Airolo 6.4.25: Naturbelassene Pisten!

Switzerland, Suisse, Svizzera
Forumsregeln
Antworten
Benutzeravatar
Seilbahnfan 05
Großer Müggelberg (115m)
Beiträge: 418
Registriert: 18.09.2022 - 22:15
Skitage 25/26: 7
Ski: ja
Snowboard: nein
Hat sich bedankt: 632 Mal
Danksagung erhalten: 464 Mal

Airolo 6.4.25: Naturbelassene Pisten!

Beitrag von Seilbahnfan 05 »

Am letzten Tag der Skisaison in Airolo, schaffte ich es doch noch dem Gebiet einen Besuch abzustatten.
Etwa einmal pro Saison besuchte ich das nette Gebiet in den letzten Jahren.
Vor einigen Jahren ging es dem Gebiet Finanziell überhaupt nicht gut, denn der Kanton änderte seine Philosophie die heimischen Skigebiete zu subventionieren, nachdem über 80 Milionen darin verbraten wurden. Der Tiefpunkt war dabei, dass das Gebiet in der Saison 2009/10 geschlossen blieb.
Doch seither geht es bergauf, denn mittlerweile hat das Skigebiet im Tessin und auch nördlich des Gotthards einen guten Ruf. Deshalb ist man zurzeit auch dabei die Beschneiungsanlage auf nahezu alle Pisten, auszuweiten um die Schneesicherheit zu garantieren.

Vor allem zur Flucht vor schlechtem Wetter im Norden, ist das Gebiet hervorragend geeignet, doch auch sonst kommen vorallem Freunde von coupierten Pisten, coolen Seilbahnen und alpinem Flair kommen hier auf ihre Kosten.
Also los geht's mit der ersten Sektion Pendelbahn von vonRoll:
Screenshot_20250411_203416_Gallery.jpg
1996 erbaut als 100 PB, zeigte vonRoll ein letztes Mal wo die Reise im Pendelbahnbau hingeht. Nämlich zu offenen Kompaktstationen in möglichst standardisierter Bauweise. Auch die klappbaren Bahnsteige sind heutzutage vermehrt anzutreffen.
Für mich bestes Beispiel um zu beweisen wie wichtig vonRoll für den Seilbahnbau war.
20250406_085751.jpg
Nun folgt bereits ein Sprung in die 4KSB Ravina-Varozei. Da die zweite Sektion nur eine 40PB ist, muss man sich beim umsteigen etwas beeilen, falls man direkt in den oberen Sektor möchte.
20250406_094349.jpg
An der Bergstation der Sesselbahn ist es ziemlich windig.
Hier starten ausschliesslich schwarze Pisten. Leider sind diese nicht allzu gut präpariert. Allerdings sind die Verhältnisse aktuell nicht einfach, um einen Teppich präparieren zu können.
20250406_085529.jpg
Im unteren Bereich führt die Piste durch lichten Wald und schöne Couloirs.
20250406_085533.jpg
Einige Fahrten mache ich hier. Die 4KSB ist die Lebensader des Gebiets und erschliesst bei massig Schnee unzählige Pistenvarianten. 1996 von vonRoll erstellt, ist Sie eine von zwei Sesselbahnen aus der Baureihe "Quattro". Diese Baureihe zeichnet sich dadurch aus, dass es absolut keinen Schnickschnack gibt.
Alles was nicht unbedingt nötig ist, wurde hier weggelassen. Kompaktstationen mit Tunnelröhren, ein einziger Stationssteher, lotrecht gestellte Stützen und eine extrem vereinfachte Abspannung, zählen zu den Markenzeichen dieses Systems.
So konnten sich finanzschwache Skigebiete trotzdem die Vorteile der KSB gegenüber der SBF leisten.
20250406_114100.jpg
Zum Saisonende sind hier nur noch zwei Pisten offen. Es waren aber auch mal mehr, wie man im Gelände teilweise noch leicht sehen kann.
20250406_094850.jpg
Als nächstes geht es zum Skilift Cassinello. Der Lift scheint auf dem Pistenplan zwar etwas unnötig, er dient aber als wichtiger Rückbringer unterhalb des Sasso della Boggia, von wo aus die Abfahrt nach Pesciüm zu erreichen ist.
20250406_095254.jpg
Von dieser sieht man gut auf die einfache Mittelstation mitsamt einer gerade ausfahrenden Kabine der 40PB. Gefällt mir.
20250406_095242.jpg
20250406_095239.jpg
Nach einer kurzen Abfahrt vom Sasso della Boggia, bin ich schnell auf Pesciüm angelangt.
20250406_103313.jpg
Hier gibt es ebenfalls zwei Anlagen. Ein Skilift dient dabei als Übunglift.
Der andere Skilift Comascné von Habegger ist dagegen schon interessanter. Mit zwei Kurven und abwechslungsreicher Trassierung erschliesst er einige rote und schwarze Pisten, welche logischerweise naturbelassen und herrlich coupiert sind.
20250406_102909.jpg
20250406_103120.jpg
Vorallem die Hauptpiste mit breitem, flachen Beginn und Ende und dazwischen steileren, engeren Passagen macht viel Spass.
20250406_095245.jpg
Nach einigen Fahrten hier, geht es nochmal in den oberen Sektor.
20250406_112326.jpg
Die Pisten sind hier mittlerweile sulzig und durch den gar nicht mal so wenigen Andrang auch zerfahren. Der Andrang kommt wohl dadurch, dass im März/April Airolo im Tessin so etwas wie ein Monopol besitzt und auch aus dem Norden viele diesen Nordhang zu schätzen wissen.
20250406_112901.jpg
Blick zur geschlossenen Piste "la Doris". Eigentlich eine geniale Piste, aber es braucht sehr viel Schnee um sie zu öffnen.
20250406_093219.jpg
20250406_094352.jpg
20250406_112327.jpg
Weil die Pisten nun Mittags vorallem zuunterst auf Ravina sehr schnell schlecht werden, entscheide ich mich dazu den Skitag zu beenden.
Ich fahre jedoch nicht mit der Bahn ins Tal sondern wage, die aufgrund von Schneemangel gesperrte schwarze Talabfahrt.
20250406_115127.jpg
Dies tue ich, weil die Piste vor der Sonne geschützt im Wald liegt und vom Parkplatz aus, auch Skitourengeher hochgegangen sind.
20250406_115329.jpg
Aufgrund der ziemlich guten Schneelage in diesem Winter, waren sowohl die Abfahrt über Nante, als auch die direkte Variante, diese Saison ausergewöhnlich lange offen.
20250406_115759.jpg
Etwa in der Hälfte wirds ein erstes Mal knapp. Zum Glück ist kürzlich ein Pistenbully runtergefahren und hat dabei sogar noch einen Streifen präpariert.
20250406_115801.jpg
Schon bald muss ich trotzdem kurz Abschnallen.
20250406_120011.jpg
Allerdings geht es ebenso schnell wieder auf Schnee weiter.
20250406_120235.jpg
Und kurze Zeit später bin ich unten angelangt. Das ging doch ziemlich gut und macht aufjedenfall mehr Spass als mit der Bahn runterzufahren. VonRoll PB hin oder her.

