Im Anschluß gibts dann noch Hintergrundinformationen dazu und eine Pointe aus dem Umfeld.
Viel Spaß beim Lesen.
So, jetzt gibts noch die versprochene Pointe, die Geschichte ist nämlich WAHR!„Silvretta – Licht“
Das erste Mal sah ich sie in der Silvretta-Skiarena, im schweizerischen Samnaun. Es war Ende Februar, eigentlich herrschen um diese Zeit oft ideale Verhältnisse zum Skifahren, aber das Wetter an jenem Tag war alles andere als freundlich. Tiefhängende Wolken machten den Blick auf das herrliche Bergpanorama der Silvrettagruppe unmöglich, kaum vorstellbar, dass ich im gleichen Gebiet unterwegs war, in dem ich am Vortag noch einen Rundblick genossen hatte, der seinesgleichen in den Alpen sucht.
Die Wolken allein hätten den Genuß des Skifahrens wohl nicht allzu sehr beeinträchtigt, doch es waren die unangenehm diffusen Lichtverhältnisse, die dem Großteil der Urlauber die Lust am Pistensport vergällten. Während man die nicht wolkenverhangenen Felsspitzen der umliegenden Berge relativ genau ausmachen konnte, blieb die unmittelbare Umgebung durch die Kontrastarmut des Schnees vor den Augen der Skifahrer verborgen, Buckel und Bodenwellen waren nur zu erahnen, so mancher Pistenflitzer verließ ungewollt die präparierte Abfahrt und fand sich plötzlich in horizontaler Lage im Tiefschnee wieder, fragend, wie er denn dahin gekommen war.
Ich habe diese Lichtverhältnisse für mich immer als „Silvretta-Licht“ bezeichnet, sei es, weil sie in diesem Gebiet am extremsten ausgeprägt sein können, sei es aufgrund der Ereignisse, die ich nun beschreiben möchte.
Jedenfalls war es nicht verwunderlich, dass viele Urlauber es vorzogen, den Tag in den Lokalen und Bars zu verbringen, ich fühlte mich mit meinen 20 Jahren jedoch noch nicht alt genug, um mich von solchen Witterungsunbillen abschrecken zu lassen, auch wenn mich die Stimmung frappant an jenen verhängnisvollen Tag neun Jahre zuvor erinnerte.
Es war in Kitzbühel gewesen, in jenem Ort, der nicht zuletzt durch das alljährliche spektakuläre Skirennen vom Hahnenkamm Weltruhm erlangte. Und wie bei allen Kindern war auch in meiner privaten Heldengalerie für die Meister des Skiabfahrtssportes viel Platz eingeräumt. Welcher Elfjährige könnte wohl beim Anblick der wahrscheinlich berühmtesten Skiabfahrtsstrecke der Welt widerstehen?
Beim Zusehen war alles immer so leicht erschienen, und wirklich, die ersten Kurven klappten überraschend gut, ich sah in mir bereits den Seriensieger der kommenden Jahre, bis es dann an der Ausfahrt des berühmten Steilhangs passierte. – Aber einerlei, bald konnte ich wieder Skifahren, über besseres Durchschnittsniveau kam ich dann zwar nicht mehr hinaus, aber Rennläufer hätte ich sowieso nicht werden können.
Ich war an jenem trüben Tag Ende Februar ziemlich gemächlich unterwegs, bis Mittag hatte es gebraucht, um Samnaun zu erreichen, ich wohnte nämlich auf der österreichischen Seite des Skigebiets, im Paznauntal unweit von Ischgl, und es dauerte doch seine Zeit, bis man über Idalpe, Höllkar und Palinkopf die Schweizer Zollfreizone erreichte.
Ich ließ jedoch die Geschäfte mit ihren Zigaretten, Parfüms und Spirituosen links liegen und begab mich ohne längeren Aufenthalt zur Talstation der Seilbahn, die mich zum Alp Trida Sattel bringen sollte.
Trotz der schlechten Wetterverhältnisse hatte sich hier doch ein Häufchen Unentwegter gefunden, die darauf warteten, mit der nächsten Gondel ins Schigebiet gebracht zu werden. Es handelte sich hauptsächlich um deutsche Urlauber, dazwischen vielleicht einige Schweden und Holländer; Österreicher und Schweizer waren auf den Pisten äußerst selten anzutreffen, Einheimische sah man auf den Pisten hauptsächlich als Skilehrer oder Liftwarte.
