Einleitung
Es ist Winter im Flachland! Nachdem es ungefähr 24h Stunden lang geschneit hatte, gab es am 3. 12. selbst am Zürichsee eine stolze Schneedecke von 30 cm. Und am nächsten Tag war erst noch ein absoluter Traumtag mit Sonne und Temperaturen ganztägigen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt angesagt. Diese Verhältnisse wollte ich eigentlich nutzen, um einen halben Tag an einem kleinen Skilift in der Region zu verbringen, den ich noch nicht kannte. Doch Neusell würde erst am 6. 12. öffnen, die Website des Skilifts Wägital war ausser Betrieb, der Skilift in Bennau steht offenbar zum Verkauf und der Friherrrenberg sowie der Skilift Euthal sind schon seit Jahren ausser Betrieb. Doch dann kam mir ein Vorhaben in den Sinn, das eigentlich schon vor 2 Jahren beim letzten grossen Wintereinbruch im Flachland auf meiner To-Do-Liste stand. Damals hatte ich ausgiebig die Karte nach skibaren Hügeln in der Region abgesucht und war auf eine ziemlich perfekte Route vom Etzel (1000 m.ü.M.) bis an die Autobahn in Pfäffikon SZ (500 m.ü.M.) gestossen. Aufgrund des nebligen Wetters hatte ich mich damals jedoch für eine Abfahrt vom Rossberg entschieden, da ich mich dort besser auskenne. Doch nun würde ich mich kein zweites Mal bitten lassen, denn solche Bedingungen kommen höchstens alle paar Jahre vor, und dies erst noch an einem freien Sonntag!
Aufstieg
Für alle, die sich nur für den Ski-Teil interessieren, einfach etwas hinabscrollen.
Die Tour startet um 10 Uhr am Bahnhof Wädenswil am Zürichsee.
Die S13 führte mich über Samstagern bis nach Schindellegi, wo ich die Massen im vollen Zug nach Einsiedeln weiterreisen liess, während ich als einziger Wintersportler in Schindellegi ausstieg. Da ich keine Felle oder Tourenskibindung besitze, buckelte ich ab hier die Skis und Skischuhe für den ca. 5 km langen 250hm Anstieg. Der Weg führt zuerst durch das ruhige Dorf Schindellegi, das auf der Wasserscheide zwischen Zürichsee und der Sihl sitzt.
Nach einem Industriegebiet am Dorfrand verlässt man das bewohnte Gebiet und folgt für etwa 1.5 km einem flachen Weg durch den herrlich verschneiten Wald der Sihl entlang.
Nach diesem Wegstück beginnt es, steil bergauf zu gehen und man erreicht das Restaurant Büel mit seinem unendlich langen Parkplatz. Hier sind zahlreiche Leute am schlitteln oder sonst die Sonne am geniessen.
Nach dem steilsten Anstieg, wo einem viele Schlittler entgegenkommen, wird man mit einem herrlichen Tiefblick auf den Zürichsee entschädigt. Der Ort ist auch im Sommer einer meiner liebsten Aussichtspunkte, doch in einem solchen Winterkleid hat er einen ganz besonderen Charme, auch wenn die Stadt Zürich sich hielt leider den ganzen Tag im Nebel versteckte.
Skiabfahrt
Nach dem letzten Stück, das über den Rücken des Etzels führt, erreicht man den Ausgangspunkt der Tour. Dieser ist nicht auf dem Gipfel selbst, sondern 500 Meter unterhalb im Gebiet Ragenau auf genau 1000 m.ü.M. Dies weil der Gipfel selbst bewaldet ist und für Waldskifahren auf dieser Seehöhe bräuchte es schon eine ausserordentliche Schneemenge. Vom Startpunkt hat man einen schönen Ausblick auf die Insel Ufenau, mit ihren 110'000 Quadratmetern die grösste der Schweiz. Während der ganzen Tour boten sich herrliche Tiefblicke auf den Zürichsee. Es ist vielleicht nicht grad Rochers-de-Naye oder der Ätna, aber die "Skifahren-mit-Gewässer-Tiefblick"-Fraktion dieses Forums hätte sicher auch Freude an dieser Abfahrt. Die Route führt auf den ersten paar Metern über Weiden zum Bauernhof Ragenau. Ab dort führt eine schmale Schneise im Wald in Richtung Feusisberg. Laut Karte sah sie gut skibar aus, aber vor Ort hegte ich zuerst Zweifel. Doch tatsächlich öffnete sich im letzten Moment eine ca. 10 Meter breite Schneise im Wald, die über ihre ca. 100 Höhenmeter herrlich zum Skifahren war und am Ende wiederum in eine Weide mündete. Beim Hof Rohnen erreicht man zuerst eine Scheune, wo es ein wunderbar steiles Couloir gibt. Hier löste sich bei meiner Abfahrt gar ein kleines Schneebrett! Beim Hof selbst folgt der flachste Teil der Abfahrt, man muss jedoch nie schieben und wird, nachdem man am Gasthof Feusisgarten vorbei ist, mit dem fahrtechnisch schönsten Stück der Tour entschädigt. Danach ist man auf der Höhe von Feusisberg (ca. 670 m.ü.M.), vor 50 Jahren noch ein armes Bauerndorf, heute ein Steuerparadies wo die Reichen und Schönen die Aussicht auf den Zürichsee geniessen, und wo sich die Schweizer Fussballnationalmannschaft im Panorama Spa Resort auf ihre Spiele vorbereitet. Auf der Skitour geht man am östlichen Rand des Dorfs vorbei und quert die Riedstrasse, wo man das einzige Mal abschnallen muss. Unterhalb der Strasse ist es zuerst etwas flach, bevor wieder ein perfekt geneigter Hang über Weiden zur Autobahnausfahrt Schindellegi hinabführt. Bei der ersten Abfahrt traf ich dort auf ein Hindernis, das man sonst beim Skifahren auch nicht aller Tage sieht; ein Hirschgehege. Ich musste zwar etwas schieben um an den Zäunen vorebizukommen, doch glücklicherweise gab es auf der rechten Seite auch noch einen genauso schönen Hang. Der Schnee war auf der gesamten Abfahrt bester Pulver, nicht nur dank der eisigen Temperaturen, sondern auch aufgrund der Nordlage des Hangs. Die Abfahrt war derart gut, dass ich im Ziel auf 500 m.ü.M. mich entschied, den ganzen Aufstieg nochmal auf mich zu nehmen, um sie nochmal zu machen!
Unten angekommen lief ich 5 Minuten zur nächsten Busstation und nahm via Pfäffikon Bahnhof den Bus nach Feusisberg, um das ganze zu wiederholen. Von dort aus ist der Aufstieg zwar kürzer, aber auch steiler, was meine Beine dann bei der zweiten Abfahrt auch deutlich spürten