



Ich entschied mich dazu, nach einem Vormittag auf der Grebenzen den Skitag am Tonnerhüttenlift ausklingen zu lassen. Durch Zufall war ich bei meiner Tourplanung auf diesen Schlepper hoch oben an der Baumgrenze gestoßen.
Eigentlich hatte ich zunächst den Katschberg besuchen wollen, doch dieser ominöse Einzellift am Zirbitzkogel machte mich neugierig. Ich fand auf die Schnelle keine gescheiten Bilder im Netz – lediglich die Bergfex-Webcam ließ einen Langbügellift erkennen und irgendwo fand sich mit 800 m eine anfahrtswürdige Längenangabe. (Bei einem Kurzbügler oder alten Leitner hätten auch 300 gelangt
Zwar lag der Lift entgegengesetzt von meiner Heimfahrtroute von St. Lambrecht aus betrachtet, aber ich wollte unbedingt hin. Gerade Einzellifte bei irgendwelchen Berghütten oben haben mittlerweile eine Halbwertszeit wie Oktoberfestbier im September. Viele jener Lifte, die es dem guten, alten Skiatlas 1979 nach einst wohl recht zahlreich gegeben hat, sind längst dem LSAP-Himmel entschwebt.
Außerdem sollte am 05.01.2023 das Wetter halten – zwar mit Bewölkung, aber keine Niederschläge. Der Schneemangel wurde durch die Lage hoch überm Tal dem Bergfex-Liftstatus nach offensichtlich kompensiert. So saß ich am Abend des 04.01.2023 in meinem Pensionszimmer in St. Lambrecht und stellte erleichtert anhand der Webcam-Archivbilder fest, dass der Lift an jenem Tag gelaufen war und betete zum Langbügelgott, dass auch am Folgetag Betrieb stattfinden würde. Meine Gebete wurden zwar durch Schratzenlärm über, neben und unter mir gestört, aber dennoch erhört und der Lift sollte am Folgetag laufen...

Erst mal ein Bild von der Talstation, aber bis ich zu jener Aufnahme kam, gab es einige Hürden zu überwinden. Zunächst gestaltete sich die Anreise noch recht entspannt. Über leere Straßen ging es von St. Lambrecht aus durch die grüne Landschaft.
Neumarkt in der Steiermark (ich kannte bislang nur jenes in Schlesien und eben das in der Oberpfalz) gefiel mir auf Durchfahrt irgendwie... alte Häuser, keine Gewerbegebietsbetonklötze (zumindest nahm ich vom hinterm Lenkrad aus keine wahr), kein Tourikitsch wie in Tirol oder Oberbayern und im Hintergrund unverbaute Berglandschaften. Ich mag so was und über immer schmaler werdende Straßen näherte ich mich der Auffahrt zu Tonnerhütte.
Ich hatte zwar flüchtig die Anfahrt bei Googlemaps studiert, doch hätte ich gewusst, was folgen würde – ich wäre entweder gelaufen und doch zum Katschberg gefahren. Ich jubelte noch, als ein Schild am Dorfrand verkündete, dass der Schlepper laufen würde. Denn bald danach endete die Asphaltstrecke und es ging auf einer ungeteerten, teils schlammigen Forststraße weiter.
Das wurde dadurch gesteigert, dass es immer steiler wurde und man auf der Matschbahn Serpentinen erklimmen musste. Hätte es eine Wendemöglichkeit gegeben – ich wäre niemals da hinauf gefahren, Lift hin oder her. Lieber mit dem Auto in der Rush Hour quer durch München... diese Auffahrt war schlimmer als jene ins Berdorf Ebnit hinauf.
Dabei wäre die Strecke in trockenem Zustand kein Problem gewesen. So habe hatte ich immer Angst, stecken zu bleiben und dann mitten im Wald abzurutschen. Doch noch hatte ich Glück und erreichte nach gefühlt 100 km die Tonnerhütte hoch überm Tal. Aufgrund der Anfahrt rechnete ich damit, dass dort oben nichts los sein würde, doch ich täuschte mich immens. Es war alles zugeparkt, selbst am Rand der Matschstrecke im Wald unten hatten schon die ersten mutig ihre Wägen abgestellt. Der Lift, die Rodelbahn und vor allem der kostbare Schnee in jenen grünen Winterwochen lockten die Leute an und die Hütte selbst machte einen sehr urigen Eindruck.
Ich versuchte mein Glück hinter einem Parkplatz, doch auch dort hatten schon welche ihre SUVs am Rande eines abschüssigen Feldwegs abgestellt. Ich wollte wenden und mich unterhalb eines Klagenfurter Cayennes stellen. Doch mein Passat rutschte auf einer Eisplatte vom Weg ab und nichts ging mehr. Ich versuchte es noch mit den Ketten, doch der Wagen kam nicht hoch. Schlamm wirbelt auf und ich gab es auf. Wenigstens kamen noch der Klagenfurter Cayennefahrer und sein Begleiter angerannt, um mir zu helfen. Sie waren mit sehr geschmackvollen Skijacken bekleidet und ich befürchtete schon, dass sie Schlamm abkriegen würden. Doch die beiden Männer wischten meine Bedenken beiseite und packten mit an – leider half auch das nichts. Aber ich immerhin hatten sie es versucht und mein Bild von Cayenne-Fahrern hat sich dadurch verbessert
In der Tonnerhütte wurde ich an die „Frau Chefin“ verwiesen (da musste ich gleich an den Herrn Karl denken, da ich das Youtube-Video erst neulich wieder angesehen hatte).
Doch die Wirtin konnte mich auch nur auf 16 h vertrösten, da der Wirt und sie Söhne am Lift im Einsatz seien. So ging ich wieder zu meinem querstehenden Wagen zurück, holte meine Sachen und vertrieb mir die zwei Stunden bis 16 Uhr mit Skifahren.
Die Männer am Lift versprachen mir dann wenigstens gleich, dass sie mir helfen würden. Dennoch konnte ich dann nicht so ganz entspannen, aber es sollte ja gut ausgehen.

