Ein Video über einen Streit auf dem Großglockner sorgt für Aufregung. Zu sehen ist ein polnischer Bergsteiger, der von einem Bergführer aus Salzburg an einer engen, ausgesetzten Stelle auf dem Weg zum Großglockner attackiert wird.
Egal wie langsam eine vorausgehende Seilschaft geht, ein solches Verhalten ist am Berg m. M. n. absolut unangebracht. Insbesondere als Bergführer, der ja auch eine gewisse Vorbildfunktion für die Tourteilnehmer hat. An deren Stelle wäre ich mir nicht sicher, ob ich dem Bergführer weiterhin mein Vertrauen schenken würde. Wenn jemand in solch einer Situation derart unpassend reagiert, möchte ich nicht wissen, was passiert, wenn es wirklich einmal brenzlig wird.
Beim Lesen der Überschrift habe mir noch spontan gedacht: 'Kein Grund zur Aufregung. Am Berg kann die Ausdrucksweise in bestimmten Situationen schon einmal etwas rauher werden.'
Aber wenn man das Video anschaut, ist jede Empörung über das Verhalten des Bergführers gerechtfertigt. Man kann nur hoffen, dass diesem Mann in Zukunft keine Bergsteiger mehr anvertraut werden.
Genauso ging es mir auch und ich war schon aus Prinzip auf der Seite des Bergführers. Vor allem hatte ich vor dem längeren, beim ORF eingebundenen Video nur eine stark verkürzte Version gesehen, die viel mehr Raum für Spekulation ließ.
Man sieht immer noch nicht die ganze Geschichte und ich kann mir immer noch ein paar Gründe vorstellen, weshalb er die beiden jetzt wirklich ak’rat in diesem Moment überholen wollte, aber das freundliche Servus am Anfang deutet eigentlich nicht darauf hin, dass es zwischen den beiden Gruppen eine Vorgeschichte gegeben hätte. So oder so ist sein Verhalten weder alpinistisch noch menschlich in Ordnung, unabhängig von der Wortwahl des Polen, der sich ja auch nicht gerade zurücknimmt.
Leider verstehe ich den Austausch nicht, der zwischen der Polin und dem zweiten Gast kurz vor Schluss stattfindet. Der scheint ja entschuldigend zu sein.
Wie gefährlich die Situation am betroffenen Ort ist kann ich nicht beurteilen. Aber es sah jetzt nicht so aus als wäre dort ein Überholen völlig unmöglich gewesen?
Aber die Eskalation hat ja erst begonnen nachdem der Pole dem überholenden Bergführer zu verstehen gegeben hat, dass er eigentlich an der Reihe ist.
Das soll keine Entschuldigung für das Verhalten des Bergführers sein. Aber manchmal ist es einfach besser die Schnauze zu halten, auch wenn man eigentlich im Recht ist.
TPD hat geschrieben: 29.08.2026 - 11:09Aber es sah jetzt nicht so aus als wäre dort ein Überholen völlig unmöglich gewesen?
Ich bin den Weg dort einmal gegangen, "kennen" ist daher vielleicht überzogen, aber die Einschätzung der Gesamtschwierigkeit trau ich mir schon zu.
Dort laufen Menschen in Turnschuhen und kurzen Hosen, Gerrit Glomser hat dort einmal sein Rennrad hochgetragen.
Das Verhalten des Polen ist aufs Autofahren umgelegt so, wie wenn jemand 60 kmh fährt auf der ersten Spur und sich dann darüber aufregt wenn jemand mit 130 auf der dritten Spur überholt und ihm dann auch noch ein bist du verrückt nachwirft.
Die Reaktion vom Bergführer ist natürlich völlig überzogen, aber da war nullnix gefährlich und der Pole hätte einfach den Schlapfen halten sollen.
Wenn ich lese was da jetzt ausgelöst wird in den Medien... dramatische Szenen... Mordversuch... Anzeige, Staatsanwaltschaft komm ich aus dem Kopfschütteln nicht heraus.
Geh bitte, der Pole hat ganz ruhig gesagt, dass er zuerst gehen will, hinter seiner Partnerin. Der andere Trottel ist dann unflätig geworden, die weiteren, rein verbalen, Auswürfe des Polen waren nur eine Reaktion. Handgreiflich ist auch nur einer geworden.
Die Szene ist wohl skurril. Wie der Bergführer mit seinen Klienten wie eine stille Dampfwalze an dem Paar vorbeizieht, ist wohl übliche Bergführerkultur an internationalen Modebergen.
Nach dem
„Hey, ich denke, ich gehe zuerst … hey, ich gehe zuerst“ vom Polen
kam vom Bergführer zunächst ein „Na, na“,
und darauf vom Polen im lauten Ton: „Hey, hey, bist du verrückt oder was?“
Und erst dann vom Bergführer, überaus gereizt: „Ich bin Bergführer, halt dein Maul.“
Danach ist die Sache vollends entgleist. Der Pole dann:
„Hey, halt's Maul, sch****egal, ob du Bergführer bist …“
Beide waren gestresst: die zwei Polen aus Überforderung an der objektiv unkritischen Stelle, die der Frau noch dazu ein sicheres Einhängen ihres Klettersteigsets ermöglichte. Der Bergführer war gestresst, vielleicht auch, weil die unendliche Abfolge an sehr langsamen, unerfahrenen Bergsteigern an diesem Modeberg in der Tat psychisch eine Belastung darstellt.