Fazit:
Airolo entäuschte mich auch diesmal nicht. Die Abwechslung durch die unterschiedlichen Sektoren, Pisten und Bahnen, ist für so ein kleines Gebiet sehr respektabel, sodass die Zeit wie im Flug verging.
Bei diesem Besuch, aufgrund der teilweise schlechten Präparierung, etwas weniger schnell als üblicherweise.
Allerdings war ich noch nie so spät in der Saison in Airolo und auch Sulz habe ich dort auch noch nie gesehen :D .
Ich werde auf jeden Fall wiederkommen und gebe dem Tag solide 7/10 Punkte.

Benutzeravatar
bastian-m
Moderator
Beiträge: 1355
Registriert: 10.12.2008 - 11:10
Skitage 25/26: 0
Ski: ja
Snowboard: nein
Ort: Bochum Süd-Süd
Hat sich bedankt: 1528 Mal
Danksagung erhalten: 2235 Mal
Kontaktdaten:

Re: Airolo 6.4.25: Naturbelassene Pisten!

Beitrag von bastian-m »

Ich nehme mir jedes Mal bei der Passage auf der Autobahn vor, Airolo dann in jenem Winter endlich mal zu schaffen, bisher vergeblich. Danke für den Bericht und die neuerliche Motivation, es dann im kommenden Winter erneut anzupeilen.
↓ Mehr anzeigen... ↓
Benutzeravatar
Seilbahnfan 05
Großer Müggelberg (115m)
Beiträge: 418
Registriert: 18.09.2022 - 22:15
Skitage 25/26: 7
Ski: ja
Snowboard: nein
Hat sich bedankt: 632 Mal
Danksagung erhalten: 464 Mal

Re: Airolo 6.4.25: Naturbelassene Pisten!