Und unter jenen emsigen Skifahrern, die es trotz ihrer geringen Zahl schafften, mit viel Lärm und Hektik in die Gondel zu drängen, fiel mir das Mädchen durch eine Gelassenheit auf, die Menschen auszeichnet, denen es egal ist, ob sie eine Abfahrt mehr oder weniger machen, eine Gondel früher oder später hinaufkommen, weil sie es sich leisten können, im Jahr so viel und so lange Ski zu fahren, wie sie es nur wollen, sei es, weil sie so viel Zeit und Geld haben oder weil sie Einheimische sind.
Sie wartete ganz ruhig ab, bis sich all die Deutschen, Holländer und Schweden unter großen Anstrengungen und vielen Flüchen in die Gondel gepresst hatten, wohl wissend, dass sie, als letzte eingestiegen, die erste sein würde, die oben das enge Gefährt wieder verlassen könnte. In den folgenden sechs Minuten der Bergfahrt hatte ich unglücklicherweise keine Möglichkeit, die Unbekannte eingehender zu betrachten, da sich zwischen uns ein unübersehbares Hindernis in Form eines sächsischen Ehepaars fand, das wohl schon alleine hart an die Grenzen der Belastbarkeit eines Vierpersonenaufzugs gekommen wäre.
Beim Verlassen der Gondel sah ich dann aber, dass das Mädchen doch erheblich jünger sein musste, als ich zuerst angenommen hatte, nichtsdestotrotz beschloß ich, ihr zumindestens bis zum nächsten Lift zu folgen. Auch wenn sie für einen Flirt augenscheinlich zu jung war, würde es doch ganz nett sein, zu ergründen, was es mit ihrer auffallenden Ruhe und Gelassenheit auf sich hatte, denn trotz ihres schulterlangen blonden Haares hielt ich es für immer unwahrscheinlicher, dass sie eine deutsche oder schwedische Urlauberin war. Ich versuche oft, mir ihr Gesicht in Erinnerung zu rufen, aber die Details verschwimmen, zumal sie bald eine dieser spiegelnden Sonnenbrillen aufsetzte, die es einem unmöglich machen, dem Gegenüber in die Augen zu sehen. Gleichwohl stelle ich mir immer vor, dass ihre Augen grün gewesen sein müssen.
Grün war jedenfalls ihr Skianzug, der neben dem blonden Haar und der spiegelnden Brille im Wesentlichen meine gesamte Erinnerung an sie darstellt.
In der Bergstation traf ich dann zufällig einige Bekannte, die mich kurze Zeit aufhielten, bis ich mich mit ihnen für eine Stunde später zum Mittagessen verabredete.
Das hatte zur Folge, dass das Mädchen inzwischen verschwunden war, ich hatte noch beobachtet, wie sie Richtung Alp Trida abgefahren war und beeilte mich, ihr zu folgen, was sich der immer schlechter werdenden Sichtverhältnisse wegen als nicht einfach erwies. Ich glaubte schon, sie verloren zu haben, als ich den grünen Schatten ihres Skianzugs plötzlich wieder erblickte.
Sie stand in jenem eingezäunten Korridor, in dem sich an schönen Tagen gewöhnlich Menschenmassen stauten, um mit dem Schlepplift zum Viderjoch und damit zur Abfahrt ins Paznauntal gebracht zu werden. Damals waren aber vielleicht ein Dutzend Skifahrer angestellt, und da wir beide alleine unterwegs waren, wurden wir bald zusammen von einem Liftbügel bergwärts gezogen.
Der Viderjochlift war schon allein durch seine Länge von mehr als zwei Kilometern für die Kontaktaufnahme geradezu prädestiniert, und der einfachste Schritt war es, über das schlechte Wetter und die daraus resultierenden leeren Pisten und Lifte zu sprechen.
Meine Vermutung wurde bestätigt, das Mädchen antwortete im einheimischen Dialekt, und bald waren wir in ein Gespräch über die Problematik der Berufsaussichten in einem Fremdenverkehrsort wie Samnaun verwickelt, aus dem ich so nebenbei erfuhr, dass meine neue Bekannte ab dem kommenden Jahr die Oberstufe des Gymnasiums im Unterengadin besuche wollte, ich hatte also auch mit der Schätzung ihres Alters – sie musste etwa 14 oder 15 sein – rechtgehabt. Ich erzählte meine Geschichte über das Studium, mit dem ich mich seit 2 Jahren herumplagte und über das Studentenleben in der Universitätsstadt.
