliche Nacht ohne das die Heizung durchlaufen muss.

Samstag, 16.11.
Ab sechs Uhr tut der Schneepflug seine Arbeit. Ich komme nicht ganz an die Küchenzeile ohne aufzustehen, aber mit dem ersten Kaffee liege ich direkt wieder im Bett und warte auf das erste Lebenszeichen von drinnen.
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Was das Panorama angeht hatte ich spektakulärere Ausblicke aus der Tür, aber selten verheißungsvollere.

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Es ist nicht einfach nur einiges an Schnee, es ist auch für die Maßstäbe des Arlbergs einiges an Schnee und das Ergebnis von 24h.

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Zürser Täli hatten wir schon am Vorabend verworfen. Bestimmt wird es jemand gefahren sein und es ist bestimmt gut gegangen, aber in den obersten Hang gehört aus meiner Sicht an diesem Tag kein Skifahrer. Und das Flachstück unten raus wäre bei dem Lockerschnee kein Spaß gewesen.

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Auf dem Weg zum Kriegerhorn. Kein spektakulärer Gipfel, aber den braucht es an diesem Tag auch nicht.

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Am Gipfel legen wir die obligatorische kleine Rast ein und fellen ab. Kurzer Snack? Ich ziehe eine Banane aus meinem Rucksack. Markus aus seinem zwei Bier. Etwas verschämt biete ich ihm eine halbe Banane im Tausch an.
Mittlerweile hat es zwar zugezogen aber das ist egal. Ich bin mir relativ sicher, für meine bescheidene Skisaison 2023/24 ist dies schon der Tag der Tage.
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Danke Arlbergfan, danke Lech!

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Auch der Local huldigt dem Wintersport-Gott.
Im Tannenberger Hof sitzen wir noch lange und freuen uns über diesen Tag. Dort los zu kommen ist gar nicht so einfach an einem Ort an dem jeder jeden kennt. Irgendwann sitzen wir schlussendlich doch frisch geduscht auf Arlbergfans Sofa. Heute Nacht schlage ich es nicht aus.

Sonntag 17.11.
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Ich lasse meinen Gastgeber schlafen, draußen ist auch kein Wetter für das es sich lohnen würde ihn zu wecken.
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Auf dem Flexenpass laufen Bäche über die Straße. Donnerstag war es unten in Lech noch teils grün gewesen, Freitag kam der Schnee, Sonntag der Regen. Der Samstag war ein kurzes Zeitfenster und wenn man in Bochum lebt, ist es nicht gerade eine Kernkompetenz, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Außer am 16.11.2023!

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Eine Stunde später rolle ich in das Wohnviertel am Ardetzenberg. Halllo Feldkirch, hallo Lea. (vgl. viewtopic.php?p=5398306#p5398306

To be continued...
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Re: 16.-24.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer | (Aktuell: 18.11. Lech a.A.)

Beitrag von Firn77 »

Ich binde, es gibt viel zu wenig Bastian Berichte hier!

Danke fürs Mitnehmen. So schön!
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Re: 16.-24.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer | (Aktuell: 18.11. Lech a.A.)

Beitrag von bastian-m »

Firn77 hat geschrieben: 22.11.2023 - 07:57 Ich binde, es gibt viel zu wenig Bastian Berichte hier!
Danke, aber die Mischung machts. Wenn ich mir vorstelle, jemand will sich fix darüber informieren, ob die Pisten wirklich so gut zu fahren waren wie es auf der Webcam den Anschein macht und findet dann ein Forum voller Bastian-Berichte... naja. ;-)
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Re: 16.-24.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer | (Aktuell: 18.11. Lech a.A.)

Beitrag von Firn77 »

bastian-m hat geschrieben: 22.11.2023 - 19:50
Firn77 hat geschrieben: 22.11.2023 - 07:57 Ich binde, es gibt viel zu wenig Bastian Berichte hier!
Danke, aber die Mischung machts. Wenn ich mir vorstelle, jemand will sich fix darüber informieren, ob die Pisten wirklich so gut zu fahren waren wie es auf der Webcam den Anschein macht und findet dann ein Forum voller Bastian-Berichte... naja. ;-)
Da hast du natürlich recht, aber deine Art zu berichten ist ja eher unterrepräsentiert. Dein USP also ;-)

Hast mich inspiriert es mal - mit meinen Worten - dir nach zu tun.

Denk ja oft an "Johannes" - wie flüchtig alles ist.
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16.-24.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer | (19.11.23 - Staufenspitze)

Beitrag von bastian-m »

Feldkirch / Staufenspitze
19.11.2023


Come on, come on, let′s go home
Give the sinking ship a drink
I think it's better if we go
Somehow my thoughts are running slow

(aus: "Come on" von Fury in the Slaughterhouse)

Wir haben mehrfach durchdiskutiert, ob Lea meine Alternative an Schlechtwettertagen oder der Grund für das schlechte Wetter ist. Ich kann mich nicht an gemeinsamen Sport bei schönem Wetter erinnern. Vielleicht auch nur konsequent, wir haben uns vor Jahren bei einem Trail-Marathon kennengelernt, auf dem es überwiegend regnete. Konditionell bin ich jetzt nicht so schlecht dabei, ich halte mich für einen aus dem Flachland mit kleinen Hügelchen für halbwegs bemüht (vgl. hier & hier. Lea spiel in einer ganz ganz anderen Liga. Den Fehler, dass Mann sich (natürlich!) versucht nichts anmerken zu lassen, habe ich hinreichend oft gemacht und bitte daher bereits Tage vorher um Nachsicht bei Planung und Durchführung. Ich vermute seit jeher, dass T sie bezahlt, um es wie einen Herzinfarkt beim Wandern aussehen zu lassen um meine Lebensversicherung zu kassieren.

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Die Dornbirner Ache führt bereits einiges an Wasser.

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Von der Talstation der sich in Revision befindlichen Karren-Seilbahn schrauben wir uns rasch in die Höhe. Der Herbst zeigt sich von seiner wild-romantischen Seite.

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Der November ist zwar der graueste aller Monate, aber er hat auch die schönste Farbpalette parat.

