Ein Saisonabschluss ist das gewesen – da verzichtete ich fast schon gerne auf einen weiteren Tag, nur um diesen perfekten Ausklang der Saison 2012/13 als Traumfinale stehen zu lassen.
Der Kaunertaler Gletscher – irgendwie schon verrückt, einfach ganz weit hinten auf 2.700 Metern Höhe ein Skigebiet zu platzieren, das nur über eine Höhenstrasse erreichbar ist. Dazu die schmale Passage entlang am leeren Stausee, dessen Grund in der Tiefe direkt neben der Strasse liegt...
Aber gleichzeitig hat das auch wieder was, wie ich finde. Das trägt sicherlich zum Reiz jenes Areals bei und würde man direkt von der Bundesstrasse zum Reschenpass in einer Seilbahn hinauffahren können, wäre das sicherlich dahin.
Morgens startete ich in Landeck, wo ich mir ein Zimmer genommen hatte und war gespannt wie vor jedem Erstbesuch eines neuen Gebiets. Die Anfahrt war krimineller, als ich erwartet hatte – es zieht sich wirklich endlos lange hin, bis man endlich sein Ziel erreicht. Wenigstens muss man nicht wie bis vor gut 20 Jahren bis ganz hinauf tuckern und so stellte ich das Auto an der Talstation der Ochsenalmbahn ab.
In der Früh ging es über den wegen eines Rennens gut besuchten Nörderjochlift 1 gleich zum 2er, wo fast nichts los gewesen ist.
Eine dünne Wolkenschicht verdeckte am Morgen jenes 14. April 2013 noch die Sonne. Doch die sollte sich bald und endgültig durchsetzen...
Dann zur Hauptanlage, den beiden 2.000 m langen Weisseefernerliften. Der von hier aus links gelegene war 1980 wohl die erste Anlage im Gebiet, 1998 kam der rechte hinzu.
(Gab es dann 1980 nur diesen einen langen Schlepper dort oben?)
Eines der besten Schleppersteilstücke, das ich kenne. Mit ein Grund, mal dieses abgelegene Gebiet zu besuchen.
Später im Nachbarlift...
Da zieht es einen wirklich wurmkogelmäßig hinauf.
Vormittagsstimmung...
Dann zum 500m – Wopfner Falginlift, der kaum besucht wurde und recht langsam fuhr.
Zoom vom Ausstieg aus zum Steilstück der Weisseefernerlifte. Von der Seite aus betrachtet sieht das schon lange nicht mehr so steil aus wie von vorn.
Hier von der Talstation aus gezoomt.
Zur gleichen Zeit etwa wurde auch ich gebaut
Nun – am späten Vormittag war die Sonne da und es wurde wettermäßig ein Traumtag!
Zoom zum ewigen Eis...
Sonne – ein rares Gut anno 2013....
Am Nörderjoch 1 fand vormittags irgendein Rennen statt, aber nachmittags war es auch hier ruhig. Am meisten fuhren die Leute bei der EUB oben, wie mir schien.
Abfahrt zur Ochsenalmbahn...
Die unteren 1.300 Meter wurden 1994 erbaut, die oberen 1.400 m nach der Mittelstation schon 1991. Kenne ich sonst nirgends...
Ein Bilderbuchsonntag einfach...
Windumtoster Gipfel...
Nur wenige stiegen hier zu, warum auch?
Interessant, wo sich überall welche hinunter trauten. Teilweise konnte ich es kaum glauben...
Da war es beim Nörderjochlift 2 gleich viel leerer.
Das Standart-LSAP-Bild hier oben: Dort ist irgendwo der Nörderjochlift III verlaufen...
Schon beeindruckend. Ob des den Guten in 10 Jahren auch noch gibt? Dieser kalte, dunkle Winter und das ausgefallene Frühjahr haben den Gletschern doch sicherlich eine gute Verschnaufpause eingebracht, denke ich mir...
Wieder bei den Weisseebrüdern...
Seitenblick...