Wir machten dann zusammen noch zwei Abfahrten, bei denen ich Mühe hatte, ihr zu folgen, denn während sie als Hausherrin, - sie erzählte vom Appartementhotel ihrer Eltern in Samnaun, - sicherlich jeden Buckel und jede Bodenwelle genau kannte, kam ich bald an die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit.
Am Lift unterhielten wir uns über dieses und jenes, über den Schnee und die Touristen, über lauter unwichtige Dinge, was ich heute sehr bereue, denn ich fragte sie nicht einmal nach ihrem Namen, auch den des Hotels ihrer Eltern erfuhr ich nicht..
Damals war sie für mich nichts anderes als eine zufällige Liftbekanntschaft, von der ich nicht erwartete, sie jemals wieder zu sehen.
Nachdem wir uns nach einer knappen Stunde wieder getrennt hatten, fuhr sie auf der anderen Seite des Berges zum Höllkar ab, ich begab mich zur Alp Trida, um meine Verabredung einzuhalten.
Drei Jahre später verbrachte ich meinen Skiurlaub in Nauders, einem Ort unweit von Samnaun, nicht einmal eine halbe Stunde mit dem Auto entfernt. Wieder war es ein trüber Tag, die Sicht war vielleicht etwas besser als drei Jahre zuvor, aber doch schlecht genug, um die Verhältnisse als „Silvretta – Licht“ zu bezeichnen.
Ich hatte gerade eine Abfahrt aus dem Bergkastelgebiet hinter mir und stellte mich beim Lift zum Tscheyeck an, als ich plötzlich gerufen wurde. Nicht mit meinem Namen, es war nur ein fragendes „Hallo“, aber ich wusste instinktiv, dass es mir galt und blickte nach vorne. Ich nehme an, dass ich sie unterbewusst schon an der Stimme erkannt hatte, denn als ich den grünen Anzug, das blonde Haar und die spiegelnde Brille sah, war mir, als hätten wir uns erst am Vortag getrennt.
Sie schien sich überhaupt nicht verändert zu haben, ich konnte es zwar nicht so genau erkennen, da sich zwischen uns doch einige Menschen befanden und sie nichts dagegen tun konnte, in die Liftspur geschoben zu werden, aber oben würde ich mich ja dann näher überzeugen können. Ich rief ihr jedenfalls nach, sie solle auf mich warten, und ich bin mir sicher, dass sie nickte, doch dach etwa zehn Minuten Auffahrt suchte ich sie vergeblich am Kamm des 2700 m hohen Tscheyecks, sie musste mich falsch verstanden haben und war offenbar weitergefahren.
Irgendwie fühlte ich mich doch ziemlich geschmeichelt, dass sie mich wiedererkannt hatte und fand es schade, nun, da sie drei Jahre älter war, keine Gelegenheit zu einem richtigen Wiedersehen zu haben.
Auf der Abfahrt zur Talstation der Bergkastelseilbahn hielt ich die Augen offen, doch keine Spur von ihr, sie war wie vom Erdboden verschluckt, dabei konnte sie doch nur wenige Minuten Vorsprung gehabt haben.
Auch den Rest der Woche drehte ich mich nach jedem grünen Skianzug um, aber immer waren es unbekannte Gesichter, in die ich blickte, und so musste ich Nauders verlassen, ohne das Geheimnis gelüftet zu haben.
In den nächsten vier Jahren hatte ich während meiner Skiurlaube stets ausgesprochenes Wetterglück, erst im fünften Jahr, im Zillertal, gab es wieder „Silvretta – Licht“.
Mittlerweile 28-jährig, hatte sich meine Geschichte natürlich geändert, nach abgeschlossenem Studium konnte ich von der oft ermüdenden Arbeit als Assistent eines Professors berichten.
Ich war mit einem Freund unterwegs, wir waren gerade vom Penkenjoch Richtung Horbergtal abgefahren und standen etwa auf halber Höhe der Nordhangdoppelsesselbahn. Die Gipfel der Berge verschwanden immer mehr hinter dichten Wolkenbänken, die Verhältnisse waren recht schwierig, der Schnee auf der Piste pappig und zerfahren, die Sicht schlecht und wir hatten gerade beschlossen, für heute Schluß zu machen, als mich mein Freund plötzlich anstieß und auf eine Gestalt hinwies, die mir von einem bergwärts schwebenden Sessel der Bahn aus zuwinkte.
