18.2.2025
Eine Verbindung der Skigebiete See und Serfaus/Fiss/Ladis geistert seit sicherlich zwei Jahrzehnten immer mal wieder durch die örtliche Presse, Berichte dazu tauchten auch hier im Alpinforum im Thread zu den Infrastrukturellen Neuigkeiten auf. Soweit dort kolportiert wurde, liegen in den Schubladen ausgearbeitete Konzepte, wie eine solche Verbindung theoretisch aussehen könnte. Anders als man vielleicht denken könnte, wenn man mit der Versing-EUB bis zu deren Bergstation fährt und von dort das relativ kurze Stück in die Kübelgrubenscharte hinauf schaut, ist dies nicht dir einfachste und direkteste Verbindung der Gebiete. Mögliche Optionen von der Versing-Bahn aus werde ich gesondert beleuchten. Das ausgearbeitete Konzept sieht angeblich eine Verbindung über das Furglerjoch vor. Das ist bei Tourengehern recht beliebt und entsprach auch ungefähr den simplen Anforderungen meiner Frau "Für morgen nicht so viel Aufstieg, aber schön hoch und mehr Abfahrt und endlich schönen Schnee."
Die Bilder lassen sich durch Anklicken vergrößern. Wer sich für die Details der Verbindung interessiert, sollte sich das Material eher nicht auf dem Handy sondern mindestens am Tablet oder noch besser am PC anschauen.
Ausgangslage. Links das Skigebiet von See mit der im Winter 2022/23 eröffneten Furglerblick-EUB. Quert man von deren Bergstation ein klein wenig abwärts in das südwestliche Tal unterhalb des Furgler, erreicht man an dessen Nordlanke nach ein paar hunder Höhenmetern Aufstieg das 2748m hoch gelegene Furglerjoch. Von dort geht es abwärts Richtung Osten durch ein schmales Tal, vorbei am kleinen Furglersee und weiter bis man auf den Auslauf der Piste von der Oberen Scheid stößt.
(c) by GoogleEarth
Übersicht Skigebiet See mit unserer Aufstiegsroute zum Furglerjoch.
(c) by GoogleEarth
Detailansicht. Das Luftbild ist aus dem Sommer 2022, der Ziehweg links ist die Baustraße und zukünftige blaue Abfahrt zur Bergstation der sich da gerade in Bau befindlichen EUB Furglerblick. Ich habe die Aufzeichnung unserer Tour mit dem Aufziehen der Steigfelle begonnen. Bei Betrachtung der Luftbilder fragt man sich vielleicht, warum wir von der EUB so weit abgefahren sind und nicht weiter oben rübergequert haben. Das ist ein schönes Beispiel, warum man die Frage nach der Befahrbarkeit von freiem Skigelände nicht mit Google Earth beantworten sollte. Nicht oder nur extrem fahrbare Passagen werden hier regelhaft völlig unterschätzt. Ich zeige später ein Foto zu der Ecke.
Ein Schwenk rüber nach Serfaus: Überblick mit dem Serfauser Dorf und dem Bereich Komperdell/Scheid.
Detailansicht Furgler/Furglerjoch, links vorgelagert davon Obere Scheid, Scheid und Lazid.
Da meine Schwester mit Anhang in Ladis weilte, hatten T und ich für unsere Tourenwoche im fast schon Anti-Touren-Hotspot "Tiroler Oberland" in Fliess Quartier bezogen. Wir sind morgens gemütlich nach See gefahren. Es gibt ein auf der Homepage nicht ausgewiesene Tourengeher-Ticket mit wie bei diesen Karten leider üblich, sehr mäßigem Preis-Leistungs-Verhältnis. Damit ist einmalig die Bergfahrt entweder bis zur EUB Furglerblick oder Versing möglich und kostet stolze 35€. Das Fußgänger/Rodler-Ticket darf man explizit nicht benutzen, wenn auch noch Ski dabei hat. Egal, heute haben wir halt eine Mission. Unten am Parkplatz ist es im Schatten noch recht zapfig.
Nach der Auffahrt mit der mittlerweile auch schon etwas gammelig wirkenden Wopfner-EUB Medrigjochbahn an der Talstation der Zeinisbahn. Eine der in Österreich seltenen Vertreterinnen aus der Gattung 6er KSB ohne Haube.
Nach der Auffahrt mit der Furglerblick-EUB und kurzer Abfahrt ungefähr bis dorthin, wo die Piste eher zum Ziehweg wird. Das hier sichtbare verspurte Gelände bringt keinen Vorteil um weiter hinten ins Tal Richtung Furgler (das ist jener Gipfel im Hintergrund unter Sonne) zu kommen. Die einzelnen querenden Spuren oben am Hang mussten später aufgeben, dazu kommt später ien Bild. Das Furglerjoch befindet sich nun links vom furgler gerade knapp nicht sichtbar hinten in dem Hochtal.
Von unserem Anfallplatz sieht man das Furglerjoch dann schon in der Ferne. Die zu überwindenden Höhenmeter sind seeeehr überschaubar, die Frau freut sich über den Ruhetag und die verheißungsvolle Landschaft.
Im Zoom der Furgler und links das besagte Joch. Von dort aus ist bei guten Verhältnissen auch ein durchaus mit ein paar Schlüsselstellen versehener Aufstieg zum Gipfel mit Ski möglich.
Blick das lange Tal (es müsste Istalanztal heißen) hinab. Käme man von Serfaus aus hier nach See abgefahren, wäre ohne eine weitere Aufstiegsanlage keine richtige Querung möglich, man kann nur weiter abfahren bis man auf die Talabfahrt nach See trifft.
Wir kommen recht gemütlich die Aufstiegsspur in einem Bogen von links herum.
