Mich zog es in die Gegend des Bregenzerwaldes, wo sich noch Restbestände von begehrten Retrogebieten gehalten haben und dem LSAP-Virus halbwegs trotzen. So entschied ich mich, den Krähenberglift bei Sibratsgfäll aufzusuchen, denn dieser Einzellift (den kleinen zusätzlichen Seillift mal außer Acht gelassen) dürfte auf der Gefährdungsliste noch weit vor dem Weißstorch rangieren.
Als Zweitziel hätte sich eigentlich Schetteregg angeboten, das mir immer noch fehlt, aber dort liefen gleich zwei Schlepper nicht... also mal wieder zum x-ten Mal verschoben. In Andelsbuch laufen mittlerweile die DSB'ben und ein Schlepper nicht mehr, wohl aber der Doppellift oben sowie der ganz steile Lift und als Zubringer die Seilbahn. Aber da war noch kein Betrieb - ebenso wenig in Hochlitten oder gar am Kurvenschlepper Hagenberg.
Am Diedamskopf herrschte noch kein Vollbetrieb und dank dem Regen brauchte man auch nicht an einen Abstecher zum Schneiderkopflift denken, dem ich schon seit über 10 Jahren hinterher bin. Ich war bereits kurz davor, noch ins große Gebiet nach Mellau zu fahren, aber dann entschied ich mich aus dem Bauch heraus fürs Bödele. Zwar war wegen dem Tau- und Regenwetter der Haldenwanglift nicht in Betrieb, aber der Rest wenigstens. Für den 1.650 m langen Kurzbügler Hochälpele aus den 50ern, der ziemlich, ziemlich schnell fährt und dem Kurvenlift Alpenblick kam ich sehr gerne auf einen Zweitbesuch dorthin. Wer weiß, bis wann hier KSBen stehen oder die den Laden ganz zusperren.
Zwar ist kilometermäßig schon ein gutes Stück von München aus zu bewältigen, aber ich wohne im Westen der Landeshauptstadt – so ist man schnell auf der A 99 und der A 96. Während die Massen sich auf A 95 und A 8 den Standardgebieten stauend zubewegten, konnte ich die leere Lindauer Autobahn südwestwärts rollen – gehemmt allenfalls durch den Frost und meiner Glatteisfurcht seit einem entsprechenden Unfall vor 10 Jahren. Von Dornbirn aus gelangt man über die Landesstraße 200 total schnell mitten hinein in den Bregenzerwald. Bei der Durchfahrt von Alberschwende ein wenig schwere Gedanken, weil das örtliche Gebiet nicht mehr ist, aber wenigstens habe ich es ein einziges Mal erleben dürfen, jenes kleine Paradies...
Hinter Sibratsgfäll muss man noch eine enge Straße hinabfahren, dann ist man am AdW angelangt, wo der Krähenberglift in idyllischer Mittelgebirgslandschaft eher hinaufgeht. Ich erinnerte mich an andere Saisonstarts, wo man ja immer total euphorisch ist und sich riesenhaft freut, es endlich wieder auf die Bretter zu schaffen, auch wenn ich dies heuer durch einen Sommerschibesuch in Hintertux entsprechend abgekürzt habe.
17 EUR für die Karte bis 13 Uhr gelöst und los ging es ins Einzelliftvergnügen...
Der Krähenberglift verläuft recht flach, ehe er eine kurze, steile Waldschneise durchquert. Ich hatte bis dato kaum Bilder von dem Lift gesehen und keine Ahnung, was mich erwarten würde. Ich wusste lediglich von der Webcam her, dass es ein Gittermastler ist. Ich war froh, dass er nicht nur bis zum Waldrand reichte, sondern weiter hinauf...
Danach geht es sogar immer noch weiter über eine Almwiese mit nettem Ausblick, aber in der Früh herrschte dort nur frostiger Schatten.
Bald rückte die Talstation ins Sonnenlicht und wurde sogleich mit der Nikon unter Beschuss genommen. Wenigstens winkte keiner blöd ins Bild. Oben an der Piste, als ich das erste Mal die Landschaft knipste, rief irgendwer "he, da fotografiert einer!" - Weltsensation!!!! Nie gesehen !!!
Der Lift ist bestimmt noch aus den 60ern mit schönem, klassischen Talstationsgebäude. Gemäß Liftworld 2019 von Diesel auf Elektro umgebaut. Gibt Abzüge auf der Hypeskala, ist aber noch so einigermaßen verschmerzbar. Ein Umbau von Kurz- zu Langbügeln wiegt da schwerer
Zoom in die untere Trasse bis hin zur Waldschneise...