Ich erstarrte! Ein grüner Skianzug, schulterlanges blondes Haar, eine spiegelnde Sonnenbrille. Das Mädchen sah noch genauso aus wie vor nunmehr acht Jahren, und sie hatte mich wiedererkannt, obwohl ich mich während dieser Zeit nicht nur durch den Vollbart, den ich damals trug, sicherlich stark verändert hatte.
Ich ging nicht näher auf die Fragen meines Freundes ein, sondern fuhr direkt unter den Sessellift, um ihr zuzurufen, dass ich an dieser Stelle auf sie warten würde. Sie musste es verstanden haben, denn sie schwebte direkt über mich hinweg.
Und ich wartete. Zehn Minuten. Eine Viertelstunde. Das Wetter wurde immer unwirtlicher, bald verabschiedete sich mein Freund, und erst nach fast einer Stunde verließ ich enttäuscht den Platz unter der Sesselbahn, ohne mir erklären zu können, warum sie nicht gekommen war.
Ich sollte sie erst nach zwei weiteren Jahren wieder sehen, doch auch dieses Zusammentreffen half mir nicht bei der Lösung des Rätsels.
Es herrschte wieder „Silvretta – Licht“, diesmal am Arlberg, ich saß gerade auf einem Sessel der Hexenbodenbahn in Zürs und beobachtete nachdenklich die vereinzelten Skifahrer, die sich über den unteren, steileren Teil der Hexenbodenabfahrt quälten.
Diesmal sah ich sie zuerst, selbst wenn ich sie nicht erkannt hätte, wäre sie mir durch jenes schnelle Fahrtempo aufgefallen, das mir damals vor zehn Jahren doch einige Schwierigkeiten bereitet hatte und das sie jetzt stark von den anderen Skifahrern unterschied.
Ich rief sie an, und sie blieb direkt in der Lifttrasse stehen und lächelte zu mir herauf, ja sie sagte sogar etwas wie „Es ist wieder schlechtes Wetter heute“ und dann etwas, das klang wie „Silvretta – Licht“, obwohl ich diesen Ausdruck immer nur in meinen Gedanken verwendet hatte und ihn niemand außer mir kannte.
Es schien dann so, als wolle sie noch etwas hinzufügen, aber dann winkte sie nur und fuhr wieder los.
So laut ich konnte, rief ich ihr nach, so sollte bei der Talstation auf mich warten, trotz schlechter Sicht und eisiger Piste legte ich die Strecke in Rekordtempo zurück, aber unten war keine Spur von ihr zu finden. Ich fragte die Liftwarte, ich suchte sie in Hütten und Lokalen, aber sie blieb verschwunden.
Vier Jahre später, ich berichtete mittlerweile über meinen Schritt ins selbständige Geschäftsleben, sah ich sie unter ähnlichen Verhältnissen in St. Moritz, nach drei weiteren Jahren im Grödnertal, beide Male wieder bei „Silvretta – Licht“.
Und sie sah immer genauso aus wie an jenem Februartag in Samnaun, für sie schien es keine Zeit zu geben, ihr Auftauchen hing offenbar nur vom „Silvretta – Licht“ ab.
Die Sache beschäftigte mich immer mehr, und trotz Verbot konnte ich im letzten Jahr wieder zur Silvretta-Skiarena.
Nahezu die ganze Woche verbrachte ich auf der Suche, ich glaube, es gibt in ganz Samnaun keinen Menschen, den ich nicht nach ihr gefragt hätte, besonders konzentrierte ich mich auf die Appartementhotels, aber auch die Liftwarte können sich bestimmt noch an mich erinnern, sicherlich werde ich Samnaun nie wieder besuchen dürfen. Niemand konnte jedoch etwas mit meiner Beschreibung anfangen und mir weiterhelfen.
Die ganze Woche wartete ich auf „Silvretta – Licht“, doch wie zum Hohn lachte ununterbrochen die Sonne vom blauen Himmel, nur am letzten Tag zogen Wolken auf, und wirklich, als ich mich um vier Uhr in eine der letzten Sessel der Idjochbahn setzte, herrschte wieder jene Verhältnisse, die für mich letztendlich zum Schicksal geworden waren.