Der Unterschied ist eben, dass bei Berganfängern Nervosität und leicht triggerbare Aufregung erwartbar und üblich sind. Wohingegen der Bergführer damit umzugehen hat, er seine Emotionen am Berg zu kontrollieren hat (auch zur Wahrung des Rollenbildes ggÜ. den eigenen Klienten).
Vielleicht ähnlich, wie von einem Fahrer eines Linienbusses ein anderes psychisches Gerüst erwartet werden muss als von x-beliebigen Automobilisten.
Wohl deshalb gibt es an manchen Bergen, wie dem Matterhorn ab der Hörnlihütte z. B., das strenge Regime, wonach morgens zuerst die Bergführerpartien zum Gipfel aufbrechen und erst dann die restlichen Modealpinisten. Um die Belastung für alle Beteiligten gering zu halten.
Langsame Seilschaften, die noch dazu „nicht überholen lassen“, sind ein Ärgernis, das auf die Dauer viel Spaß nimmt. Es sind ja oft Dutzende Seilschaften unterwegs, die sich an schwierigeren Stellen aufstauen. Man muss dann lange warten, oft in wenig bequemer Position, und unweigerlich den anderen zusehen, wie diese an Kletterstellen ewig herumelaborieren, wo man selbst in ein paar Sekunden drüber hinweg wäre.
In Analogie: Stellt euch vor, ihr steht als Autolenker hinter einigen Autos vor der roten Ampel, und bei Grün fahren die vorne nicht weiter oder nur ewig langsam, lassen den Motor absterben, Grünphase nach Grünphase vergeht … Das fühlt sich dann schon speziell an …
Wie dem auch sei. Die Szenerie ist bestes Medienfutter; man mag sich gerne echauffieren, je nach persönlichen Erfahrungen und Neigungen …
Eines fehlt mir in den Videoschilderungen jedoch: Sofern es stimmt, dass die Szene sich am Abstieg abspielte, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass die beiden Kontrahenten sich bereits beim Aufstieg getriggert haben. Deren dünnes Nervenkostüm mag bereits belastet gewesen sein …
Kris hat geschrieben: 29.08.2026 - 16:48
morgens zuerst die Bergführerpartien zum Gipfel aufbrechen und erst dann die restlichen Modealpinisten.
Apropos Modealpinisten...
Alex Honnold wurde vor kurzem auf dem Matterhorn angetroffen, in Wanderausrüstung
Er hat dann danach zugegeben, dass er das vielleicht etwas unterschätzt hat.
Kris hat geschrieben: 29.08.2026 - 16:48
Beide waren gestresst: die zwei Polen aus Überforderung an der objektiv unkritischen Stelle, die der Frau noch dazu ein sicheres Einhängen ihres Klettersteigsets ermöglichte. Der Bergführer war gestresst, vielleicht auch, weil die unendliche Abfolge an sehr langsamen, unerfahrenen Bergsteigern an diesem Modeberg in der Tat psychisch eine Belastung darstellt.
Warum muss man dann unbedingt auf einen Modeberg, wenn man viele Bergsteiger und mögliche Staus an manchen Stellen als psychische Belastung empfindet ?
Genau das war auch mein Gedanke dazu. Gerade als Ortskundiger weißt du doch, was es wahrscheinlich nach sich zieht bei der Routenwahl mit Wartezeit usw. Vielleicht wurde er auch explizit dafür gebucht, weil genau das jemand gehen wollte und sich alleine nicht zutraut. Für jamanden mit hochalpinistischer Ausbildung vielleicht extrem langweilig und frustrierend, aber dann ist er in dem Job an der Stelle halt falsch.
Der geschäftsmaßige Hauptkooperationspartner des Bergführers hat nach Sichtung des Videomaterials ja bereits Konsequenzen gezogen und die Zusammenarbeit beendet.
Der Vergleich mit der Schnarchnase im Straßenverkehr hinkt übrigens. Wenn jemand auf sehr gut ausgebauter Landstraße bei besten Fahrbedingungen 20km/h unter Höchstgeschwindigkeit fährt, ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit Unaufmerksamkeit, Träumerei etc. Der Anfänger am Berg kann im Klettersteig an dieser Stelle im Rahmen seiner Möglichkeiten dann halt nur ein Drittel so schnell wie der erfahrene Trainierte.
Sebastian hat ein Video gemacht, wenn auch 43 Minuten lang. Und er ist übrigens Österreicher, auch wenn man es nicht gleich hört Etwas mehr Kommunikation vom Bergführer hätte geholfen, dann immer gleich Handgreiflich werden ist keine Lösung.