Im Lift – mit gemischten Gefühlen, aber immerhin geschafft

Gemeinsam mit Schlittenfahrenden

Es ist immer wieder spannend, das erste Mal mit einem Lift zu fahren und man weiß nicht, wie der Verlauf ist. Hier geht es halt so durch den lichten Bergwald bis zur Baumgrenze dahin...

Diese Stützenform kannte ich bislang m.E. Noch nicht.


Am Ausstieg, der sich mitten im Wald befindet und wo man kaum was von der Umgebung sieht.

Die Umlenkung – dahinter erhebt sich wohl der Zirbitzkogel. Von Weitem scheinen das prima Hänge zu sein, aber man kommt nicht heran. Offenbar hat man den Lift so enden lassen, dass er nicht in den lawinengefährdeten Bereich hineinragt. Ist allerdings nur eine Vermutung.


Erinnert mich an das von einer Fichte schier „aufgefressene“ Schild des ehemaligen ESL am Gaisberg in Salzburg, das ich 2010 mal bei einer Trassenerkundung gefunden hatte.

LSAP-Jägerstand



Es gibt zwei Abfahrtsvarianten – beides sehr nette Waldpisten. Die Schlittenbahn verläuft auf der anderen Seite des Lifts und viele Skifahrer waren trotz der zahlreichen Autos an der Tonnerhütte nicht unterwegs. Unten stieg anfangs noch ein Skirennen, doch bald waren sie fertig und als ich das später dann auch war, fand gerade die Siegerehrung statt.

Blick in westliche Richtung... eine für mich unbekannte Gegend.


Hier sah es für mich bei der ersten Vorbeifahrt so aus, als ob da eine leere Liftschneise wäre, aber ich täuschte mich offenbar. Weiter unten verläuft ein Graben.

Wieder am Lift – man musste kaum anstehen. Die anderen Leute machten irgendwie einen total entspannten Eindruck. Es waren ja meist Familien mit Kindern und sie schienen sich zu freuen, in jenem grünen Januar überhaupt noch wo Schnee gefunden zu haben. Wahrscheinlich machte ihnen allen die Anfahrt nicht so viel aus wie mir

Da musste der Liftler mal aushelfen...

Blick Richtung Tonnerhütte, die von Autos umlagert war, was man von hier aus aber kaum erkennen konnte.

Wenigstens ein schöner, alter Lift, so dass sich der Anfahrtsstress rentiert hatte.

Es herrschte eine düstere Wetterstimmung, aber dafür dennoch wegen der fröhlichen Leute ringsherum eine entspannte Atmosphäre. Ich war natürlich nicht so gelassen, da ich das mit meinem Auto mit mir herumtrug. Aber ich setzte große Hoffnungen in den steirischen Traktor...