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Über den aus unersichtlichen Gründen "Wurzelweg" genannten Stieg geht es in Richtung der Staufenspitze empor. Sie ist einer der vorgelagerten Aussichtsgipfel des Bregenzer Waldes und geht mit ihren 1465m Höhe oft lange bis in den Herbst hinein und im Frühling bereits wieder recht früh. Warum Lea sich überhaupt Mühe gibt, für unsere Touren die Aussicht bei der Planung zu berücksichtigen, ist mir allerdings unklar. Ich hatte noch nie welche dabei.

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1465m Höhe sind ja nix. Die Niederungen des vorarlberger Rheintals liegen aber auch nur auf 400m und so sind es dann doch über 1000 im Anstieg. Warum Lea mir knappe 1,5h für den Aufstieg zugebilligt hat, ist mir bis heute unklar. Vielleicht war mein präventives Nölen erfolgreich ... oder sie will mich nur in Sicherheit wiegen.
Direktlink
Ich genieße den fantastischen Ausblick. Man sieht von Lichtenstein bis zum Bodensee. Also theoretisch.

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Irgendjemand schmückt jedes Jahr diese Tanne auf Neue. Kurz oberhalb davon finde ich eine besonders rutschige Stelle im Schnee-Laub-Gras-Wasser-Gemisch und gleite unter die Tanne. Hätte ich meinen Lawinenrucksack aufgehabt, ich hätte die Schaufel benutzt um mich zu vergraben.

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Vom Gipfel steigen wir Richtung Süd-West in die Mulde nach Schuttannen ab. Dieses Kleinod mit einem Gasthaus, einer Skihütte und zwei kleinen SLs hat Vovo im Winter bereits dokumentiert (viewtopic.php?t=66851). Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass der Bodenseeblick und die Ruhe das hier oben schon zu etwas besonderem machen.

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"Komisch, das Gasthaus hat eigentlich immer auf." Mir war zuvor unverbindlich ein Kaffee und eine Suppe in Aussicht gestellt worden.

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Da oben liegt die Skihütte, die Zitat "fast immer auf hat", aber mein Magen bleibt leer und meine Finger kalt.

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Mit ganz viel Phantasie wird die Aussicht besser.

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Auf unserem Weg zur Bergstation der Karrenseilbahn ist mir bereits klar, dass das Restaurant bei Stillstand der Bahn sicher auch geschlossen ist. Immerhin ist die Aussicht schön.

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Vielleicht gibt es ja irgendwo da unten einen Kaffee für mich.

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In Dornbirn finden wir zwei geschlossene Bäckereien und das Schlosscafe. Wir sind so underdressed wie der Name es vermuten lässt. Ein Grund mehr, es durchzuziehen. Man bedient uns anstandlos und wir finden durchaus Lob für den Kuchen.

Am Abend schlendern wir durch die Gassen der Felkircher Altstadt und essen zu Abend. Der Ort ist mir in den letzten Jahren fast vertraut geworden. Lea fragt gar nicht erst, ob ich ihr Gästezimmer will. Schier unmöglich, ich habe die zweite Nacht in Lech ja schon nicht im Camper geschlafen. Morgen geht's weiter.

To be continued...
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20.11. Kühtai

Beitrag von bastian-m »

Kühtai / Hochalter / Langental
20.11.2023


I guess that I should tell you
That there's just one thing
Just a little journey, I have to send you on
Just to figure out
Where I′m coming from
And where you do belong

(aus: "Around my world in 80 days" von Fury in the Slaughterhouse)

Um 6:30 Uhr stolpere ich die Treppen zu Leas Appartment hinauf - andere Menschen müssen heute schließlich arbeiten. Mir den Kaffee im Camper nicht selbst aufsetzen zu müssen, ist ein akzeptabler Luxus zum Start in den Tag. Der nächste ist, durch den Tunnel statt über den Arlberg zu rauschen.

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Der Regen hat ganze Arbeit geleistet. Wo ich am Freitag noch durch den Schneesturm geschliddert bin, kommt nun jenseits der Straße schon wieder das Gras zum Vorschein.

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Ich war bisher der Annahme gewesen, ins Kühtai hinauf gäbe es zwei Zufahrtsmöglichkeiten: Jene aus dem Ötztal und die andere vom Sellrain aus. Ich war etwas überrascht, als ich stumpf meinem Navi gefolgt bin und mich vom Inntal aus bei Haiming in Serpentinen Richtung Ochsengarten hochzuschlängeln. Dabei ergeben sich zahlreiche schöne Ausblicke auf das Inntal. Erwähnte ich, dass ich die Facetten des Herbstes äußerst zu schätzen weiß?

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Im Kühtai hat der Regen noch etwas vom Schnee übrig gelassen, aber man darf sich nicht täuschen: Hier war der Weststau deutlich weniger ausgeprägt und die Ausgangsmenge geringer. Hier muss noch einiges nachgelegt werden bis zum Saisonstart. Kühtai ist auch so ein Nicht-Dorf, hier oben ist außerhalb der Saison alles geschlossen. Lebendig geht es nur im Containerdorf der TIWAG zu. Hier sind 200 Arbeiter pro Schicht untergebracht, die am Bau des neuen Längentaler Stausees beteiligt sind.

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Ich habe aufgefellt und mache eine kleine Tour an der Hochalterbahn. Der Gipfel des Hochalter ist ein Skitourenklassiker, ich wolle mir offenlassen, ob ich da hoch gehe oder es nur eine kleine Pistentour wird.

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Auf halber Strecke zur Bergstation kann man sich langsam vorstellen, dass hier bald mal eine Piste sich den Massen stellen muss. Gut, dass ich heute hier bin :-)

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Die Baustelle des Längentaler Stausees ist gigantisch. Hier wird ein Schüttdamm mit vor Ort gewonnenem Material (ähnlich wie beim Gepatsch-Stausee im Kaunertal) errichtet. Über einen 26km langen Stollen wird außerdem Wasser aus dem Bereich des Stubaier Gletschers eingeleitet. Das musste ich mir auch erstmal auf der Karte angucken um zu verstehen, dass das mit kontinuierlichem Gefälle ohne Druckstollen geht. Warum ich das weiß? Dazu später.

