6.6.2023
Out of touch
Oh I see you
I hear you
You're an echo that's moving through the night
You're a memory that was lost in time
I miss you
When the nights are low
And the days are cold
(aus: "Miss you" von Nu Aspect)
Anfang/Mitte Juni wird es meistens eng mit den Frühlings-Skitouren ohne lange zu Fuß zusteigen zu müssen. In der Schweiz gibt es allerdings einige lohnenswerte Klassiker, die von diversen Autostraßen-Pässen aus starten. Der Clariden mit seinen 3267m ist ein solcher, der Start erfolgt vom Klausenpass auf 1948m. Mit Aufhebung der Wintersperre und der Freigabe für den Straßenverkehr - je nach Schneelage Ende Mai bis Mitte Juni - wird dieser Gipfel oft begangen. Unter Verweis eines Termins am Samstag, 10.6. in Südtirol hatte ich mich bereits am Montag, 5.6. Mittags in Bochum bei meiner Frau abgemeldet und einen winzigen Schlenker durch die Schweiz eingelegt. Ich bezog am Fuß des Klausenpasses auf Urner Seite Quartier und stellte mir einen zeitigen Wecker. Zu meiner großen Freude war es überhaupt kein Problem, für den nächsten Morgen um 5 Uhr Frühstück zu bekommen. Da hier häufig Monteure eincheckten, war man auf frühe Aufbrüche eingestellt und im Frühstücksraum stand entsprechendes Equipment zur Selbstbedienung bereit.
Blick um 5:15 Uhr aus dem Frühstücksraum.
Die Wettervorhersage ist nur für den Vormittag halbwegs stabil. Zu einem frühen Aufbruch besteht so oder so keine Alternative. Aber auch vom Schnee her macht um die Jahreszeit nichts anderes Sinn.
Auf der Passhöhe - ein einziger Traum.
Vor einer Woche ging es noch ganz ohne Laufen, aber am Nordhang reicht der Schnee auch jetzt noch relativ weit hinab.
Mehr als 100 Höhenmeter muss ich nicht aufsteigen, ab dann ziehen sich durch die Rinnen ausreichend lange Schneefelder das es Sinn macht aufzufellen.
Über Nacht hat es ordentlich angezogen, die Rinnen sind alle pickelhart durchgefroren. Ging schon auf Ski, aber nur mit Harscheisen.
Und dann tun sich das erste Mal wundervolle weiße weiten auf. Die erste Steilstufe umgeht man rechtsherum.
Im Quergang. Ich bin zu faul die Harscheisen abzumachen, weil ich weiß, dass ich sie später eh nochmal brauche. Später geht es in einem langen Linksbogen weiter hoch.
Im Quergang in die Gegenrichtung.
Blick den Klausenpass hinunter nach Osten Richtung Glarus.
Und in die Gegenrichtung ins Uri.
Die kleine Stufe überwindet man mit einem rechts-links-Zickzack über das kleine Band.
Dann kommt das erste Mal der Claridengletscher in Sicht, den es zu überqueren gilt. Hinter dem kleinen Hubbel nach links kommt das Iswändli (->Eiswand), hier brach einst ein durchaus gewaltiger steiler Gletscherbruch über eine Stufe bis hinab zum Griessseeli. Brach - Präteritum - wie so vieles, was mit Gletschern zu tun hat.
Etwas da hinter auf dem Hüfi-Firn ist ski-chrigel im Mai mit seinem Flugzeug gelandet um den selben Gipfel zu besteigen. viewtopic.php?t=68427
Links in den Wolken kommen nun das erste mal der Clariden (Hintergrund) und sein Vorgipfel in Sichtweite.
Die Weiten des Hüfifirn, hier müsste chrigels Flugzeug irgendwo gestanden haben.
Vorgipfel und da hinter leicht in den Wolken der Clariden. Der Zustieg erfolgt auf Ski bis zum Fuß des Vorgipfels, dann mit Steigeisen über den Vorgipfel, dann wieder 60 Höhenmeter bergab in den Sattel und den Grat entlang bis zum Fuß des Clariden-Gipfelstock und dann in mäßig schwerer Kletterei auf den Gipfel.
Blick vom Vorgipfel. Die Kletterei auf den Hauptgipfel ist im Sommer nett zu kraxeln, jetzt im Winter bin ich recht dankbar für die gespannten Ketten, sonst hätte ich das letzte Stück wahrscheinlich alleine nicht gemacht.
Lässt sich auf Fotos eh nicht einfangen, muss man mal dringestanden haben - im Video habe ich einen kurzen Schwenk in der Passage drin, da kann man es ein bisschen erahnen. Technisch jetzt nicht besonders schwierig, aber immerhin mit einer steil abfallenden Flanke bis hinab zum gut 1000m tiefer liegenden Griessseeli.
Zumindest nichts, wo man das erste Mal versuchen sollte, wie das so ist mit Steigeisen im Fels.
Dann ist der Gipfelgrat erreicht und es geht unschwer die letzten Meter.
Oben nett mit ein paar Schweizern geratscht. Ich war mir auf Grund der Sprachbarriere allerdings einige Zeit nicht sicher, ob ich beim Abstieg, falls ich einen einzelnen Skistock finde, diesen unbedingt stehenlassen oder unbedingt mit runter nehmen soll.
Blick auf den Rückweg.
Auf der Abfahrt hat es aufgefirnt.Oben richtig herrlich, unten ein wenig weich aber mit bestem Restefahren-Potential. Und man wird sich im Juni sowieso nicht über 1000 Höhenmeter Abfahrt beklagen.
Bis dahin konnte ich fahren, die Tragestrecke bis zum Pass war wirklich noch sehr überschaubar. Auf der Passhöhe hatte mittlerweile der übliche Ausflüglerverkehr eingesetzt und mit sichersich 20 Grad war es angenehm warm.
Direktlink
Aufstieg und Abfahrt in 75sec.
Nachmittags komme ich dann in Lech an - aber das ist eine ganz andere Geschichte: viewtopic.php?t=68463