4.3.2011
Ein langer Bericht über einen langen Tag
- Schöneben (I)
- Haider Alm (I)
- Maseben (I) (Melag im Langtauferer Tal)
- Nauders (AT)
Ich hatte mich für eine gute Woche gemeinsam mit meiner Freundin im Paznaun einquartiert. Da meine bessere Hälfte beruflich bedingt nur bis Donnerstag bleiben konnte, hatte ich mir für die letzten Tage vorgenommen, jeweils als Tagesausflug ein paar mir noch unbekannte Skigebiete in der Umgebung zu erkunden. Für den Freitag hatte ich Nauders auserkoren, das sind ca. 60km Anfahrt. Da ich ein zügiger Skifahrer bin und Nauders nicht all zu groß ist, stellte ich mir keinen Wecker, wachte aber trotzdem wie üblich um 7 Uhr auf und lies es sehr ruhig angehen. Nach ausgiebigem Frühstück trudelte ich um kurz nach 10 am Reschenpass ein. Moment mal - auch die Tageskarte gilt im Reschenpass-Tarifverbund? Mist, wäre ich doch mal zeitiger aufgebrochen. Zur Auswahl hatte ich nun die Gebiete Schöneben, Hauder Alm und Nauders. Da ich mich nicht recht entscheiden konnte, nahm ich mir vor, alle drei bis zum Nachmittag grob abzufahren. Halt Moment - auf der Pistenkarte war auch noch das kleine Gebiet Maseben im hinteren Langtauferer Tal (einem Nebental vom Reschenpass) eingezeichnet, im Text aber nicht erwähnt. Ich erkundigte mich an der Kasse, ob die Karte dort ebenfalls gülig und das Gebiet in Betrieb sei. "Ja", sagte der Liftler "aber das ist nicht sehr groß." Auf mein "Aber darum gehts ja gar nicht." lächelte er wissend. Nun hatte ich also vier Stationen für den Tag und selbiger war auch schon fortgeschritten. Eines war schonmal klar: Mittagessen würde es keines geben!
Ich entschied mich für die Reihenfolge Schöneben, Haider Alm, Maseben, Nauders.
Aber wohin im Alpinforum mit dem fertigen Bericht? Aufteilen wollte ich ihn nicht, damit ist er aber länderüberschreitend. Ich entschied mich für das Österreich-Unterforum, denn die Südtiroler werden sich überwiegend geehrt fühlen, hier einsortiert zu werden.
Schöneben
http://ski.intermaps.com/reschenpass/
Das Skigebiet besteht aus einer Zubringer-6-EUB, zwei 6-KSBs, einer 4-KSB und einer 3-SB. Die Sesselbahnen sind grob gesehen alle nebeneinander versetzt angeordnet, so dass man sich systematisch von links nach rechts durcharbeiten kann.
Talstation der EUB:
Blick über das Ende des nördliche Ende des Reschensees sowie den Ort Reschen:
Schön renovierte Leitner-Bahn:
Auf gehts mit der ersten 6-KSB, der Jochbahn. Sie erschließt ebenso wie die 6-KSB Fraiten überwiegend breite Carving-Pisten. Das war übrigens das einzige Mal an diesem Tag, dass ich soetwas wie eine Wartezeit hatte:
Wie gesagt: Breite Hänge.
Dito:
Auf zur nächsten 6-KSB:
Die 6-KSB Fraitenbahn:
Auch hier breite Hänge, aber mit ein paar Wellen drin. Oben rechts im Hintergrund sieht man die 4-KSB Rojenbahn:
Ab hier wird es skitechnisch richtig interessant. Der Abzweig ins Rojental und somit zur 4-KSB Rojenbahn und zur 3-SB Zwölferkopf.
Die schwarze 7, hier gabelt sie sich - ich befuhr als erstes die Variante links in das kleine Tal hinein:
Endlich richtig schön knackig steil:
Eine wundervolle Abfahrt, keine Geländekorrekturen und schön steil:
Und so ging sie auch noch weiter - großartig:
Unten an der Talstation der 4-KSB Rojenbahn und der 3-SB Zwölferkopf angekommen mit Blick zurück. Die andere Variante der Schwarzen kommt oben links aus dem Wald und geht dann über die Kante hinunter.
Talstation 4-KSB Rojenbahn. Sofort wieder rauf und zur Belohnung die selbe Schwarze nochmal.
Im Anschluss nochmal mit der 4-KSB Rojenbahn hinauf und dieses Mal die andere schwarze Piste hinunter. Oberhalb der Kante sieht es dann so aus:
Zoom hinüber zum Nauderer Skigebiet:
Zoom hinein ins Langtauferer Tal, hier würde es mich heute auch noch hinführen.
Die 3-SB Zwölferkopf:
Fixgeklemmte 3-SB mit mäßigem Tempo, hier würde ich mir für Wiederholungsfahrten auch eine KSB wünschen. Vielleicht kann man die Stützen für einen Umbau recyclen?
