Normalerweise poste ich ja immer wieder ein paar Bilder vom jeweiligen Tagesgeschehen am Golm, schreibe aber keine Berichte mehr in der "klassischen" Form. Alles schon zu oft geschrieben, zu oft fotografiert, zu oft jemand anderem als "toll" versucht zu verkaufen.
Heute war dann tatsächlich auch wieder so ein Tag. Mit der Gondel hoch, schönes Wetter, blauer Himmel, alles "wie immer". Bis wir dann irgendwann auch nach der x-ten Befahrung der Skiroute Schwarze Wand, der Diaboloabfahrt und dem durchziehen der Talabfahrt von ganz oben bis ganz unten eine irgendwie überraschende Feststellung machten:
Die Skiroute ins Gauertal ist offen.
Gut - fahren wir die mal. Immer wieder viele beeindruckende Impressionen aus der Landschaft da hinten und auch immer wieder toll der Wechsel zwischen Hochalpen, Waldwegen und der Durchfahrung des Gauertal unten. Irgendwann fiel mir dann auf, dass ich gefühlt von da hinten und von dieser genialen Skiroute noch gar keine Berichte oder zumindest viele Bilder gesehen oder gepostet habe. Ergo blieb wohl nichts anderes übrig, als die Kamera auszupacken und die Skiroute mal fotografisch festhalten.
Kurz vorab: Es hatte sicherlich heute sehr gute Bedingungen, durch den Regen die letzten Tage ist der Untergrund fein hart mit einer (unten) geringen Neuschneeauflage. Sicher kein Powdertraum aber ein wirklich gutes Erlebnis - wer derzeit dort ist sollte die Chance nutzen dieses kleine Juwel am Golm mitzunehmen...
Steigen wir also ein und fahren gemeinsam mal diese - wie ein bekannter ehemaliger sagen würde - Hintenrumabfahrt von der Bergstation der Rätikonbahn bis zur Mittelstation Latschau ab. Viel Spass beim anschauen der Bilder. Achso: Sorry, falls ich jetzt hier aus dem oftmals gepriesenen Geheimtipp ein bisschen den Nebel lichte...
los gehts. An der Bergstation der Rätikonbahn stehen diverse Infotafeln, insbesondere zur Wildschutzzone:
die ersten Meter den Hang querend in Richtung Rätikon...
... bevor die Route wieder nach links wegtaucht und sozusagen "nach vorne" Richtung Latschau geht. oben linst noch die Bergstation der Rätikonbahn raus.
den Blick an der Route enlang wieder eher "Talauswärts". Da unten geht es nachher in einen kleinen Tobel auf ausgefahrenen Wegen. Die Schlüsselstelle sozusagen. Doch davor genießen wir das Panorama und die weiten Hänge:
Die Spuren, die man da hinten sieht sind übrigens "streng" genommen im Ruhegebiet. Oberhalb des Waldes ist man i.d.R. noch tolerant. wer innerhalb des Ronawaldes abbiegt muss damit rechnen dass es teuer wird...
weiter gehts. da hinten am Waldrand bzw. den ersten Bäumen in den schattigen Tobel gehts runter.
geradeaus runter und dann nähern wir uns der Baumgrenze...
macht Spass hier oben!
und ab ... wenn man genau hinschaut sieht man die ausgefahrene Rinne der man ab hier eigentlich folgen kann. Bobbahn sozusagen
immer wieder weitet sich die Abfahrt hier noch, ist jedoch tatsächlich nicht zu unterschätzen, da (wie auch hier links im Bild) viele Sharks, in diesem Fall nicht Original sondern in Wurzelform, aus dem Untergrund rausschauen.
und immer wieder geht der Blick zurück
ab hier wirds dann spannender. ausgefahrene Rinnen durch den Wald, allesamt gut beschildert, vorbei an jagdlichen Einrichtungen. Oder jagt man hier Falschfahrer ?