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Der Gipfel des Hochalter wird klassisch über den Südhang bestiegen. Bei sicheren Verhältnissen von der Bergstation der Hochalterbahn aus eine kurze, wenig schwere Gipfeltour, Ich glaube, dass er heuer noch nicht begangen wurde. Die einzige erkennbare Abfahrtsspur gehörte einer Einheimischen dir mir entgegen kam. Sie hatte sich auf Grund der zahlreichen Felskontakte zur Umkehr entschlossen. Dann fange ich es gar nicht erst an. Hatte ich aber auch vorher erwartet.

Ich habe kaum Material gesammelt, gibt wenig über Aufstieg und Abfahrt zu berichten außer vielleicht die kurze Impression, wie viel Schnee in der Rinne noch fehlt.
Direktlink
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Der Teil des Tages, der mich erheblich geflasht hat, bleibt leider unbebildert. Die älteren unter euch erkennen vielleicht noch den Ex-User Dachstein. Er arbeitet als Geologe dort oben und das Timing passte so gut, dass er mir eine Führung durch die Baustelle anbieten konnte. Über zwei Stunden ging es hinein in den Berg, durch Tunnel, riesige Kavernen für den Kraftwerksbau und mit dem Geländewagen in das zukünftige Staubecken. Als Kind des Ruhrgebiets und seinem ehemaligen Bergbaus ging mir unter Tage richtig das Herz auf auch wenn mir klar ist, dass in Bochum keine Tunnelbohrmaschinen die Kohle abgebaut haben.
Die Dimensionen der Bauwerke haben mich extrem beeindruckt. Fotografieren war nicht gestattet, aber wer sich das auch mal angucken möchte, der sei auf die offiziellen Termine der TIWAG zur Führung verwiesen. Nebenbei sei noch erwähnt, dass die Kantine im Containerdorf auch Zivilisten für wenig Geld mit erstaunlich gutem Essen versorgt.
Ich schätze die Planlosigkeit dieser Tage sehr. Einzelne Programmpunkte hatte ich zurechtgelegt, der Rest ergibt sich. Ein sehr willkommener Kontrast zu meinem sonstigen Arbeitsalltag und gleichzeitig der Grund, warum ich und auch T immer wieder freiwillig unser Einfamilienhaus gegen 5qm auf vier Rädern austauschen.
Mit einem weiteren Kollegen von Dachstein esse ich noch zu Abend, dann siedel ich mit dem Camper über auf den Parkplatz der Drei-Seen-Bahn.

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Der Mond verschüttet in dieser Nacht reichlich von seinem silbernen Licht. Eine Szenerie, in der man sich gerne ins Bett legt. Mittlerweile habe ich die ersten Erkenntnisse zum Übernachten bei Minusgraden gewonnen. 10 Grad Innentemperatur sind mit den beiden Decken der normalen Bettwäsche sehr angenehm zu machen, ohne das ich die Heizung höherdrehen oder den Thermoschlafsack auspacken müsste. Morgens nach dem Wachwerden kurz ein paar Grad hochheizen und entspannt Kaffee in der French-Press machen. Das Gesamtkonzept sagt mir zu, wenngleich der logistische Aufwand im Winter einfach etwas höher ist. Wasser mit täglichem Kurzduschen nach dem Sport reicht für mich alleine locker sechs Tage, vielleicht sieben. Mit T dabei ... sagen wir zwei.

Ich verbringe eine absolut ruhige Nacht und schlafe ausgezeichnet.

To be continued.
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vovo
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Re: 16.-24.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer | (Aktuell: 20.11. Kühtail/Hochalter/Langental)

Beitrag von vovo »

Sehr schön geschrieben! Mir gefallen Deine Berichte. Es ist interessant, die Berge auch mal durch eine andere Brille als jener des Alpinskifahrers oder Wanderers zu sehen. Das Übernachten im Campingbus einsam im Gebirge ist sicher ein Erlebnis - vielleicht muss ich das mit meinem Passat-Kombi (in den Sommermonaten!) mal nachempfinden. Wobei ich irgendwie immer recht gerne in irgendwelchen alten Pensionen (Namensendung "..blick") absteige, wo sich seit den 80ern nichts getan hat - grüne Fliesen im Bad und einmal sogar noch die alte Bundesrepublik vor der Einheit auf der Anreisekarte in der Gästemappe eingezeichnet ;)

Den Dachstein hätte ich nicht mehr wiedererkannt. Er war auch dabei, als es 2011 mal eine Forums-Führung bei der Zugspitzbahn gegeben hat.

Mit der Karren-Seilbahn bin ich Ende Oktober endlich mal hinauf gefahren. Die Trasse ist wirklich ein Erlebnis. Ich hatte gar nicht auf dem Schirm, dass Schuttannen da gleich um die Ecke liegt.
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Re: 16.-24.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer | (Aktuell: 20.11. Kühtail/Hochalter/Langental)

Beitrag von bastian-m »

vovo hat geschrieben: 23.11.2023 - 23:05 Sehr schön geschrieben! Mir gefallen Deine Berichte. Es ist interessant, die Berge auch mal durch eine andere Brille als jener des Alpinskifahrers oder Wanderers zu sehen. Das Übernachten im Campingbus einsam im Gebirge ist sicher ein Erlebnis - vielleicht muss ich das mit meinem Passat-Kombi (in den Sommermonaten!) mal nachempfinden. Wobei ich irgendwie immer recht gerne in irgendwelchen alten Pensionen (Namensendung "..blick") absteige, wo sich seit den 80ern nichts getan hat - grüne Fliesen im Bad und einmal sogar noch die alte Bundesrepublik vor der Einheit auf der Anreisekarte in der Gästemappe eingezeichnet ;)
Danke und dito. Als wir Schuttannen durchwandert haben, war ich mir absolut sicher, dass ich dazu einen Bericht von dir aus dem Winter finden würde. Und tadaaa... Ich weiß genau, welche Art von Unterkünften du meinst. Ich habe vor einer Weile noch AirBnB für mich entdeckt mit solchen Filtereinstellungen, dass man damit kein eigenes Apartment bucht, sondern ein Zimmer innerhalb der Wohnung des Besitzers. Vor allem in der Schweiz habe ich damit spannende Menschen und Einblicke in die "Volksseele" von Regionen bekommen, die einem als Touri beim Durchreisen potentiell verborgen bleiben. 200qm für mich (Korrektur, 190 für meine Frau, 10 für mich) habe ich lange genug im Jahr.
vovo hat geschrieben: 23.11.2023 - 23:05 Den Dachstein hätte ich nicht mehr wiedererkannt. Er war auch dabei, als es 2011 mal eine Forums-Führung bei der Zugspitzbahn gegeben hat.
Wir werden halt alle älter... ;-)

