28.3.2025
If the sun comes up
And I still don't wanna stagger home
Then it's the memory of our betters
That are keeping us on our feet
(aus: "All my friends" von LCD Soundsystem)
Das kleine Skigebiet auf dem Dachsteingletscher war einstmals das östlichste seiner Art und bot sogar noch deutlich länger als seine tiroler Pendants (abgesehen von Hintertux) noch so etwas wie echten Sommerski an. Der massive Gletscherrückgang hatte seit den 2010er Jahren mehrfach eine teils deutliche Versetzung und Anpassung der Gletscher-SLs notwendig gemacht. Vor allem die Trasse des Schladminger Gletscherlifts war am Ende nicht mehr zu halten. Zum Herbst 2022 wurde der Skibetrieb auf dem Gletscher dann nicht wieder aufgenommen und die Schlepplifte im Frühjahr 2023 abgebaut.
Es gab aber noch eine weitere Anlage, die nie auf Gletscher stand: Der Doppelsessellift Mitterstein. Die 1980 von Swoboda errichtete Anlage erschloss mit seiner damals direkt an den Gletscherrand gestellten Bergstation zusätzliche 256m Höhenmeter nach unterhalb des Gletschers und sieht nun einem ungewissen Schicksaal entgegen.
Nach fünf Tourenskitagen in der Silvretta hatte ich einen mich bis dahin begleitenden Bochumer Freund in Innsbruck am Bahnhof abgesetzt um im Anschluss einen schon länger gehegten Plan in die Tat umzusetzen: Eine gemeinsame Tour mit @gerrit und so erreichte ich am Nachmittag des 27.3. das kleine Dorf Altaussee und checkte in die Casa Gerrit ein. Da ich selbst in Neuseeland und beinahe jeder kanarischen Insel mehr Ecken kenne als in Oberösterreich und der Steiermark (Alles östlich von Schladming ist für mich gefühlt kurz vor Wien, also so gut wie Slowakei), alles Neuland für mich.
Viel mehr Frühling als Winter.
Den See kennt man aus James Bond "Spectre".
Angesichts der bekannt knappen Schneelage sollte es trotz nur mittelmäßiger Wetteraussichten der Dachstein werden. Die Südwandbahn ist trotz der Einstellung des Skiliftbetriebs weiterhin auch im Winter in Betrieb und wird von Tourengehern, Winterwanderern und co. offenbar ganz gut angenommen. Für die Langläufer ist eine Gletscherloipe präpariert, für die Tourengeher fährt die Raupe eine Spur hinunter bis zur Mitterstein-DSB, so dass man auch bei mäßiger Sicht hier bei Bewegungsdrang einfach eine pistentourartige Runde drehen kann. Nicht zu vergessen hat der Dachstein wegen seiner spektakulären Südwand mit ihrer Aussichtsplattform sich in der asiatischen Reisebranche einen seit jeher einen Namen gemacht.
Die Case Garrit betreibt zusätzlich einen exzellenten Shuttle-, Guide- und Geleitservice und so landen am Morgen die Rucksäcke von Gerrit, seiner Frau Sabine und mir nebst Hund Finni im Koffferraum und es geht los Richtung Ramsau und hinauf zur Talstation der Südwandbahn.
Die Wetteraussichten während der Anfahrt sind mäßig, leider wurden die Sonnenstunden aus der Prognose des Vortags massiv herunterorrigiert.
Ausblick von der Bergstation in Richtung Ennstal.
Im Zoom das Skigebiet der Vier Berge.
Drei der vier heutigen Gruppenmitglieder. Alle Zweibeiner sind zufälliger Weise mit unterschiedlichen Kombinationen aus einem K2 WayBack und Scarpa Maestrale ausgestattet.
Kurz nach dem Abfahrtsstart sind wir dann in dichten Nebel eingetaucht, so dass es hier nichts zu berichten gibt außer das wir es angesichts fehlender Sicht gerade ganz praktisch fanden, einer gewalzten Spur nach unten folgen zu können. An der ehemaligen Talstation des Schladminger Gletscher-SL vorbei muss man mittlerweile einen dem Gletscherschwund geschuldeten, nennenswerten Gegenanstieg überwinden, um auf die Piste zur Talstation der DSB zu kommen.
Irgendwann sind wir dann unter der Wolkendecke angekommen und der Doppelsessellift Mitterstein kommt in Sicht. Er steht noch. Gerne würde ich auf die Frage "Lebt denn der alte Mitterstein noch" ein "Ja der lebt noch, der lebt noch, der lebt noch!" entgegnen, aber Koma trifft es wohl besser. Gerüchte gab es einige um eine angedachte Winternutzung für die Tourengeher, was vielleicht ganz komfortabel sein mag, wenn man den langen Hatscher vom Krippenstein herüber macht und auch im Sommer in irgendeiner Form für Fußgänger aber soweit wir wissen, tat sich hier seit 2022 nichts.
Ist die Talstation mal neu gemacht worden? Sieht mir irgendwie nicht aus wie von 1980.
Dornröschenschlaf
Und dann fegt für ein paar Minuten der Wind die Wolken weg und die Sicht wird frei auf den vollständigen Trassenverlauf.
Auch der Ausfahrt-Niederhalter sieht deutlich anders aus als die restlichen Stützen auf der Strecke.
Die Sonne sollte dennoch nur kurz unsere Begleiterin sein.
Alle zwei- und vierbeinigen Begleiter.
Das Tourenangebot wird insgesamt offenbar gut angenommen - zumindest bei der ansonsten dürftigen Schneelage.
Die Bergstation der DSB - früher am Gletscherrand, jetzt trohnt sie deutlich darüber, man beachte den Skifahrer rechts unten.
Eine Pistenraupe schiebt unablässig große Mengen Schnee für eine Rampe zusammen. Wofür bloß?
Im Zoom: Die Sessel liegen fein säuberlich aufgereiht daneben.
Nach dem Aufstieg zurück queren wir noch hinüber zum Hallstätter Gletscher mit Ziel Seetaler Hütte. Hier hienab kann man über die Simonyhütte in Richtung Krippenstein abfahren. Uns kommen einige Tourengeher von dort entgegen.
Der Abstecher ist kurz, aber bei gutem Wetter alleine schon wegen der Aussicht lohnenswert. Heute immerhin wegen der Einkehr.
Bei der späteren Talfahrt mit der Pendelbahn frage ich den Kabinenbegleiter nach dem Schicksal der DSB. Er weiß nur zu berichten, dass sie wohl bis zum Ende der Konzession stehengelassen werden soll. Zu Betriebsplänen zuckt er mit den Schultern. Ob sich der lohnen würde? Ich wage es zu bezweifeln. Aber warum baut man die Bahn dann nicht ab?
Schnappschuss bei der Fahrt aus der Ramsau hinab ins Enstal auf die weißen Bänder der Vier Berge.
Der heute folgende Regentag eignet sich gut zum Müßiggang und dem Einstellen der Fotos. Vor meiner Abreise suche ich erfolglos bei Tripadvisor und Google Maps nach einem Eintrag für die Casa Gerrit. Gerne hätte ich eine 5-Sterne-Bewertung in allen Kategorien hinterlassen. Beziehbar ist sie offenbar allerdings nur nach Absprache und nicht über booking.com sondern wenn überhaupt online, dann wohl nur über das Alpinforum.