Bei einer Wetterprognose mit Regen und Sturm stellen solche Wünsche natürlich eine kleine Herausforderung dar, aber was tut man nicht alles für den Ehefrieden. Immerhin soll sich zwischen den Fronten am Samstag eine Regenpause mit blauem Himmel auftun, aber welches Ziel in der Umgebung kann die übrigen Anforderungen erfüllen? Der Regen und die warmen Temperaturen haben den Schnee in Tallage zerstört, und auf den Steiermark-üblichen Forststraßenzustiegen wird man die Schi wohl über längere Phasen am Rucksack tragen müssen. Natürlich könnte man von der Tauplitzalm oder der Planneralm aus was machen, aber es soll ja auch etwas Neues sein.
Da gab es doch bis vor einigen Jahren ein nettes kleines Schigebiet am Stoderzinken, erreichbar über eine Mautstraße bis ca. 1800 Meter Höhe mit vermutlich prachtvoller Aussicht und nordseitig gelegenen Schi-Hängen. Leider habe ich es nie geschafft, dieses Gebiet zu besuchen, als es noch in Betrieb war, aber für den heutigen Tag sollte es sich um die ideale Wahl handeln. Und so machen wir uns am Morgen von Altaussee aus auf den Weg ins Ennstal.
Kurz reihen wir uns zwischen Trautenfels und Gröbming in die um diese Uhrzeit noch mäßig dichte Autoschlange der Semesterurlauber auf den Wegen ins obere Ennstal ein, um dann auf einer durchaus spannenden, passager ziemlich ausgesetzten Mautstraße bis zum letzten Parkplatz vor einem Fahrverbotsschild hochzufahren. Wie sich später zeigen sollte, hätten wir auch schon eine Kehre weiter unten parken und gleich im Schnee aufsteigen können, aber auch der Weg auf der Straße durch ein kleines Hüttendorf ist nett.
Hüttendorf bedeutet hier nicht eine Feriensiedlung aus der Retorte, sondern eine gewachsene kleine Siedlung mit einigen Gebäuden, in denen früher, zu Zeiten des Liftbetriebs, vermutlich mehr los war als heute, denn viele der Hütten sind vom Schnee komplett zugeweht.
Der Weiler befindet sich auf einem kleinen Sattel, es geht noch kurz bergab zum Beginn des eigentlichen Gipfelaufstiegs.
Da wollen wir hinauf, wie man erkennen kann, sind schon zwei Schiwanderer früher aufgestanden und bewegen sich auf einer gewalzten Bulli-Spur bergwärts.
Die Trasse ist durchaus komfortabel.....
.....wird aber manchmal so steil, dass wir ins Gelände ausweichen und unsere eigene Spur ziehen.
Hübsch der Blick zurück zum Hüttendorf, darüber der Dachstein aus einer eher ungewohnten Perspektive.
Gemütlich geht es weiter.
Und hier erkennen wir bereits die Bergstation des früheren Gipfelliftes.
Aussichtstechnisch hat es sich auf jeden Fall ausgezahlt.
Und auch für´s Auge des Liebhabers früherer Schilifttechnik bietet sich etwas.
Finnie vor der Umlenkscheibe.
Schon sehr ästhetisch, so eine Gitter-Portalstütze.
Die beiden Damen wissen dieses Kleinod nicht wirklich zu schätzen und lassen es links liegen.
Ich glaube, auch Finnie bewundert hier nicht die Stütze.
Wir lassen die Bergstation hinter uns...
.... und es zeigt sich, dass der Regen zwar wirklich eine Pause gemacht hat, nicht aber der Sturm.
Wir lassen uns aber nicht beirren....
... und nach der nächsten Geländestufe zeigt sich unser heutiges Gipfelziel, der Stoderzinken mit seiner Höhe von 2048m, links dahinter der Kamm der Kammspitze.
Sabine und Doris posieren am Gipfel.
Der Blick ins braun-grüne Ennstal mit den Schigebieten der 4 Berge.