An der Bergstation der EUB genoss ich noch den guten Ausblick Richtung Südtirol. Leider war es aufgrund der Sonne in den Kabinen unangenehm warm – aber die Piste entschädigte später hierfür. Leider zerbröselte es am Nachmittag dort jemand und der Helikopter musste kommen.
Leider noch nicht geschafft: Maseben mit seinem Schlepper. Lt. den um mich herumstehenden Leuten sollte das aber Nauders sein, „ein ganz hübscher Ort ist das“... „Aber hat das da nur den einen ollen Ankerlift?“ Ich zoomte indes und hoffte, es wenigstens 2013/14 nach „Nauders“ zu schaffen
Ein paar Snowboarder auf der anderen Seite neben mir träumten indes laut, hier hinunter zu fahren. Aber ob das so eine gute Idee ist?
Zoom zum Reschensee, oder?
Am frühen Nachmittag gönnte ich mir Pommes und ein Bier an der Talstation der 4KSB. Mittlerweile stand übrigens überall angeschrieben, dass die Zufahrtsstrasse wegen Lawinensprengarbeiten gesperrt sei. Bis 18 Uhr in etwa war geplant, sie wieder zu eröffnen und bis dahin sollten die Lifte auch laufen. Es sollte noch ein sehr langer Nachmittag werden, der aber trotzdem irgendwie wieder viel zu schnell verging...
Nun waren wir Skifahrer dort oben nun von der Außenwelt abgeschnitten...
Aber bei den Wetter- und Pistenbedingungen wirklich kein Problem!
Zeitweise hatten hier die Leute in der Sonne kampiert, ihre Stühle und Tische aufgebaut...
Nachmittags dann noch einmal ganz allein im Falginlift.
….und auch wieder in einem der Weisseefernerschlepper...
Wieder mal ein Blick zurück in den Steilhang.
Ob der guten Pistenverhältnisse waren die seltenen Fotostopps ganz willkommen
Am Nörderjochlift 2 wurde es dann zusehends weich, so dass ich eher bei den Weisseefernerliften oder der Ochsenalmbahn blieb.
Und da war ich schon wieder drüben...
Die Pisten leerten sich gegen vier, fünf Uhr immer mehr, die Sonne wanderte unaufhörlich den Westhimmel hinab und der Pistenspaß kannte keine Grenzen....
Es kam mir vor, als träumte ich. War das wirklich wahr? Fasst leere Pisten, bester Schnee, ein wolkenfreier Himmel und Skifahren bis zum Sonnenuntergang irgendwo ganz hinten oben auf einem Gletscher an der Grenze zu Südtirol, abgeschnitten von der Außenwelt...
Und wieder rein in die 4KSB, in der man die Beine ein wenig ausruhen und gleichzeitig die schönen Ausblicke genießen konnte.
Ich wunderte mich, dass nicht noch mehr Leute weiter Ski fuhren. Wo waren sie nur alle abgeblieben? Hatten sich manche vielleicht zu Fuß davon gestohlen oder sich an die Kufen des Rettungshubschraubers festgekrallt? Sicherlich saßen etliche im Gletscherrestaurant oben und warteten ungeduldig aufs Öffnen der Strasse. Etliche schienen sich auch schon eine gute Startposition fürs „Wer ist zuerst in Landeck?“-Rennen sichern zu wollen, denn einige Autos fuhren bereits dann zur 4KSB hinab und stauten sich vor der Sperre auf. Na, ich fuhr da lieber noch fünf, sechs, sieben Mal hinauf....[Bild übrigens um kurz vor 17 Uhr geknipst...]
Den linken Lift hatten sie bereits ausgeschalten – ebenso den Falginlift. Die anderen Anlagen liefen noch.
17:12 Uhr !
Der Liftler hatte auch schon Feierabend gemacht...
Was soll man da noch sagen? Es war wie Weihnachten zu Kinderzeiten. Ich war direkt dankbar für die Straßensperre...
Während sich viele sicherlich viele bereits einen Stress machten und sich Stoßstange an Stoßstange vor der Straßensperre aufreihten, dicht auffuhren oder hupten, genoss ich zusammen mit ein paar übrig Gebliebenen diesen traumhaften Frühlingsabend.