Bergstation 3-SB Zwölferkopf:
Auch die schwarze 10 weiß zu gefallen:
Unterer Teil:
Die schwarzen Pisten wäre ich gerne noch ein paar Mal gefahren, aber ich hatte ja noch was vor. Mit der 4-KSB Rojenbhan geht es zurück und auf die Talabfahrt. Die ist wenig spektakulär, im oberen Teil ganz nett mit ein paar Wellen durch den Wald, im unteren Bereich teilweise Ziehweg:
Haider Alm
http://ski.intermaps.com/reschenpass/
Auf zum nächsten Skigebiet, die Haider Alm. Deutlich kleiner als Schöneben, es gibt nur die Zubringer-EUB und als Hauptanlagen eine alte Leitner 3-SB und von deren Bergstation aus erreichbar ein Tellerlift, der noch etwas weiter hinauf führt. Zusätzlich gibt es zwei weitere kurze Tellerlifte - ein Übungslift und einer, der nur im oberen Bereich ein kleines Stück eigene Piste erschließt.
Talstation EUB:
Sieht so aus, als sei die EUB in die Station einer älteren Vorgängerbahn hineingebaut worden:
Die alte Leitner 3-SB. Leider sehr lahm, erschließt sie doch eine tolle schwarze Piste:
Das verbinde ich aus meinen Dolomiten-Urlauben immer ein wenig mit Südtirol. Im Mittel weniger planierende Eingriffe in die Landschaft für das Anlegen der Piste. Ist das nur meine subjektive Wahrnehmung?
Der obere Teller-Schlepper, auch er erschließt eine sehr schöne schwarze Abfahrt - übrigens wie alle Pisten hier mit 1a-griffigem Pulverschnee:
Die Abfahrt direkt am Tellerlift von oben:
Etwas mit der Belichtung gespielt - hier die äußere rote Variante am Teller:
Und im weiteren Verlauf - schnörkellos aber, nein falsch - deswegen, einfach gut:
Auf der Rückfahrt zur Bergstation der EUB jetzt auf der Piste der 3-SB:
Mit den anderen beiden eingangs erwähnten Tellerliften bin ich nicht gefahren. Auf gehts zur Talabfahrt:
Am Gegenhang der LSAP-Schlepper Reschenalm (hieß der so). Petz hat vor einer Weile noch etwas darüber berichtet:
Ende der Talabfahrt:
Maseben im Langtauferer Tal
http://ski.intermaps.com/reschenpass/
Dem ein oder anderen wird das Langtauferer Tal aus dem Infrastrukturelle Neuigkeiten-Topic zum Kaunertal bekannt sein, wäre von seinem Ende aus doch ein Zugang aus Süd-West zum kaunertaler Gletscherskigebiet möglich. Das Langtauferer Tal ist vom Massentourismus abgekoppelt, es gibt ein paar kleine Häuseransammlungen, eine Loipe im Tal und am Ende eben ein gaaanz kleines aber wie ich feststellen durfte feines Skigebiet. Die beste Entscheidung des Tages, hier her zu kommen.
Einfahrt ins Langtauferer Tal:
Nach ein wenig Kurverei am Ende des Tals am Ziel, die DSB Maseben. Eine wundervolle uralte Leitner-Bahn (oder?).
So muss übrigens ein echter Pistenplan aussehen
Gegensätze: Moderner Kartenleser in einem sonstigen Ambiente aus vergangener Zeit. Hier gab es leider einen kleinen Zwischenfall: "Karte ungültig" - ich hatte den Kassierer in Schöneben extra gefragt. Erst jetzt wurde mir allerdings bewusst, dass er die Formulierung "Sie können mit ihrer Karte dort an einem Tag kostenlos fahren." Vielleicht galt es also nur für Mehrtagesskipässe? Der sehr freundliche Liftler schanzte mir eine Karte für 5€ zu. Ein Glück das ich das nicht vorher gewusst hatte, sonst wäre ich vermutlich nicht hergekommen und mir wäre viel entgangen.
In der DSB, alle Niederhalter als Portalmasten ausgeführt:
Es gibt eine Zwischenstation, die schien sogar in Betrieb zu sein, jedenfalls saß jemand im Häuschen:
Improvisierte Komfortverbesserung an ALLEN Sesseln. Da hat jemand aber viel Panzertape verbraucht:
Blick auf die Talabfahrt:
Er war mir von der Straße aus schon aufgefallen, am Gegenhang ein vom Tal aus startender Schlepper. Offensichtlich LSAP.
An der Bergstation der DSB. Wundervolles Panorama mit Gletscherblick, in diese Richtung liegt grob das Kaunertal:
Einzige Beschäftigungsanlage im Gebiet:
Ein alter Leitner-Tellerschlepper mit kurzen Gehängen, der klaglos tut was er soll:
Der Lift ist nicht all zu lang, aber der Schnee ein Traum, über Nacht hat es nochmal eine ganz leichte Pulverauflage gegeben.