Es waren wahrscheinlich nur Einheimische unterwegs und auch viele Kinder. Eine der beiden Abfahrten war dann auch eine zeitlang für einen Trainingslauf gesperrt. Aber für Familien sind solche einzelnen Anlagen sicher ein Segen.
Diesmal ohne Gegensonne...
Seitenblick
Der Almwiesenbereich nach der Waldschneise
Die Umlenkung musste im Schatten frieren
Hier kommt der Lift aus dem Steilhang heraus.
Dort oben hatte es eine richtig gute Winteridyllenstimmung.
Die Abfahrt von oben aus links vom Lift. Für Einzelschlepperverhältnisse hat man hier eigentlich zwei super Pisten und kann daher zwei Stunden mühelos fahren, ohne dass Langweile aufkommt. Durch meine Fotografiererei und In-Die-Landschaft-Blicken überbrückte ich die Zeit bis ca. 12.30 Uhr recht gut, ehe ich dann Richtung Bödele aufbrechen sollte.
Skifahren am Krähenberglift...
Wieder ein Seitenblickmotiv
Wegen des Trainings oder Rennes des Skiclubs widmete ich mich nun der anderen Abfahrt, wo sich sogar noch eine Variante versteckte und ein kleiner Tiefschneeabstecher für Arme...
Auch das Teleobjektiv mal wieder eingesetzt...
Auf einer alten Karte hatte ich am Vorabend am Hang rechts noch einen Lift eingezeichnet gesehen. Im historischen Modus bei Googleearth kann man da auch noch so was wie eine Stütze sehen. War wahrscheinlich ein kurzer Hotel-Übungslift.
Zoom ins Grüne...
Zoom in den Winter...
Bergidylle oberhalb von Sibratsgfäll. Als Großstädter gerät man da immer ins Schwärmen...
Nicht meine Spuren
Zur Kindertiefschneevariante... aber ein netter Abstecher.
Wieder oben am Lift
Ein ähnliches Randmotiv wie an der Piste auf der anderen Liftseite...
Wechsel ans Bödele - ein total schönes Retrogebiet oberhalb von Dornbirn....
Wieder faszinierend, wie schnell der Hochälpelelift abgeht - der Bursche am Einstieg musste richtig schaffen. Wohl ähnlich anstrengend wie die Arbeit des unbekannten Kleiderschranks am Fleckhochalmlift, an den ich denken musste, obwohl ich jenen Liftler nur von Forumserwähnungen her kenne.
Oben gleich mal zum Kurvenlift Alpenblick, wo die Sonne schien - der Hochälpelelift lag voll im Schatten.
Zoom ins LSAP-Gebiet Hirschberg in Bizau (oder doch Bezau?
Das Halb-LSAP Andelsbuch. Die beiden DSBen und der vordere SL sind leider stillgelegt worden. Nur Mellau wird überleben, was?
Am Nachmittag hatte es rund um den Kurvenlift bestes Knipsenlicht...
Die Abfahrt hinten herum - vorne herum der Steilhang war aber natürlich das Oberschmankerl...
Vorneherum...
Da freut man sich als Schlepperfreund...
Auch der Kurvenschlepper fuhr einst mit Diesel
Zurück zum ultraschnellen Kurzbügler - leider kein Bodenseeblick, aber das Wolkenmeer sollte sich auch als recht fotogen erweisen.
Zoom zum Nebelhorn...
Der 500 m lange Seeblicklift muss immer als Knipsmotiv herhalten...
Zoom Richtung Langen bei Bregenz - auf diesen Berg soll lt. einer alten Karte ein Lift hinaufgegangen sein. Aber ggf. war es auch nur eine Materialseilbahn. Auf Luftaufnahmen ist wie auch hier nichts Gescheites zu erkennen.
Müsste im Hintergrund Schloss Zeil bei Leutkirch sein?
LSAP-Gebiet Alberschwende (oder doch Andelsbuch? Ich verwechsel das immer genauso wie Bizau und Bezau - auch ohne Rotwein intus...)
Aber interessant, dass die Wopfner-Stützen noch stehen. Vielleicht mal dann eine sommerliche Besichtigung...
Der nette Seeblicklift - am Nachmittag eines Dezembertags voll im Schatten gelegen. Aber eine nette Ecke - man wird durch den Winterwald gezogen und oben stoppte der Lift genau an der richtigen Stelle, als gerade eine Tourengeherin querte (ich habe jetzt keine Adjektive verwendet
Nebel überm Bodensee...