Ich beobachtete die vielen Skifahrer, die – aus Samnaun kommend – vom Joch hinunter zur Idalpe unterwegs waren, als ich plötzlich fast körperlich ihre Anwesenheit fühlte.
Nachdenklich stand sie weit entfernt am Rand der Piste und blickte unverwandt zu mir herauf, obwohl sie mich eigentlich über die Entfernung niemals erkennen hätte können.
So stand sie, bis ich sie aus den Augen verlor, und obwohl ich an der Bergstation wartete, bis die Bahn abgeschaltet wurde, tauchte sie nicht auf und ich mußte mich auf den Weg nach Samnaun machen, wo ich diesmal Quartier bezogen hatte.
Ich bin mir sicher, dass ich das Rätsel des blonden Mädchens mit den spiegelnden Brillen und dem grünen Skianzug nur dort, in der Silvretta-Skiarena, lösen könnte, dass nur dort die Möglichkeit bestünde, bei „Silvretta – Licht“ noch einmal mit ihr zu sprechen, und doch werde ich Samnaun und Ischgl nie wieder sehen können, denn es ist uns verboten, das gleiche Skigebiet öfters als einmal zu besuchen.
Ich bin nämlich kein gewöhnlicher Urlauber, denn bei jenem Unfall im Alter von elf Jahren an der Steilhangausfahrt der Streifabfahrt in Kitzbühel habe ich mir beim Aufprall an einem Baum das Genick gebrochen und war sofort tot. So wie alle Menschen, die bei einem Skiunfall ums Leben kommen, darf auch ich einmal im Jahr eine Woche ins Leben zurück um Skifahren zu gehen.
Wie jeder von uns habe ich mir eine Lebensgeschichte ausgedacht, die ich erzähle, wenn ich jemanden kennen lerne. Würde ich die Wahrheit sagen, so wäre dies mein letzter Ski-Tag und ich dürfte nie wieder in die Berge zurück.
Um zu verhindert, dass wir länger dauernde Kontakte knüpfen, ist es uns eigentlich verboten, zweimal an den gleichen Ort zu fahren, mein zweiter Besuch der Silvretta-Skiarena war nur durch ein Versehen des Zensors möglich geworden, der offenbar nicht gemerkt hatte, dass sich Samnaun und Ischgl das Skigebiet teilen.
Sicher, in meiner Situation sollte ich das blonde Mädchen eigentlich nicht als so geheimnisvoll empfinden, aber es sind doch einige Fragen, die mich intensiv beschäftigen:
Zunächst einmal verstehe ich nicht, warum sie nicht altert. Wir andern verändern uns auch mit der Zeit, so wie wenn wir noch am Leben wären, doch sie sieht noch genauso aus wie vor siebzehn Jahren. Dann ist da noch die Tatsache, dass sie immer nur bei „Silvretta – Licht“ unterwegs ist.
Aber es gibt noch etwas, das mich in letzter Zeit nicht mehr loslässt:
Ich kann mich nur mehr sehr dunkel an die näheren Umstände des Unfalls erinnern, der damals in Kitzbühel meinem Leben ein Ende gesetzt hat, aber wenn ich versuche, mir den Augenblick vorzustellen, an dem ich von der Piste abgekommen bin, dann sehe ich im „Silvretta – Licht“ schemenhaft eine Gestalt in einem grünen Skianzug.......
Naja, vielleicht nicht ganz wahr....
Das Entstehungsdatum liegt schon weit in der Vergangenheit, im Februar 1985 (wie man vielleicht aus den beschriebenen Liften schließen kann). Der wahre Anteil der Geschichte ist die Begegnung mit dem blonden Mädchen im grünen Skianzug, die im Februar 1985 im Skigebiet von Samnaun ziemlich genau so stattgefunden hat, wie ich sie beschrieben habe.
Das bedeutet also, wenn jemand von Euch einmal in einem Appartmenthotel in Samnaun wohnt und die blonde Juniorchefin Anfang der 70-er Jahre geboren sein könnte, so könnt Ihr sie fragen, ob sie mit 14 einen grünen Skianzug und eine spiegelnde Sonnenbrille gehabt hat. Wenn ja, dann könnt Ihr die Geschichte für sie runterladen....
gerrit