Traumhafter Ausblick:
Die linke Piste von unten, Skifahren wie in einer anderen Zeit. Nicht sehr breit gewalzt, null Landschaftseingriffe und so gut wie keine Randmarkierungen. Wundervoll!
Die Piste auf der anderen Seite des Schleppers. Alles keine langen Abfahrten und nicht all zu viele Höhenmeter aber es ist großartig hier oben. Der Schnee, die Landschaft, das beinahe historische Flair. Ich komme aus dem Jauchzen gar nicht mehr raus.
Hier wäre ich gerne noch ein paar Mal gefahren, aber die Zeit drängt ein wenig. Also auf zur Talabfahrt:
Piste bis zur Mittelstation der DSB:
Kurzer Ziehweg zwischendrin:
Dann gehts aber gleich wieder wunderbar weiter. Schnell zum Auto und auf zur letzten Station des Tages.
Ein begeisterndes Kleinod, von dem ich inständig hoffe, dass es seine Niesche findet und noch lange überleben kann!
Nauders
http://ski.intermaps.com/reschenpass/
Nach den bisherigen tollen Erkundungen des Tages folgt als letztes der quasi unwichtigste Teil, das ursprünglich für den ganzen Tag avisierte Nauders.
Auf dem Weg nach Nauders kurz nach der Durchfahrt der Ortschaft Reschen. Ein kleiner Tallift, aufgebügelt oder besser aufgetellert, in Betrieb aber ohne Skifahrer.
Einstieg ins Skigebiet Nauders, es ist schon kurz nach zwei. Zur Auswahl steht eine Kette aus zwei DSB oder die EUB. Aus Zeitgründen nehme ich die EUB.
Bergstation der EUB, zu sehen die 8-KSB Zirmbahn mit einer Piste die fast so breit ist wie lang. Bähh, bloß weg hier.
Mein Ziel in der Ferne, die 2200m lange 6-KSB Tscheyeckbahn:
Talstation 6-KSB:
Erschreckend, wie wenig Schnee dieses Jahr liegt:
Von der Bergstation der Tscheyeckbahn geht es weiter zu diesem tollen Schlepper. Er bedient ausschließlich eine Route, die wieder zur Talstation der Tescheyeckbahn führt:
Tolles Panorama ins Unterengadin:
Das Skigebiet von Scoul in der Ferne im Zoom:
700 Höhenmeter Buckelpiste vor mir. Lecker!
Ich bin froh um den Sport den ich sonst zu Hause treibe, denn sonst wäre es nix geworden mit "Anhalten nur zum Fotosmachen" - oder man muss viele Fotos machen
Im Anschluss ging es nochmal hoch mit der Tescheyeckbahn, eigentlich wollte ich die Route noch ein zweites Mal fahren, aber wie ich feststellen musste, macht der Schlepper wohl ziemlich früh Feierabend, deshalb ging es auf der roten Piste hinunter zur Talstation der KSB. Andere Varianten waren wegen Schneemangel nicht geöffnet. Im oberen Teil langweiliger, glattgebügelter Standard:
Im unteren Teil deutlich gefälliger:
Nun geht es noch schnell hinüber zur Gaislock-KSB:
Von ihrer Bergstation gibt es mehrere Varianten, ich habe aus Gründen des Zeitmangels die schnellste genommen. Danach ging es nochmal hoch und zurück zur Bergstation der EUB:
Jetzt musste ich sie doch einmal nehmen, die 8-KSB Zirmbahn, denn ich wollte vor Betriebsschluss noch schnell hinüber zum rechts von ihr gelegenen Schlepper und seiner schwarzen Piste:
Da ist er. Die Piste im oberen Bereich sehr breit und seicht:
Blick hinüber ins Skigebiet Schöneben. Sollte die angestrebte Verbindung tatsächlich kommen, müsste meiner Meinung nach die Verbindungsbahn in etwa der Verlängerung der Linie der EUB-Schneise hinauf nach Nauders kommen:
Je weiter es die Schwarze am Schlepper hinunter geht, desto schöner wird sie. Im Wald weiß sie richtig zu gefallen. Da es 5 vor 4 ist und ich auf eine Wiederholungsfahrt hoffte, gibt es keine Fotos mehr von der Abfahrt außer dieses:
Es war mir gelungen, ein zweites Mal die schwarze Abfahrt am Schlepper zu nehmen, dann hieß es aber zurück. Auch wenn ich sie nicht mochte, nahm ich ein weiteres Mal die 8-KSB Zirmbahn, hinter mir machte der Liftler dann auch dicht, die Piste - wenn auch nichts besonderes - gehörte mir
It's over when it's over - auf gut Deutsch: Es ist erst vorbei, wenn die KSBs garagiert werden:
Auf der Talabfahrt hatte ich die Massen dann schnell wieder ein:
Letzter Auslauf bis zum Parkplatz:
Was für ein wundervoller und abwechslungsreicher Tag!