In Trautenfels im Ennstal trifft die Salzkammergut-Bundesstraße (B145), von Nordwesten aus dem Ausseerland her kommend, auf die Ennstalstraße (B320), seit kurzem ist die Kreuzung durch einen imposanten Kreisverkehr entschärft. Aber auch nach Süden führt von dort eine mit einem B bezeichnete Straße weg, die Glattjoch-Straße B75, die jedoch einerseits nur mehr eine Landesstraße ist, andererseits die meines Wissens einzige überregionale Straße Österreichs ist, die zu keiner Zeit durchgehend befahren werden kann. Sie endet von Norden her nämlich südlich von Donnersbachwald, ihre Fortsetzung südlich des Alpenhauptkamms zwischen Oberwölz und Niederwölz führt zwar den gleichen Namen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geplante Verbindung über das Glattjoch wurde jedoch nie gebaut.
Wer weiß, wie sich die Erschließung der Berge durch Schigebiete entwickelt hätte, wäre hier eine ganzjährig offene Nord-Süd-Verbindung entstanden, so aber existieren heute nördlich des Glattjochs nur die überschaubaren Gebiete der Planneralm und der Riesneralm und südlich des Lachtals. Zwar wurden ab den 60-er Jahren auch in anderen Orten im und am Eingang des Donnersbachtales zahlreiche Tal- und Dorflifte gebaut, wie man im nachfolgenden Panorama aus dem DSV-Skiatlas 1982 sehen kann, doch sind sie mittlerweile wohl alle aus der Topographie und von der Bildfläche verschwunden.
Moment! Es gab allerdings nicht nur Tallifte, sondern noch ein eigenständiges Höhenschigebiet, wenn auch nur mit einer einzigen Anlage, und diese sollte – wenn auch schon 20 Jahre stillgelegt – noch immer die Premalm, auf der gleichen Talseite wie die weiter nördlich gelegene Planneralm situiert, „verzieren“ (zumindestens in den Augen mancher in diesem Forum
Planneralm und Riesneralm liegen im Geltungsbereich meiner Saisonkarte und wurden schon des Öfteren besucht, auch zahlreiche andere Schitouren im Donnersbachtal haben wir schon durchgeführt, schon lange wollte ich der Premalm einen Besuch abstatten, aber bisher fand sich einfach noch keine Gelegenheit. Zu wenig Schnee, zu schlechtes Wetter oder zu hohe Temperaturen, immer gab es einen Grund, die Premalm und den oberhalb gelegenen Gipfel des Hühnerecks nicht zu besuchen.
Doch der erfreulich frühe und intensive Wintereinbruch in diesem Jahr führte am 8. Dezember zu idealen Bedingungen für eine Erkundung des stillgelegten Schlepplifts und des mutmaßlich attraktiven Schigeländes zwischen Hühnereck und Premalm.
Auch sollte diese Tour als endgültige Belastungsprobe für mein im vergangenen Februar ziemlich lädiertes rechtes Kniegelenk fungieren, zwar hatten wir schon den Sonntag zuvor zwei hübsche Abfahrten in idealem Pulver auf den Sandling-Pisten in Altaussee gemacht (die Lifte waren noch nicht in Betrieb), aber 1000 Höhenmeter und eine mutmaßlich ruppige Teilabfahrt über eine Forststraße würden schon eine andere Herausforderung darstellen.
Apropos Herausforderung und Forststraße: auch wenn ich die Schitouren in den Niederen Tauern liebe, so bleiben meist doch zwei Wermutstropfen im Tourencocktail, das eine sind die meist steilen und dichtbewaldeten Hänge in Talnähe, die den Zustieg zu den verlockenden freien Almflächen nur über oft vom Schneezustand abenteuerliche Forststraßen ermöglichen, das andere ist die meist ziemlich prekäre Parkplatzsituation, an vielen Ausgangspunkten finden sich oft gar keine und wenn, dann meist nur eine Handvoll Stellmöglichkeiten.
Der Zustieg zum Hühnereck startet meist beim Perweinerhof, der sich links der Straße nach der Talerweiterung vor Donnersbachwald befindet, in der Tourenliteratur ist von einem kleinen Parkplatz die Rede, ein solcher ist zwar beim Perweinerhof auch ausgeschildert, die Richtungspfeile weisen aber eigentlich genau in die entgegengesetzte Richtung, sodass wir gezwungen waren, den Bauern herauszuklopfen. Wir erhielten die Anweisung, die Forststraße bis hinauf zum Schranken zu fahren, dort wäre dann der Parkplatz und es wäre auch schon jemand hinaufgefahren.
Ja, den Schranken haben wir gefunden und auch eine potentielle Stellfläche knapp davor, allerdings hatte der Bauer nichts davon gesagt, dass diese eigentlich noch freigeräumt werden müsste. Die Tourengängerin vor uns hatte diesen Luxusparkplatz gar nicht als solchen erkannt, war ein Stück weitergefahren, hatte dann aber wegen der zunehmenden Steilheit der Straße versucht, wieder zurückzuschieben, steckte nun aber augenscheinlich hoffnungslos in einer Schneewechte neben der Straße fest.
Das bedeutete, die nächste Stunde verbrachten wir zunächst damit, mit der Lawinenschaufel für uns einen Parkplatz freizumachen und dann – mit deutlich höherem Aufwand – den gestrandeten Wagen der Kollegin wieder flott zu machen.
So begann unsere Wanderung entlang der Forststraße erst mit einiger Verspätung.