Einmal gab ich mir den Lanklift, eine olle 4SB, die 2000 einen 1951er SL ersetzt hat. Wenigstens hat der Hochälpelelift mit Baujahr 1957 überlebt. Wenn auch vor 10 Jahren wohl ein Umbau unterhalb der Bergstation stattgefunden hat, wo der Lift einen neuen Niederhalter bekam und der Steilhang mittels einer Brücke entschärft wurde.
Auf der Piste neben dem Hochälpelelift konnte man es gescheit krachen lassen, da nun wegen der aufziehenden Dämmerung immer weniger Leute unterwegs waren und der Schnee einen 1A-Zustand aufwies.
Einen oder zwei dieser Uraltniederhalter gibt es noch - zwei wurden bereits ersetzt. Der Schlößlelift im KWT müsste auch noch sein ein Teil verbaut haben - bin den aber schon seit 23 Jahren nicht mehr gefahren.
Die untergehende Sonne verblutete langsam und spendete herrliches Licht, das mich doch glatt vom Skifahren und insbesondere dem Kurzbügellift abhielt - der Kurvenlift hatte schon Feierabend (ab 15.30 Uhr). Der Hochälpele und der Seeblick liefen immerhin bis 16:15 Uhr. Danach sollte es meinen über 40 Jahre alten Beinen aber auch entsprechend reichen für den Saisonauftakt.
Am Gegenhang sieht man noch die Leute in der Sonne sitzen und tiiiief durchatmen, ehe am 18.12. wieder der Alltagstrott losgehen sollte.
Die Übungslifte, die es hier am Bödele noch gibt, habe ich wie beim Erstbesuch 2016 ausgelassen.
Der Seeblicklift mal wieder...
Der Pfänder - leider nun auch ins LSAP-Lager gewechselt. Aber die Bäume stehen noch. Rechts oben sieht man...
... die Waldburg aus dem Nebelmeer aufragen. Ich musste an meine diesjährige Lektüre einer Biografie des Bauernjörg denken, der im Bauernkrieg die Zivilbevölkerung terrorisiert und dafür gesorgt hatte, dass der Aufstand von der Obrigkeit blutig niedergeschlagen wurde. Ich weiß jetzt allerdings nicht mehr auswendig, ob er in dieser Burg residiert hat,
Lindenberg? Irgendwie recht surreal, wie sich diese Betonbauten dort in die Allgäuer Bilderbuchlandschaft einschmiegen.
Schon wieder der Seeblicklift
Die Wopfnerstützen zu Alberschwende in der Abendsonne
Da müsste man auch wieder Schloss Zeil sehen, oder?
Er schon wieder
Die Abendstimmung, die mich vom Skifahren abhielt - aber ich war eh genug gefahren an jenem Auftakttag.
Andelsbuch am Abend
Der Hochgrat. Rechts unterhlab der Bergstation fällt eine Wiesenfläche am Südhang auf - dort hab es mal den Sonnenlift. 2008 gab es noch Stützenfundamente zu sehen...
Vor der finalen Abfahrt bin ich noch beim Seeblicklift an eine Stelle hin, wo man auf die andere Seite des Berges blicken konnte, wo sich ein schönes Stimmungsbild mit der untergehenden Sonne und dem Nebelmeer ergab.
Im kalten Schatten dann wieder nach unten, Karte im Sportgeschäft abgeben und mit den Skiern weiter zum Auto. Ich hatte an einem Parkplatz weiter weg geparkt. Ein Kleinwagen aus Hannover bekam Probleme beim Anfahren und auch mein Passat dreht ein wenig durch, ehe die Sommerreifen (Spaß!) endlich griffen. Auf der Straße hinunter nach Dornbirn war viel los, weil wahrscheinlich die meisten nach Mellau gefahren waren. Trotz Kolonnenverkehr und Glatteis (das Tauwasser zog wieder an) stresste hinter mir ein Schweizer A4 total agressiv herum. Ich werde es nie verstehen.
Am Straßenrand waren einige Nichtskifahrer zu sehen, die mit gezückten Handys die Dämmerung und die Nebelmeerdecke knipsten. Wir tauchten in diese ein, um Dornbirn unterhalb der Wolken vollkommen im Dunkeln vorzufinden. Ich tankte noch günstig, doch auch dort ging es voll ab - es wurde gerast, gehupt, geschrien... so ein Skitag in einem großen Gebiet, aus dem die Akteure offenbar kamen, scheint mir nicht erholsam zu sein. Froh, keine aufs Maul bekommen zu haben, verließ ich die Tankstelle und die A 96 war nun ebenso voll mit heimkehrenden Skifahrern und den üblichen Stressern. Aber das konnte mir nichts anhaben. Gut gelaunt steuerte ich München entgegen, froh darum, den Krähenberglift noch erwischt zu haben und erneut das kultige Bödele erlebt zu haben...