By the way vielen Dank, dass du sukzessive alte Berichte angefangen hast zu reaktivieren! Hab ich noch was für den "Lesestapel".
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Re: 16.-24.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer | 16.-18.11..)

Beitrag von judyclt »

bastian-m hat geschrieben: 21.11.2023 - 22:33 Ich sitze das erste Mal in meinem Leben auf einem S-Pedelac und folge meinem Onkel über die wundervollen Hügel des Aargau die 25km bis nach Zürich.
Witzig, meine erste S-Pedelec Fahrt hatte ich auch dort. Natürlich mit einem Stromer. Von Aarau durchs Aargau nach Zürich. In Oltingen gibt's da sogar einen Skilift, aber den brauchst du ja nicht :wink: .
Heute haben wir so ein S-Pedelec als Autoersatz, aber wenn ich deine Berichte so sehe, könnte ich die gesparte Kohle ja in einen Crafter stecken 8) . Dann ist allerdings mein Umweltaspekt im Arsch :naja: .

Danke für die Reiseeinblicke. Weiter so!
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Re: 16.-24.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer | 16.-18.11..)

Beitrag von bastian-m »

judyclt hat geschrieben: 24.11.2023 - 09:19 Heute haben wir so ein S-Pedelec als Autoersatz, aber wenn ich deine Berichte so sehe, könnte ich die gesparte Kohle ja in einen Crafter stecken 8) . Dann ist allerdings mein Umweltaspekt im Arsch :naja: .
Das ist in der Tat ein Aspekt, der mich nicht ganz kalt lässt. Ich fahre jetzt schon eine Weile, auch die Fernfahrten, elektrisch mit meinem ID3 und wir haben in den letzten zwei Jahren fast jede Dach- und Wandfläche unseres Hauses mit PV-Panelen belegt, dass das Haus incl. der Wärmepumpe 2/3 des Jahres keinen Strom aus dem Netz bezieht und ich zumindest die Hälfte des Jahres auch das Auto vom Dach geladen habe. Ich kann mir höchstens sagen, dass zwar meine An- und Abreise jetzt wieder eine Tankfüllung Diesel verbläst, mein während des Urlaubs erzeugter Ressourcenverbrauch dafür nahe null liegt. Ist aber, das muss man ehrlich sagen, ein wenig Augenwischerei.
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Re: 16.-24.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer | (Aktuell: 20.11. Kühtail/Hochalter/Langental)

Beitrag von Bergwanderer »

Danke für die schönen Berichte!

Und hier noch ein gewisser Wolfgang A. zum Thema: https://www.youtube.com/watch?v=2yrnAewUAU4 8)
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16.-24.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer | Lehner Wasserfall / Vent)

Beitrag von bastian-m »

Lehner Wasserfall / Vent
21.11.2023


And the dance goes on until my face suddenly melts
Lights are flashing and it's raining bullet shells
Must be a dream with taste of truth
I hit the ground

(aus: "Storm" von Leoniden)
Habe ich schonmal zitiert, aber passt selten besser als heute in die Zeit des Forums


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Über Nacht ist die Wolkendecke zurückgekehrt. Komisch, dabei bin ich gar nicht mit Lea verabredet. Es muss doch noch andere Einflüsse auf das Wettergeschehen geben. Die große Freiheit der Reiseplanlosigkeit finde ich manchmal gar nicht so einfach. Ich habe mehrere Ideen den Tag zu gestalten und die finde ich alle ähnlich gut und es ist klar, dass ich nicht alle davon in der Woche unterbringen kann. Den Ausschlag gibt ein winziges Detail auf der Wetterkarte.

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Beim Abstieg ins Ötztal erfreue ich mich - wie jeden Tag - an der Herbststimmung. Ich parke am Rand vom Unterried, einem kleiner Weiler kurz vor Längenfeld. Was wäre der Herbst nur ohne seine Lärchenwälder?

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Der Zustieg zum Klettersteig "Lehner Wasserfall" ist kurz. Wie gut, dass ich den Kram dafür zur Sicherheit mal mit ins Auto geladen hatte. Man weiß ja nie, ob man es noch brauchen könnte.

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Die Ausblicke über das Tal sind zahlreich und werden mit der Höhe immer schöner.

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Bis auf eine ganz kurze E-Passage die alternativ umgangen werden kann, ist der Steig technisch gesehen nicht all zu anspruchvoll, da er recht reich an eisernen Tritthilfen ist. Die Passage am Wasserfall hoch ist allerdings konditionell und je nach persönlichem Verhältnis zu Abgründen und Höhe nicht ohne.

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Der namensgebende Lehner Wasserfall. Hier gabelt sich der Steig in eine einfachere Umgehung und das Highlight direttissima nahe der Gischt die Wand hinauf. Hier empfiehlt sich neben dem klassischen Klettersteigset eine zusätzliche kurze Schlinge, um sich ggf. mal aushängen zu können.

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Letzter Ausblick vor dem abschließenden Finale - der Seilbrücke über den Abbruch des Wasserfalls.

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Auf Fotos nicht einzufangen aber sicher nichts für Menschen mit Höhenangst. Der Abstieg ist entspannt über einen Waldweg.
Direktlink
Ich fahre das Ötztal weiter hinauf. Das Gigijoch versteckt sich bereits in den Wolken, auch Gurgl bleibt im Grau.