Ohne Zoom wird die noch zu überbrückende Distanz etwas klarer.
Das Gelände für die Abfahrt Richtung See ist hier ideal. Heutzutage würde sowas natürlich nicht ohne Bulldozer gehen, aber es bräuchte zumindest kein Dynamit.
Das letzte Drittel hinauf wird dann etwas steiler.
Im Rückblick im Zoom. Rot umkreist der Ziehweg von der Furglerblick-EUB. Wollte man eine durchgängige EUB quer das Tal hinauf zum Furglerjoch bauen, müsste man sie ungefähr an unseren Anfell-Platz bauen. Hier sieht man, dass eine direkte Achse in Verlängerung von der Bergstation der bestehenden EUB eher nicht in Frage kommt oder sehr ausgesetzt verlaufen würde. Hier sieht man jetzt auch, warum man von der Bergstation auf Ski nicht direkt queren kann, dann steht man nämlich oberhalb jener Felsklippe rechts der roten Ellipse.
Hier wäre sie dann wohl hinplaniert worden, die Verbindungspiste hinab nach See.
Das letzte Stück zum Joch ist bei der mäßigen Schneelage dieses Winters felsig und ein bisschen abgeweht, Eine Hand voll Spitzkehren und dann ist man oben. T schlägt sich mit ihrem Splitboard ganz tapfer.
Da hätte man sicherlich eine Abfahrt anlegen können, wenn auch mit deutlich mehr Geländemodellierung.
Die letzten Meter - hier im Windkanal ist es trotz Sonne recht frisch geworden.
Rückblick vom Joch nach See. Rot markiert wieder der Ziehweg von der Furglerblick-EUB.
Nach links geht es hinab Richtung Serfaus. Die durch den Steilhang fast waagerecht querende Spur ist der Standardaufstieg bis zum Furgler-Gipfel. Steht auch auf der Liste, aber irgendwann mal bei mehr Schnee.
Blick Richtung Serfaus. Hier, nur fünf schritte jenseits des Jochs, wird es im Windschatten und in der Sonne direkt warm. Ein idealer Platz, um T's zwei skiähnlichen Splitboard-Hälften die Metamorphose zum Snowboard vollführen zu lassen.
Rot umkreist die Bergstation der diesen Sommer zum Ersatz anstehenden Planseggbahn. Die vor uns liegende Abfahrt frohlockt mit dem aktuell seltenen Pulverschnee.
Von Serfauser Seite waren zwei Touristen mit einheimischem Führer und erstaunlich kleinem Hund (der nicht getragen wurde) aufgestiegen.
Wundervolle erste Schwünge in ebenfalls gelälligem, schön kuppiertem Gelände. Planseggbahn wieder mit rotem Kreis.
LWS 1 heißt nicht "Keine Gefahr", aber man kann heute relativ sicher viele Rinnen ausnutzen.
Rückblick hinauf zum Joch. Hier gilt das selbe: Man könnte wohl ohne Dynamit eine schöne Piste hineinmodellieren.
Rückblick vom Ende des zugeschneiten Furglersees. Links Furgler-Gipfel, rechts das Joch.
Rechts um diese Schulter herum werden wir nach einer letzten Abfahrt auf die Piste von der oberen Scheid stoßen und dann geht es hinab ins Laustal. Rot wieder die Plansegg-Bergstation, Grün die Laustal-SB Talstation.
Ab hinab in den Zirkus.
Rechts die Obere Scheid, weiter links Scheid. Links am Bildrand die Bergstation der Lazid-EUB.
Etwas andere Perspektive - ebenfalls Laustal, Lazid, Scheid und Obere Scheid.
Die letzten Meter im Laustal.
Da wir ja keinen Skipass haben, will ich an der Laustalbahn den Liftler nett fragen, ob er uns hoch lässt, damit wir das kurze Stück zum Komperdell nicht laufen müssen - aber es gibt gar keine Zugangskontrolle. Auf Komperdell frage ich nach, ob man irgendwo hier oben noch einen Skipass kaufen kann oder wir bis ins Tal abfahren müssen. Uns bleibt nur die Abfahrt. Es ist 13 Uhr, also treffen wir uns erstmal mit meiner Schwester auf Komperdell zum Mittagessen und fahren dann nach Serfaus ab. Um 13:51 Uhr schickt mich die nette Dame an der Skipasskasse noch einmal im Kreis spazieren, denn ab 13:55 gestattet ihr der Computer das Ausstellen der 14:00 Uhr-Karte. Auch die ist mit 40€ jetzt nicht gerade als Schnäppchen zu bezeichnen. Erinnert man sich jetzt an die 35€ für das Tourengeher-Ticket in See macht das in Summe für den Tag ... ah, vergiss es. Einfach nicht drüber nachdenken.
Der Tag war auch ohne Gipfelhighlight großartig, das muss reichen.
Ohne irgendwas aktuelles zu dem Verbindungs-Konzept zu wissen, sage ich jetzt mal aus dem Bauch raus: In den nächsten 20 Jahren geht das keine Bahn drüber.
Ich persönlich habe gegen Verbindungsneubauten in der Regel nichts, seitdem ich nur noch wenig Piste fahre, macht es mich allerdings auch nicht traurig, wenn sie nicht gebaut werden. Manche Ecken behalten dann eben doch ihre Stille und den besonderen Moment, wenn man mit Muskelkraft dort hindurchschreitet. Ist nicht für jeden eine Option, aber wer es für sich entdeckt hat, kommt meistens nicht mehr davon los, so lange einen die Beine noch tragen.
Ich werde die beiden alternativen Verbindungsoptionen später kurz in einem Folgepost darlegen.