Der Schatten breitete sich unaufhörlich auf und ich bangte, jede Schlepperfahrt könnte die letzte sein. Mittlerweile wurden bereits die Gondeln der EUB eingeholt und alle anderen Lifte incl. 4KSB standen still. Doch der alte Weisseefernerlift schepperte einfach weiter und so ging es immer wieder hinauf...
18:04 Uhr immerhin...
18:14 Uhr...
Der Schnee war mittlerweile wieder schön griffig geworden und trotz schwerer Beine – den Tag zuvor war ich in Galtür ja schon viel gefahren – konnte ich nicht genug bekommen. Sucht eben...
18:21 Uhr
Schlepperstütze im Abendlicht...
Mein letzter verbliebener Mitstreiter fuhr noch einmal mit dem Weisseefernerlift hinauf, doch ich beschloss, nun endlich doch Feierabend zu machen. Mittlerweile waren oben auch fast gar keine Autos mehr. Ich legte bei der letzten Abfahrt viele Fotostopps ein und ließ mir Zeit. Es war auch einfach herrlich – die Sonne schien noch ein bisserl, von der nächtlichen Kälte war noch nichts zu verspüren und der montagliche Alltag lag Lichtjahre entfernt...
18:33 Uhr...
Ein Traum neigt sich dem Ende zu...
Bei Vollmond hätte ich nach einer Pause sicherlich noch eine Nachtschicht einlegen können. Das wäre auch noch was da oben...
An der 4KSB stand ich in der Sonne – weiter unten war nur noch Schatten und ich genoss die letzten Strahlen des Tages. Doch ein Knacken weckte mich aus meinen Träumen und ich fuhr mit der Kamera in der Hand ein Stück vom Pistenrand weg. Gut – ich wäre eh nicht getroffen geworden – aber nacheinander gingen hinter mir nun einige Nassschneelawinen runter. Ich war zu diesem Zeitpunkt völlig allein, außer den Lawinen war nichts zu hören. Ein schönen Schauspiel – aus der Ferne betrachtet immerhin...
Zoom zur nun mehr geöffneten Straße – ich konnte mir noch ruhig Zeit lassen...
Auf dem Rückweg ging es zuerst gut voran und ich war noch vollkommen im siebten Himmel ob der schönen Gletscher-Überstunden. Doch weiter unten wurde es dann auf einmal brenzlig – Tauwasser hatte wieder in der abendlichen Kälte angezogen und die Strasse wurde glatt. Das schien den BMW hinter mir nicht zu stören und er fuhr auf, hupte und führte sich auf.
Man musste zwischendrin sogar eine Stelle passieren, wo links und rechts hohe Schneewände aufragten – man hatte einfach mitten durch die abgegangene Lawine einen provisorischen Weg gegraben. Vorsichtig rutschte ich auf meinen wenigstens neuen Winterreifen durch und war froh, noch nicht beim Radwechsel gewesen zu sein.
Auf einer ungeteerten Holperstrecke wurde man – als wäre das Bisherige noch nicht genug gewesen – dann durch den ausgelassenen Stausee umgeleitet. Vor einer leichten Steigung hatte es ziemlichen Matsch und ich bangte, stecken zu bleiben. Doch irgendwie schaffte ich es. Im Tal unten sollten wir dann auch noch über eine schlammige Wiese und eine mickrige Holzbrücke umgeleitet werden, weil auch hier eine Lawine die Strasse versperrte – doch da konnte mich schon nichts mehr Schocken. Erst ein Kolonnenspringer vermochte dies, der vor einem kurvigen Waldstück alle Wagen überholte und gar nicht mehr zu wissen schien, dass Tirol nicht England ist....
Hier der Blick nach oben - die Umleitung durch den leeren See war durchaus berechtigt – am Morgen war es noch oben auf der schmalen Strasse in Richtung Gletscher gegangen.
So hat die Skisaison 2012/13 nun ihr Ende gefunden und meine Wanderstiefel dürfen wieder Berge erklimmen und Schleppliftrassen ablaufen.