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Und dann geht mein Plan tatsächlich auf, es sind die paar Kilometer weiter nach Süden hinein in den Alpenhauptkamm. Ich bin nach Vent abgebogen, am Horizont sehe ich eine blaue Lücke.

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Und die wird sogar ein bisschen größer.

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Vent ist ein Kleinod geblieben, dass überlebt hat. Es gibt zwei Dorfschlepper, eine DSB und oben neuerdings eine gebraucht erworbene 6er KSB, die einen SL ersetzt hat. Das Dorf lebt von seinem Ruf als Alpinisten-Hort und der Lage als Einstieg zu zahlreichen Klassikern wie z.B. auch der Normalroute auf die Wildspitze.

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Der offizielle Liftparkplatz ist eine kleine Schotterfläche im Dorf neben der DSB. Die hat natürlich zu.

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Als guter Deutscher kann ich gar nicht anders als dem Schild Genüge zu tun und im Haus Sonnhof nebenan zu klingeln und um ein Particket zu bitten. Ich erwerbe das zweite, dass an diesem Tag gelöst wird. Aber selbst wenn es vielleicht an diesem Tag keinen gekümmert hätte, warum sollte ich ein Dorf nicht damit unterstützen und außerdem schläft es sich viel besser wenn man weiß, dass mich kein lautes Klopfen eines Offiziellen wecken wird.

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Ich felle auf. Nachdem ich vormittags ein wenig für die Arme getan habe, sind nachmittags halt noch die Beine dran. Man kann hier nicht von Vollbeschneiung reden. Es gibt eine Hand voll Schneekanonen die punktuell versetzt werden und bei der Eröffnung helfen.

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Die Naturschneelage ist auf der Höhe noch bzw. wieder dürftig.

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Ich gebe zu, der blaue Himmel hat nicht bis zum Ende durchgehalten, aber immerhin bleiben die Wolken eher hoch und ich verschwinde nicht im Nebel.

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Vom ersten Schnee die Reste. Das mute ich meinen Fellen und Ski so gerade noch zu.

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Letzte Traverse unterhalb der Bergstation der DSB. Ab hier reicht der Schnee durchgängig.

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Das Restaurant Stablein und die Talstation der KSB Wildes Männlein ist erreicht.

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So ganz verschwindet der blaue Himmel aber nicht. Hier oben ist außer mir niemand.

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Rechts im Bild der Gipfelstock des Wilden Mannle.

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Zieht da etwa doch eine Wolke zu mir? Egal, bis zur Begstation ist es eh nicht mehr weit.

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Und ohne Wolken gäbe es auch nicht diese genialen Wolkenspiele.

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Ziel

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Links auf dem Vorsprung erkennt man die Amberger Hütte und rechts dahinter den Gipfelstock des Ötztaler Urkund. Das Massiv geht dann in die Wildspitze über.

Die Abfahrt ist das garstigste, was ich seit längerem unter den Ski hatte. War mir beim Aufstieg schon klar, dass es in der oberen Hälfte überwiegend Bruchharsch sein wird. Das Zeug unter dem Harschdeckel ist durch den Regen auch noch relativ schwer. Was solls, immerhin wird mir nicht kalt. Unten durchs Gemüse komme ich irgendwie runter, auf dem Ziehweg muss ich einmal kurz abschnallen.
Direktlink
Eigentlich ist mir heute Abend nach Menschen, aber zumindest bei Google finde ich nichts, das geöffnet haben könnte. Macht nichts. Am Abend rieseln ein paar Flocken zu Boden. Erneut schlafe ich tief und gut.

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Re: 16.-24.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer | (Aktuell: 21.11.Lehner Wasserfall / Vent)

Beitrag von vovo »

bastian-m hat geschrieben: 24.11.2023 - 08:48 Vor allem in der Schweiz habe ich damit spannende Menschen und Einblicke in die "Volksseele" von Regionen bekommen, die einem als Touri beim Durchreisen potentiell verborgen bleiben.
2012 habe ich mal eine Pension in Niederösterreich aufgesucht, wo ich gleich dazu eingeladen wurde, mit den anderen Dorfbewohnern auf Plastikstühlen vorm Haus zu sitzen und ein paar Feierabendbiere zu trinken. Am nächsten Tag Frühstück am gleichen Tisch mit dem Besitzerehepaar - er ein Doppelgänger des Mundl von "Ein echter Wiener geht nicht unter" - vor allem von der Art her... werde ich nie vergessen.
bastian-m hat geschrieben: 24.11.2023 - 08:48 vielen Dank, dass du sukzessive alte Berichte angefangen hast zu reaktivieren! Hab ich noch was für den "Lesestapel".
Das freut mich, dass die ollen Berichte noch Interesse finden. Teilweise auch interessant für mich, da ich manchmal die Fotos schon jahrelang nicht mehr angesehen habe. Ich hätte bzgl. noch nie veröffentlichen Berichten sogar noch mehr für den Lesestapel, aber zeitlich ist das wg. Beruf & Familie nur immer stückweise möglich.

Danke auch für die Bilder aus Vent - da war ich Anfang 2014 mal. Ich bin überrascht, dass die da oben den SL gegen eine 6KSB getauscht haben. Aber wenigstens lebt das Gebiet noch und die alte Wopfner-DSB (hoffentlich habe ich das mir richtig gemerkt) wie auch die Lage an sich haben ihren Reiz. Schön, dass die Dorfschlepper gegenüber auch noch stehen bzw. noch nicht durch 10EUBen erledigt wurden.
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Re: 16.-24.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer | (Aktuell: 21.11.Lehner Wasserfall / Vent)

Beitrag von kaldini »

@Lehner Wasserfall: nun hab ich selber mal schauen müssen - den bin ich vor mehr als 10 Jahren mal gegangen und an die Seilbrücke konnte ich mich nicht erinnern (wenn man Höhenangst hat, macht man solche Seilbrücken einfach 180 Grad gedreht dann schaut man nur aufs Wasser). Jetzt habe ich gelesen, dass der Steig mal erweitert wurde. Das schwere Stück oben am Wasserfall und auch die Seilbrücke sind erst später dazu gekommen. Vielen Dank für den Bericht über den Klettersteig (mir wäre das nun schon zu kalt und glitschig).
State buoni, se potete
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16.-24.11.2023 | 22.11. - Reschenpass

Beitrag von bastian-m »

Vent -> Reschenpass -> Davos
22.11.2023


Die Nacht in Vent war kalt - also außerhalb des Campers. Ich hatte den Urlaub daheim ja als Forschungsreise beantragt, um die Wintercampingtauglichkeit unseres Kastenwagens bzw. meiner Modifikationen zu erproben. Neben den Bergerlebnissen habe ich das schon ernst genommen und ein Gefühl dafür entwickelt, wie viel die Standheizung bei welcher gegebenen Außen- und gewählten Innentemperatur zieht.