Blick zurück

Wieder im Schlepperwald


Seitenblick in Richtung Abenddämmerung

An der Baumgrenze...
Wieder sieht man den dahinterliegenden Hang, der unerreichbar zwischen den Bäumen hervorsticht.

Hier dachte ich zunächst an die ehemalige Talstation einen zweiten Lifts (2. Sektion quasi), doch anscheinend ist das nur eine normale Berghütte.

Die Abfahrt ganz links – man sieht auch, dass es ohne Schneekanonen auch hier oben wohl nicht gegangen wäre und wahrscheinlich ohne deren Anschaffung längst eine leere Liftschneise mehr die Bergwelt segnen würde.

Noch ein paar Stimmungsbilder von der Abenddämmerung des 05.01.2023...


An der Talstation fing mich nun der Hüttenwirt kurz vor Betriebsschluss ab und meinte, sein Sohn würde nun mit dem Traktor mein Auto rausziehen. Das sei überhaupt kein Problem. Wir unterhielten uns noch kurz, denn er wollte wissen, woher ich käme und weswegen ich ausgerechnet wegen einem einzigen Lift angereist sei.
Ich lief schon mal zum Auto, wechselte die Schuhe und verstaute die Ski, als der kleine Traktor kam. Der freundliche Sohn des Wirts brauchte nur die Seilschlaufe an der Anhängerkupplung befestigen und schon wurde mein Passat wieder auf den Feldweg gezogen. Ich musste dann im Rückwärtsgang die vereiste Strecke zum Parkplatz hinauf fahren, wo noch immer der Klagenfurter Cayenne und ein weiterer SUV standen.
„Des geht sie ned aus!“, plärrte eine Frau und ich erblickte ein giftig dreinschauendes Gesicht im Seitenspiegel. Aber wenigstens stellte sich heraus, dass ihr einer der SUVs gehörte und sie parkte um, sodass ich nun problemlos auf dem Parkplatz ankam und schweißgebadet den Passat in eine Lücke rangierte.
Der Traktorfahrer meinte dann noch, ich solle doch erst mal in der Hütte essen und ein Bier trinken. Doch ich wollte vor dem Einbruch der Dunkelheit unbedingt vom Berg runter. Nachdem ich mich nochmals bedankt hatte, kam ich da am Parkplatz mit einem Familienvater ins Gespräch – der hatte auch nicht gewusst, dass die Anfahrt so abenteuerlich wäre und auch ihm grause es vor der Fahrt nach unten.
Aber das Hinunterfahren sollte nicht so schlimm wie das Hinauffahren werden. Zwar rutschte ich manchmal ein bisserl, aber ich ließ mir Zeit und an den Abschnitten mit festem Untergrund ließ ich zwei Mal andere Autos vorbei, deren Fahrer offenbar die Strecke kannten und über Allradantrieb verfügten. Wenigstens stresste keiner durch dichtes Auffahren.

Endlich wieder Asphalt unter den Rädern! Ich musste erst einmal rechts ran fahren... Blick zurück zur Schlammstrecke.

Nachdem ich mit meinem schlammverkrusteten Auto wieder das Tal unten erreicht hatte, stach die Sonne noch einmal hervor und warf ein intensives, oranges Licht auf die Berghänge hinter mir. Das Naturschauspiel passte ganz gut rein – ich war sehr froh, mein Auto sicher wieder nach unten gebracht zu haben und es war lifttechnisch gesehen ein sehr interessanter Tag gewesen.

In Neumarkt machte ich noch Halt, aß zwei Leberkässemmeln aus dem örtlichen Supermarkt und weiter ging es auf den langen Weg zurück nach München. Ich hatte unterschätzt, wie weit es allein von „dort hinten“ zurück nach Murau ist, wo es bereits dunkel war und Flutlicht die Talabfahrt erhellte.
Aufgrund der Wettervorhersage nahm ich diesmal den Tauerntunnel, denn von untrockenen Bergstraßen hatte ich erst einmal genug. Schon vor Mauterndorf setzte nach einem kurzen Fast-Vollmond-Intermezzo der Regen ein, aber man sah vom Aineck noch die Lichter der Pistenraupen am Nachthimmel. Im Starkregen ging es dann auf die Autobahn Richtung Norden.