selbst wenn man wollte: Präparieren ist hier nicht - zumindest nicht ohne großzügige Rodungen:
und dann das. mitten im Wald kommt man auf einen Fahrweg, der sogar mit Netz abgesichert ist. Für ein kurzes Stück folgt man diesem präparierten Weg auf unzähligen Serpentinen durch den Ronawald
sehr entschleunigt und im Gegensatz zum oberen Stück erholsam, fast schon meditativ kann man durch den Wald gleiten und immer wieder die verschiedenen Blickwinkel genießen. die folgenden Bilder lasse ich mal unkommentiert für sich sprechen:
und alle, die dachten "ha, jetzt haben wirs, entspannt, präpariert, erholsam sei gesagt: der Rübenacker kommt noch. Auf einmal ein Wegweiser "links weg" und zack, stehst du wieder mitten im Acker. Hier unten dann schon spannender zu fahren als oben, weil man auf Gebüsch, Sträucher etc. gut acht geben sollte:
ja, das ist die offizielle Route. Rechts, links, rechts. mitten durch die Büsche. Macht Spass und ist - soll ichs sagen "retro" oder "urig"
auch im weiteren Verlauf. keine Falllinie, einfach irgendwo "Ab durch die Hecke"
auch das Stück ist "geschafft". Ein Blick noch zurück, ganz hinten oben erkennt man die knapp 1000 HM höhere Rätikonbahn, welche einen zum Ausgangspunkt der Skiroute bringt:
... und schon sind wir mitten in der Maisäß (wenn man die Häuser da hinten noch so nennen darf, eigentlich sind das ja schon "Chalets") Landschaft vom Gauertal angekommen:
ab hier gehts dann entspannt über die Fahrwege in Richtung Latschau. Vorbei am Gauertalhaus (unbedingt einkehren wenn ihr da runterkommt - richtig gut!) bis zur Mittelstation der Gondelbahn.
immer wieder laden die Wiesenhänge zu Ausflügen links und rechts des Fahrweges ein.
nach einem U-Turn und einer kleinen Brücke kommt auch schon Latschau in den Blick.
das Kraftwerk. Wird auch keinen Schönheitspreis mehr gewinnen, aber wenigstens hat man sich beim Falkensteiner Hotel ein Beispiel am Kraftwerk genommen was die Architektur angeht
Never skip leg day. Wer noch Beine hat, kann dann mit kurzem Gegenanstieg noch die Talabfahrt bis Vandans durchziehen. Dann hat man ca. 1500 HM Abfahrt hinter sich, davon knapp 1100 über eine unpräparierte Skiroute. I Like!
kleiner abschließender Satz:
Die Route wurde lange "erkämpft". Hintergrund ist, dass sie - hauptsächlich im Mittelteil - durch eine Wildruhezone führt und das Abseitsfahren hier streng verboten ist und auch geahndet wird - und zwar mittels Anzeige, welche recht kostenintensiv werden kann. Man sollte hier - wie überall in den Bergen - die Schutzzone genau beachten und die freigegebenen Wege nicht verlassen.
[für alle Pistenskifahrer hier noch ein paar weitere Bilder von heute]
morgendliche Seitenblicke...
und die Standardbilder kommen immer und immer wieder
Bergstation Hüttenkopfbahn
Schattenloch Aussergolm. brrrrrrrrrrrrrr
Totale vom Außergolm. No Sun today...
als sich dann ein langer Skitag dem Ende neigt, ist auch im vorderen Bereich des Skigebiets keine Sonne mehr, schlagartig wird es zapfig kalt, und man freut sich auf die warme Wohnung und eine heiße Tasse Kaffee....
Ich gebe mir generell natürlich Mühe, dir sonst aus Prinzip zu gar nichts zuzustimmen, aber in diesem Fa: Ja, die Route hat einen eigenen Bericht verdient. SO sehen Skirouten aus, ein paar Pinne in den Acker gesteckt und fertig. Nicht gewalzt, seitenmarkiert oder gar noch beschneit und modelliert. Gibt es gerade in Österreich leider viel zu selten...
snowboardfreak hat geschrieben: 20.01.2024 - 23:01
Voll geniale Bilder!
Danke!
Ich glaube ich bin da mal als Kind runter!
gerne als Kind wenn dann aber "wild" oder? also wie du halt warst . Die Route gibts erst seit 2015. Vielleicht meinst du auch die ins Rellstal - die muss ich bei entsprechender Schneelage dieses Jahr noch nachreichen. Die vom Außergolm über Ganeu nach Vandans geht ja leider inzwischen nicht mehr offiziell...
bastian-m hat geschrieben: 21.01.2024 - 10:01
Ich gebe mir generell natürlich Mühe, dir sonst aus Prinzip zu gar nichts zuzustimmen, aber in diesem Fa: Ja, die Route hat einen eigenen Bericht verdient. SO sehen Skirouten aus, ein paar Pinne in den Acker gesteckt und fertig. Nicht gewalzt, seitenmarkiert oder gar noch beschneit und modelliert. Gibt es gerade in Österreich leider viel zu selten...
Danke für die Mühe der Dokumentation.
du meinst also summa summarum: nicht so wie am Arlberg beim Markus? @Arlbergfan