Heute starte ich mieslaunig in den Tag. Von den Tiroler Mainstream-Gebieten mag ich Gurgl wirklich gerne und hätte, wo ich schonmal um die Ecke war, mir bei beinahe schon Vollbetrieb dort gerne einen Tag Piste gegönnt. Aber der Wetterbericht hatte Recht behalten und auch auf den Webcams war oben alles in dichten Wolken ohne das es dafür im Talgrund wenigstens tief winterlich gewesen wäre. "uselig" ist eine passende Vokabel aus meiner Heimat. Da hatte ich wenig Lust drauf - so wie ich überhaupt an diesem Vormittag für nichts so richtig Ambitionen entwickeln konnte. Naja, auch solche Tage gibt es mal und da weiß ich für mich: Wenn sonst nichts zieht, funktioniert eines immer. Aber dann doch bitte mit Sonne. Mittlerweile ist 9 Uhr durch und Vent ist am Arsch der Welt. Ich sollte mich langsam in Bewegung setzen. Der Programmpunkt für morgen ist schon gesetzt und damit hat sich dann auch für heute eine Route ergeben.

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Auf dem Weg von Vent Richtung Zwieselstein wird der Schneefall nasser. Ich sags ja - uselig!

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Dafür kann nur der Herbst solche Bilder.

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Das ich mal extra anhalte nur um ein Foto von etwas zu machen, kommt nicht so oft vor.

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Es geht hinaus ins Inntal Richtung Landeck und durch den gleichnamigen Tunnel Richtung Ried. In Prutz gucke ich doch nochmal kurz auf die Webcam, ob auch der Kaunertaler Gletscher noch in den Wolken liegt. Ja tut er, sonst wäre ich vielleicht doch noch abgebogen. Mein Blick wandert hinauf nach SFL - da oben wird sich im Moment wohl kein Tourist mehr hinverirren. Kleine Reste alten Dorfes und viel Disneyland ohne Besucher.

Kurz vor der Staatsgrenze zur Schweiz biege ich nach Süden ab und schraube mich die Serpentinen zum Reschenpass empor. Ich passiere Nauders und erreiche wenig später die Grenze nach Italien ... ähh Südtirol ... was auch immer. Hier reißen wie erwartet die Wolken auf.

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Ich parke am Vereinsgebäude des Adrenalina Kitesurf-Clubs am Reschensee. Die Saison ist natürlich vorbei und trotzdem muss ich schmunzeln. Ich war mit T schon im September auf dem Rückweg aus Frankreich hier mit dem Camper vorbeigefahren. Wir hatten all unser Kite-Equippment drei Wochen lang mit uns herumgeschlörrt, aber die Flautengöttin in Form meiner bessern Hälfte hatte dafür gesorgt, dass an keinem einzigen Tag am Atlantik auch nur annähernd genügend Wind gewesen wäre. Jetzt bin ich alleine hier, natürlich ohne Kite-Klamotten, und es herrscht ein konstanter kräftiger Wind auf dem Wasser.

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Der Wasserstand ist, wie meistens um diese Jahreszeit, ziemlich niedrig. An Tagen wo bei mir gar nichts zieht, geht eines immer und das ist Laufen. Und man braucht nicht mehr als die passenden Schuhe und bei dem Wetter das richtige Zwibelkonzept. Der Grad zwischen Frieren und Schwitzen beim Sport ist manchmal ein ganz schmaler.

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Das bekannteste Motiv des Sees. Selbst zu dieser Jahreszeit stehen hier auf dem Parkplatz ein paar Busse mit Foto-Touristen. Ich wüsste gerne, wie viele Chinesen mich beim Vorbeilaufen geknipst haben.

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Kurz nach Umrundung der Nordspitze des Sees passiert man die Talstation Schöneben. Es wird fleißig Maschinenschnee für die Talabfahrt erzeugt.

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Das Westufer des Sees hat einen ganz anderen Charakter. Schieben sich zu vielen Zeiten am Ostufer Autokolonnen über die Bundesstraße, so ist es hier ruhig, kaum besiedelt und im November gar einsam. Nur an wenigen Stellen dringt die Sonne überhaupt noch bis auf den Weg.

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Irgendwo da im Süden am Horizont und dann schräg nach rechts geht es zu so namhaften Orten wie dem Stilfser Joch oder Sulden.

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Blick von der Staumauer Richtung Süden.

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Als Autofahrer nimmt man den Steg für die Radfahrer außerhalb der Galerie meist kaum wahr.

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Nach knapp 15 Kilometern und lockeren 1,5h bin ich zurück am Parkplatz. Wenigstens ein bisschen Sport gemacht heute. Ich gebe mich den Annehmlichkeiten von warmem Wasser und einer winzigen Duschkabine hin.
Direktlink
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Ich fahre zurück nach Österreich und dann das Inntal immer weiter hinauf in die Schweiz und durch die Stille des Unterengadins.

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Scuol - hier habe ich tatsächlich vor knapp einem Jahr bei meinem persönlichem Saisonopening 3 Tage im Spital verbracht. In dieser Hinsicht geht sich 2023 schonmal besser an.

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Für mich ein schweizer Kulturgut: Autoverladezug statt Straßentunnel.