Vorne geht Sabine, der weitgehend schwarze Vierbeiner vor mir heißt Finnie, ist ein Husky-Labrador-Mix und ist die Nachfolgerin von Angus und Naya, unserer früheren langjährigen Begleiter.
Vis-a-vis zeigt sich der Riesnerkrispen mit dem modernen Schigebiet der Riesneralm.
Im unteren Bereich befindet sich die Forststraße in einem für Schifahrer durchaus brauchbarem Zustand, da haben wir schon viel ärgeres erlebt.
Einige hundert Höhenmeter weiter oben stören keine früheren Räumarbeiten mehr die Kontemplation des Aufsteigens.
Die benützte Forststraße führt nicht direkt zur Premalm, nach knapp 500 Höhenmetern geht es ein Stück durch den schön verschneiten Wald auf einer weitgehend verwehten Aufstiegsspur.
Nun befinden wir uns auf der eigentlichen Zufahrt zur Premalm, auf der früher die Besucher über unzählige Kehren ins Schigebiet gelangt sind. Hinten erkennen wir die Almgebäude, der Verschlag links am Wegrand wird uns später noch ein wenig beschäftigen.
Ja, hier sind wir richtig! Übrigens gibt es in Irdning noch ein Hinweisschild, an dem neben Riesneralm und Planneralm auch noch die Premalm angeführt ist.
Nochmals die Almgebäude:
Und hier das Objekt der Begierde:
Nachdem wir leider keine gültige Fahrkarte haben
… und steigen im Sonnenschein in herrlichsten Schigelände weiter bergwärts.
Eine kurze Pause bietet Gelegenheit zum Ausblick….
…auf das Talstationsgelände,…
….auf die gegenüberliegende Riesneralm,….
….und talauswärts auf das Tote Gebirge hinter dem Ennstal.
Über herrliches Almgelände mit schütterem Lärchenbestand…..
…kommen wir nun nach etwa 200 Höhenmetern in die Gegend der ehemaligen Bergstation.
Wir steigen weiter aufwärts in Richtung Hühnereck….
…nicht ohne weitere Ablichtungen der Infrastruktur….
….sowie des idealen Schigeländes.
Von weiter oben blicken wir genau in die Lifttrasse, die Häuser im Tal befinden sich ca. 600 Höhenmeter unterhalb der Talstation.
Einfach schön hier…..
Die letzten Höhenmeter ziehen sich dann doch, da wir ja ab der Talstation alles selbst spuren mussten und es ja die erste richtige Schitour der Saison war, aber zufrieden stehen wir dann am Gipfel des Hühnerecks und genießen die Aussicht.
Die darauffolgende Abfahrt über das Almgelände ist einfach nur ein Traum, sodass es nur einen einzigen kurzen Photostopp gibt.
Edit: nach Durchsicht der Bilder besteht Sabine auf den Hinweis, dass ich ganz old fashioned Zöpfchen fabriziere, sie aber dynamische weite und schnelle Bögen fährt.
Beim Aufstieg haben wir auf der finalen Forststraße ca. 400 Meter vor der Premalm ein Hinweisschild über ein dortiges Wildschutzgebiet passiert, in dem aber auch angeführt war, man möge sich auf Wegen und auf ortsüblichen Routen bewegen, so haben wir im Bereich der Forststraße, insbesondere der Wildfütterung (der oben erwähnte Verschlag) selbstverständlich Finnie an die Leine genommen, nur oben im Tiefschnee, in dem sie ohnehin genug Probleme hatte, uns bei der Abfahrt zu folgen, durfte sie frei laufen. Trotzdem wurden wir bei der Abfahrt im Bereich der Wildfütterung von einer Dame, die gerade neues Heu brachte, freundlich aber bestimmt darüber belehrt, dass das Befahren des Almgeländes und insbesondere der Forststraße im Fütterungsbereich komplett verboten sei. Allerdings war dieses Schutzgebiet nicht – wie eigentlich üblich – in der Kartenapp des Alpenvereins angeführt. So habe ich – neugierig geworden – heute durch einen Anruf in der Bezirkshauptmannschaft Liezen den genauen Lageplan des Schutzgebietes erhalten. Daraus geht hervor, dass die Passage der Forststraße unterhalb der Almgebäude entgegen dem Text auf dem Schild (Wege und ortsübliche Routen) wirklich verboten ist, die Abfahrt am ehemaligen Pistengelände wäre aber von oben (das Hühnereck kann man auch von der anderen Seite erreichen) bis zu den Almgebäuden eigentlich gestattet, nur müsste man dann wieder ein Stück aufsteigen, um das Sperrgebiet zu umgehen.
Nach der Belehrung durften wir trotzdem weiterfahren und nach der kurzen Waldpassage zur Aufstiegsforstraße folgte eine vor allem im oberen Bereich (die Brutalräumung war eindeutig nicht auf Tourenschifahrer ausgerichtet, sodass zahlreiche Steine und Felsbrocken eingestreut waren) nur wenig genussreiche Abfahrt ins Tal.
Trotz der leichten Unbillen (Schaufelaktion, Forststraße, Belehrung) war es aber ein höchst zufriedenstellender Auftakt der heurigen Saison, und auch mein Knie hat glücklicherweise keinerlei Probleme gemacht.
Jetzt müssen wir den aktuellen Warmwettereinbruch irgendwie überstehen, bis es dann hoffentlich in dieser Tonart weitergeht.