Beitrag von Seilbahnfan 05 »

Danke!
So geht es mir und wahrscheinlich denn meisten anderen auch, bei Gebieten welche unmittelbar an vielbefahrenen Verkehrsachsen liegen. Man hat Sie eigentlich fest auf der Liste und doch dauert es häufig ziemlich lange bis man dann erstmals dort ist.

Aktuell sind die Gebiete die bei mir noch auf dieser Verkehrsachsen-Liste stehen:
Bergeralm, Oeschinen, Grüsch Danusa, Lauchernalp, Brambrüesch, Crevacol, Plose, Klösterle Sonnenkopf und Ski Arlberg.

Die Gebiete die ich auf meiner Liste bereits abhaken konnte sind:
Rosskopf Sterzing, Airolo, Aletsch Arena, Pila, Pizol, Flumserberg und Meiringen-Hasliberg.
Wenn es mir in diesen Gebieten beim Erstbesuch dann gefällt, so bin ich dann plötzlich doch fast jedes mal wenn es gerade auf dem Weg liegt dort anzutreffen :D .

Für Airolo solltest du dafür etwas flexibel sein. Das Gebiet kann seine Stärken nur bei Vollbetrieb ausspielen und dafür braucht es zumindest im Moment noch die gütige Mithilfe von Frau Holle.
Benutzeravatar
Christoph Lütz
Wurmberg (971m)
Beiträge: 1118
Registriert: 19.12.2005 - 10:30
Skitage 25/26: 0
Ski: ja
Snowboard: nein
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 61 Mal

Re: Airolo 6.4.25: Naturbelassene Pisten!

Beitrag von Christoph Lütz »

Seilbahnfan 05 hat geschrieben: 11.04.2025 - 20:50 1996 erbaut als 100 PB, zeigte vonRoll ein letztes Mal wo die Reise im Pendelbahnbau hingeht. Nämlich zu offenen Kompaktstationen in möglichst standardisierter Bauweise. Auch die klappbaren Bahnsteige sind heutzutage vermehrt anzutreffen.
Für mich bestes Beispiel um zu beweisen wie wichtig vonRoll für den Seilbahnbau war.
Von Roll hat ohne Zweifel mit seinen Entwicklungen den Seilbahnbau geprägt. In diesem Fall spielte aber Poma auch eine Rolle. Mir wurde damals aus Seilbahnerkreisen berichtet, dass die Pendelbahn in Airolo von Pomagalski projektiert, aber dann doch von Von Roll realisiert wurde. Es war die erste Pendelbahn mit offenen Stationen in der Schweiz. Das Bundesamt für Verkehr forderte aber damals noch eine Einhausung der Laufwerke in den Stationen zum Schutz des Personal gegen Witterungseinflüsse bei Wartungsarbeiten. Auch die Klapppodeste waren ursprünglich meines Wissens eine Erfindung von Poma, erstmals realisiert an der 150er PB Cime Caron in Val Thorens.
Benutzeravatar
Seilbahnfan 05
Großer Müggelberg (115m)
Beiträge: 418
Registriert: 18.09.2022 - 22:15
Skitage 25/26: 7
Ski: ja
Snowboard: nein
Hat sich bedankt: 632 Mal
Danksagung erhalten: 464 Mal

Re: Airolo 6.4.25: Naturbelassene Pisten!

Beitrag von Seilbahnfan 05 »

Du hast natürlich völlig recht, dass die Besonderheiten in Airolo dort nicht erstmalig realisiert wurden.
Allerdings kann es doch kein Zufall sein, dass ausgerechnet die letzte PB von vonRoll, die Eigenheiten besitzt, welche heutzutage eine moderne PB auszeichnen :D .
Doppelmayr-Garaventa brachte über 20 Jahre nach der PB in Airolo, die Peak-Line als ach so grosse Weltneuheit auf den Markt. Dabei würde ein Laie vermutlich keinen Unterschied zwischen der PB in Airolo und der Peak-Line bemerken.
Mit der letzten PB hat vonRoll noch einmal etwas realisiert was ausserhalb Frankreich, erst Jahrzehnte später zum Standard wird, dass ist schon etwas besonderes.

Das Poma die Bahn mal geplant hat, war mir jedoch nicht bewusst. Könnte es sein, dass vonRoll aufgrund der mageren Auftragslage damals, dann mit den Preis unten reingeschossen ist?
Und sich damit dann selbst ins Bein geschossen hat?
Antworten

Zurück zu „Schweiz“