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Die Sonne hat sich bereits hinter die Berge verabschiedet und ich tue selbiges gleich in den Berg. Als mich der Zug 20 Minuten später in Klosters wieder ausspuckt, fühle ich mich wie in eine andere Welt gebeamt. Durch den dichten Nebel wird die Abendsonne komplett geschluckt und es fühlt sich an wie tiefe Nacht.

Mein Ziel für die heutige Nacht ist der Parkplatz an der Madrisa-Bahn. Hier gibt es eine kleine Ecke, in der Wohnmobile offiziell stehen dürfen. Was ich nicht recherchiert hatte ist, dass dies nur im Sommer so ist. Ich nutze ganz überwiegend die App Park4Night, eine riesige weltweite Datenbank die nebenbei auch Campingplätze auf einer Karte listet, aber vor allem kleine Parkmöglichkeiten, Ecken in der Natur oder sonstige Orte, an denen das Übernachten im Wohnmobil zumindest für eine Nacht toleriert wird. Jetzt muss man sagen, dass ich mit einem Kastenwagen wahrscheinlich an sehr vielen Stellen, gerade jetzt außerhalb der Saison, wahrscheinlich unbehelligt geblieben wäre. Es macht schon einen Unterschied, ob da ein Crafter sich irgendwo in die Ecke drückt, oder ob Horst und Chantal ihr Neun-Meter-Gefährt quer über vier Parkplätze stellen, ihr Vorzelt aufbauen und die Campingstühle auspacken. Trotzdem schlafe ich einfach besser ein wenn ich mir relativ sicher bin, dass die schweizer Polizei eher nicht meine Nachtruhe stören wird.

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In besagter App ist bei Schiers ein Bauer verzeichnet. Ich rufe kurz an und darf kommen. Gut das er ein Schild aufgehängt hat, sonst hätte ich befürchtet, Google Maps führt mich falsch. Für 15 Franken stehe ich alleine neben seiner Scheune, dürfte meinen Wassertank auffüllen und für ein paar Franken mehr auch Strom anstöpseln. Beides brauche ich nicht, nach dem morgigen Skitag werde ich Abends bei einem alten Schulfreund in München aufschlagen.

To be continued.
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16.-24.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer | (Davos -> Nicht München)

Beitrag von bastian-m »

Davos -> nicht München
23.11.2023

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Der kleine Bauernhof und mein Parkplatz. Wieder eine dieser netten kurzen Bekanntschaften am Wegesrand, die mir der Zufall beschert hat.

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Mein kleines Domizil auf vier Räder hat quasi nichts von der Instagramability so manches Hipster-Accounts, eher von der Sterilität einer Zahnarztpraxis.

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Dabei muss ich sagen, dass ich gerne selbst ausgebaut hätte. T hatte offenbar in Erinnerung an die Zeit nach dem Erwerb unseres Hauses allerdings vorsichtig erfragt, zu welchem Sommer in welchem Jahr ich denn gedenken würde, mit dem Fahrzeug reisefertig zu sein. So hatten wir uns dann doch auf den Erwerb eines Campers von der Stange geeinigt. Aber: First-World-Problems.

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Uhh, endlich mal Sonne am Berg für mich!

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Der 23.11. ist Arlbergfans Geburtstag. Wir kennen uns nicht näher, der 18.11. in Lech war unser erster gemeinsamer Skitag, aber so hatte sich das mit heute halt ergeben. Ich hatte noch kurz Ischgl bzw. Samnaun mit beinahe Vollbetrieb in den Raum gestellt, aber die Wahl oblag natürlich dem Geburtstagskind und es ist schon ein Statement, wenn man trotz erheblich längerer Anfahrt und kleinerem Pistenangebot Davos den Vorzug gibt. Wir treffen uns und noch einen weiteren Freund auf dem großen Tagesparkplatz nahe der Parsennbahn.

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Den armen Rogé hat es schon bei einer der ersten Abfahrten so unglücklich mit seinem Snowboard in einem Schneekanonenhügel abgebremst, dass er sich den Fuß verknackst hat und er den Tag tapfer auf der Hütte auf uns wartend verbracht hat.

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Ging einige Tage später auf, aber noch hat die Schiferbahn Pause.

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Es sind jetzt keine atemberaubenden Powder-Ausflüge, aber man muss sich immer vor Augen halten, dass es November ist.

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Nachdem Richtung Maierhoftäli eine eingewehte Rinne ganz gut ging, sind wir dann doch noch auf den Weißfluhgipfel aufgefahren und auf dem Foto rechts so weit rüber gequert, dass man noch so gerade bei stehender Schiferbahn ohne Aufstieg zur Totalp zurückkommt.

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Das Geburtstagskind in der Sonne mit Retro-Bergrestaurant.

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Mit hoher Sensitivität für Steine unter der Oberfläche kam man ganz gut durch.

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Zumindest überwiegend, ich habe am Ende dann doch noch einen gefunden und bin zum Glück mit einer kleinen Riefe im Belag davongekommen. Darf man nicht unterschätzen. Bei solchen Verhältnissen habe ich mir die einzige ernsthafte Verletzung meines Skifahrerlebens zugezogen.

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Einen kurzen Moment habe ich am Ende des Tages überlegt, ob ich die Talabfahrt versuche. Ich habe es schlussendlich gelassen, unten wäre es schon ein ganzes Stück Fußmarsch gewesen. Heute nichts.

Wir lassen den Skitag zwanglos in einer Bar nahe des Parkplatzes ausklingen. Eigentlich wollte ich ja noch weiter nach München zu einem alten Schulfreund. Im Tagesverlauf hatte mich eine Nachricht erreicht, dass sein Jüngster Magen-Darm bekommen hat und seine Frau fiebert. München ist also keine Option und ich hatte ja auf das Auffüllen von Wasser im Camper am Vortag verzichtet, aber eine Dusche hätte ich heute schon gerne noch. Und dann kommt das kleine Problem der Freiheit wenn man umplanen muss. Ich habe viele Ideen und ich kann mich wieder nur schwer entscheiden. Der noch geöffnete "richtige" Campingplatz in Davos will fast so viel Geld haben wie der Skipass gekostet hat. Geld an sich ist jetzt nicht die Frage, aber aus Prinzip einfach nein.