Rohrmoos – Hochwurzen - Reiteralm
Haus im Ennstal, wo sich gerade – wie ich später lesen werde – bastian-m und vermutlich auch einige andere Forum-User herumtreiben.
Galsterbergalm
Der Sturm am Gipfel lädt nicht zu einer längeren Pause ein und erschwert das Zusammenlegen der Felle, doch nun wollen wir sehen, ob es auf der Nordseite vielleicht noch brauchbaren Schnee gibt. Die Westflanke war ja, wie man an den Aufstiegsbildern sehen konnte, ziemlich abgeblasen.
Wir machen nun einen kleinen Zeitsprung und befinden uns bereits in etwa an nördlichsten und tiefsten Stelle des ehemaligen Schigebiets und blicken zur Trasse des früheren Gipfelliftes.
Und in der Folge kann man sehen, warum ich mich an diesem Tag an „Block-Heads“ erinnere, an einen Film von und mit Stan Laurel und Oliver Hardy: Stan und Ollie werden als Soldaten im ersten Weltkrieg bei einem Kampfeinsatz getrennt, Stan bleibt auf seinem Wachposten im Schützengraben, die Kameraden kehren nicht zurück und so bekommt er nicht mit, dass der Krieg zu Ende gegangen ist und schiebt bis 1938 weiter Wache, bis er von einem Piloten entdeckt und über das lange zurückliegende Kriegsende aufgeklärt wird.
Was wir hier nämlich sehen bzw. schon auf der Abfahrt in die Nordmulde mitbekommen haben sind perfekt wenn auch ziemlich schmal präparierte Pisten.
Hat man vielleicht auch hier vergessen, dem Bulli-Fahrer vom Ende des Liftbetriebs zu informieren? Nicht nur die Pisten, auch die Trasse des Lärchberglifts ist lupenrein planiert! Und wird auch benützt!
Die Hänge links und rechts wurden aber dankenswerter Weise im Originalzustand belassen, von den zwei Spuren rechts einmal abgesehen.
Hinter uns die geschlossene Brünner Hütte
Liftkarten werden nicht kontrolliert, anstellen muss man sich auch nicht, und so marschieren Sabine, Doris und Finnie los.
Knapp 130 Höhenmeter sind es bis zur Bergstation.
Jetzt kommt aber das Highlight des Tages. War die Abfahrt vom Gipfel in die Mulde schon durchaus nett, wenn auch oben noch ziemlich windgepresst, so ist der Hang neben dem Lärchberglift einfach nur ein Traum.
Und so stellen wir uns einfach gleich wieder an. Wenn man so einen schönen Hang mehrfach befährt, dann kommen an einem Tag wie diesem auch 700 Höhenmeter zusammen.
Ich befürchte zwar, dass uns vom Liftpersonal heute keiner suchen würde, aber die Gefahr besteht ja ohnehin nicht.
Den letzten Aufstieg zurück zum Sattel machen wir auf einer der beiden präparierten „Pisten“....
... um uns dann auf der Stoderhütte mit hervorragenden Suppen (Gulasch- und Kaspressknödel) verwöhnen zu lassen, auch Finnie erhält zur Belohnung ein Paar Frankfurter.
Die letzte Abfahrt des Tages führt an der Südseite hinunter zum tieferen der beiden Parkplätze mit Blick auf Hauser Kaibling und rechts am Rand auf die Planai.
Und auch der südseitig gelegene kurze Rossfeldlift muss noch dokumentiert werden.
Fazit: heute haben wir offenbar alles richtig gemacht, die Fahrt auf den Stoderzinken hat sich wirklich gelohnt. Nicht nur haben wir einen sehr netten und aussichtsreichen Gipfel erklommen, sondern hatten auf den Nordhängen des ehemaligen Schigebiets perfekte Schneeverhältnisse mit nur minimaler (zwei weitere Schifahrer) Konkurrenz, das Essen und die Atmosphäre in bzw. vor der Stoderhütte waren hervorragend und sogar ein paar alte Liftstützen gab es als Garnierung.