Das hätte mir in Vorarlberg spontan zugesagt: https://park4night.com/de/place/284898
Sie übernachten neben einem alten Montafoner Bauernhaus. Der Stellplatz befindet sich auf 1020m Seehöhe oberhalb von Schruns in einer einzigartiger Lage.
Der Stellplatz ist über eine einspurige Bergstraße erreichbar und damit nicht für jedes Wohnmobil und jeden Fahrer geeignet.
Während ich schonmal grob in die Richtung Vorarlberg/Montafon fahre, versuche ich zwei Mal dort anzurufen. Leider erreiche ich niemanden bis ich ins Montafon eingebogen bin.

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Naja gut, ich erwähnte es ja schon an anderer Stelle: First-World-Problems. Dann ausnahmsweise in diesem Urlaub einmal so.

Jetzt bin ich ja mit dem Berichtschreiben für diesen Urlaub stark in Verzug geraten. Fällt mir aber auch nicht leicht, wenn ich unterwegs nicht nur Skifahre sondern Menschen treffe und durch die Lande fahre, mich dann noch an den Laptop zu setzen. Es war die Zeit, in der ski-chrigel im Forum noch gesperrt und die Alpinfans noch nicht online waren. Mancher mag in der Diskussion hier im Forum um all diese Vorgänge das kurz eingeworfene "Geht einfach Skifahren!" von Arlbergfan barsch und an der Diskussion vorbei vorkommen. Ist es situativ vielleicht auch. Dieser Reisebericht wird nicht Platz für meine Meinung zu all dem Thema sein, aber ich will darauf hinweisen, dass obwohl zwischendurch an den gemeinsamen Tagen kurz anklang, dass Markus und ich in dieser Sache in der Tat auch nicht den selben Standpunkt vertreten, es sehr gut funktioniert hat, dass wir die Tage nicht mit dem verbracht haben was uns trennt, sondern mit dem was uns verbindet: Skifahren und Schnee! Möge bei allem Trennenden dies immer eines der verbindenden Elemente sein was uns alle trägt. Das findet man aber nur, wenn man sich nicht nur über den Bildschirm kennenlernt.

To be continued.
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Re: 16.-24.11.2023 | Lassen sie mich durch, ich bin Skifahrer | (Aktuell: 23.11. Davos -> Montafon)

Beitrag von Firn77 »

Schöne Zwischenschlussworte, die man nicht laut genug in die Welt hinaus schreien könnte.

Und ich liebe diese Schneefallgrenzenbilder im Herbst. Danke dir auch dafür....
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Montafon -> Würzburg -> Bochum 24.-26.11.)

Beitrag von bastian-m »

Montafon -> Würzburg -> Bochum
24.-26.11.2023


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Und leider so gar nicht mehr das selbe Wetter wie am Vortag. Am Frühen Nachmittag würde T in Würzburg aus dem Zug steigen und ich sie einsammeln. Realistische zu erwartende Fahrzeit bis dahin: 4,5h. Hätte die Sonne geschienen, ich wäre bis 11:30 am Hochjoch auf die Ski gegangen. Aber so ... ne.

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Alternativstrategie: Selber Sessel, anderes Getränk. Ich schreibe den Bericht zum Tag auf dem Klettersteig und in Vent und starte gemütlich um halb 12 nach einer nicht unwesentlichen Zahl an Kaffees aus dem nicht abgestellten Automaten im Frühstücksraum Richtung Würzburg.

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Am Ende war das Timing perfekt. Der Wohnmobilparkplatz am Mainufer ist für die Jahreszeit erstaunlich frequentiert. Er ist aber für Städtetouren auch extrem attraktiv gelegen, denn ihn trennt nur eine Brücke mit kurzem Fußmarsch von der äußerst ansprechenden Altstadt und ihren Einrichtungen.

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Ich kenne die Stadt ganz gut und schätze sie sehr. Ich war seit dem Sommer 2020 für insgesamt fünf Wochen zur Fortbildung dort. Mittlerweile auch eine liebgewonnene Station auf dem Weg von oder in den Süden. Auch T gefällts. Und was macht unser Leben einfacher als ein hoher WAF (woman acceptance factor)?

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Eine wahrliche Institution und hohes Kulturgut der Stadt: Die Mainmühle an der alten Mainbrücke. Selbst im Winter trifft man sich hier auf ein Glas Wein auf der mittelalterlichen Brücke zum sogenannten Brückenschoppen.

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Ich mag den Ort Sommer wie Winter.

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Samstag morgen. Selten kam mir unser Kastenwagen so kompakt vor. Man beachte dieses reisebusgroße Ungetüm.

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Der graue Himmel bleibt uns treu. Wir wandern den Tag über ein paar Stunden durch die umliegenden Weinberge und hoch zur Festung.

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Hauptprogrammpunkt ist allerdings am Abend die Nacht der offenen Weinkeller. Wir beginnen am Juliusspital.

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War mir gar nicht klar, was mir hier bisher unter Tage entgangen ist.

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Ambiente zieht bei mir ja immer...

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Nach ein paar Stunden kreuz und quer durch die Katakomben der Stadt haben wir dann alles gesehen und probiert was uns verhältnismäßig erscheint. Am Sonntag joggen wir ein Stündchen am Main entlang und cruisen entspannt zurück gen Bochum.

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Für Ballungsgebiet gibt es schlimmere Ausblicke als von unserem Balkon. Aber es sind halt nicht die Alpen und noch nichtmal irgendwelche anderen Berge. Und auch wenn es gerade jetzt in einem richtig guten Frühwinter 800km weit weg zu wohnen besonders schmerzt, so ist ein Teil von mir eben auch gerne ein Stadtkind. Vor 8 Jahren hatte ich das Umsiedeln ernsthaft in Erwägung gezogen, aber es kam halt anders. Zwischen diesen beiden Welten regelmäßig pendeln zu können, ist auch eine Form von Luxus. So wie fast alles, was wir alle hier tun können. Da musste man schon immer dankbar für sein und in Zeiten wie diesen um so mehr!
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