Skitour Lachtal
1.1.2025
Vorwort:
Der gemeinsame Skiurlaub für dieses Jahr ist auf Ende Februar terminiert, den Korridor zwischen Weihnachtsfeiertage und Neujahr hatten wir geplant, daheim im Ruhrgebiet zu verbringen. Die nutzlosen Tage "zwischen den Jahren" sind wie geschaffen um endlich die letzten Stapel vom Schreibtisch wegezuarbeiten, diese eine vermaledeite Wand im Schlafzimmer neu zu streichen und und und. Und es war dann nichtmal ich, der das Blatt unerwartet wendete und den Aberglauben über Bord warf, man solle Dinge nicht unerledigt über den Jahreswechsel liegenlassen. Die Gefährtin verkündete, dass Freunde von uns aus Dortmund, deren Eltern zufällig ein Ferienhaus in Hohentauern (nicht zu verwechseln mit Obertauern) besitzen, dort mit ihren Kids die Woche über Silvester verbringen und uns eingeladen haben, hinzuzustoßen. Wenn es der unbedingte Wunsch der Frau ist, das verregnete Bochum gegen ein sonniges Dorf in der Steiermark auszutauschen. Was will Mann da sagen? Es ist eh schon ein besonderes Ereignis, dass nicht zumindest einer von uns beiden Silvester oder Neujahr arbeitet. Das letzte Mal war vor 9 Jahren - ich erinnere mich so genau daran, weil seit jenem Tiefschnee-Urlaub ein paar Schrauben in den Knochen meines rechten Ellenbogens wohnen.
Vom 28.-30.12. haben wir zu zweit in Berchtesgaden Halt gemacht ein paar kleine Skitouren gehen - nicht der Rede wert, das Tal war vom letzten Nordstau nicht gerade verwöhnt worden. Am Abend nach zähem Kolonnefahren das Ennstal hinab vorbei an Schladming und Haus, erreichten wir eine weitere Stunde später dann endlich das kleine Dörfchen Hohentauern auf der gleichnamigen Passhöhe. Ich kenne die ganze Region hier überhaupt nicht. Als eher Schweiz/Vorarlberg/Tirol-lastiger Bergbesucher ist auf meiner inneren Landkarte alles östlich von Salzburg quasi kurz vor Wien. (Ein Grund, warum sich die grob angedachten Treffen z.B. mit @gerrit und @freeriderin noch nicht so recht ausgegangen sind bisher)
Die Berge werden hier immer weniger schroff, die Täler langsam weiter. Die Skigebiete sind kleiner und dem Piefke überwiegend unbekannt. Der Urlaub steht aber eh unter anderen Vorzeichen - wir sind mir Freunden mit Kleinkind unterwegs, die Woche kam unverhofft und ich freue mich primär darüber, mit der Holden unterwegs zu sein. Was Schneesport angeht, erwarte ich primär erstmal nichts und freue mich über das, was da vielleicht noch abfallen mag.
Manchem mag vielleicht entgangen sein, dass der Winter bisher in Tirol und den Westalpen ganz okay ist, in Teilen der Ost- und Südalpen aber geradezu prekär was die Naturschneelage angeht. In Teilen der Steiermark und Kärntens ist die Grundlage in der Schneedecke nicht nur knapp bemessen, sie ist einfach nicht vorhanden.
Am Neujahrstag sind wir schlussendlich mit der gesamten Rasselbande ins Lachtal gefahren, T und ich waren wild entschlossen, hier außerhalb von Pisten irgendwelche Reste mit unseren Tourenski (bzw. sie mit dem Splitboard) zu beackern. Uns war schon vorher klar, dass es dazu schon eines gewissen Willens und Leidensfähigkeit bedarf.
Das Skigebiet Lachtal beginnt in 1550m Höhe am Ende eines kleinen Hochtals und reicht mit dem SL Zinkenlift bis auf gut 2200m hinauf. Nach vorheriger Sichtung der Optionen in den einschlägigen Touren-Portalen (ich schaue oft zuerst bei Outdooraktive und Tourentipp) wollten wir entspannt vom ausgewiesenen Tourengeher-Parkplatz das einsame Seitental in einem langen Bogen hinauf auf den Hohen Zinken. Realistisch gesehen war uns vorher klar, dass wir für die Abfahrt das Skigebiet nutzen werden, weil die traumhaften weiten Hänge der Westflanke momentan ein Alptraum sind.
Nach der Einfahrt ins untere Lachtal. Man könnte ja meinen, es liegt an der noch niedrigen Höhenlage.
Tut es aber nicht. Der SL Zinkenlifte von 1900 bis 2200m Höhe im Zoom aus dem Tal. Südhang hin oder her, hier ist einfach kein Schnee gefallen. Und ja, dieser Lift ist tatsächlich in Betrieb.
Es ist später Vormittag, oder wenn man ehrlich ist schon früher Mittag, als wir aufgefellt haben und uns im Schatten langsam warmlaufen. T auf ihrem Splitboard, ich mit Tourenski. Unser Ausgangspunkt liegt auf 1580m. In der Talmulde liegen zumindest ein paar geschlossene Zentimeter.
Man muss sich klar machen, dass man für den Aufstieg viel weniger Schnee benötigt als für die Abfahrt - besonders auf Grashügeln reichen 3cm. Die Steigfelle stört es wenig, wenn die Grashalme durchgucken. Oder mehr Grashalme als Schnee vorhanden sind. Oder auch gar kein Schnee.
In der Sonne wird es schnell frühlingshaft.
Sowohl vom Schnee, als auch vom den Temperaturen. Eigentlich ist es nur noch von den Temperaturen her frühlingshaft, denn Schnee gibt es quasi nicht mehr.
T auf stetiger Spurensuche.
Blick in die schneelose Ferne des Murtal.
Das kleine Tal täuscht ständig vor, man sei gleich oben. Es fehlen aber noch mehrere hundert Höhenmeter.
Das erinnert sehr an die Touren Anfang Mai.
Wenn man sich von dem Gedanken frei macht, dass wir eigentlich Hochwinter haben, ist es wirklich wirklich schön. Wir sind für uns, die Sonne bescheint uns unablässig, es ist angenehm mild - wir haben wirklich gute Laune.
Rückblick auf unsere "Spur".
Hier kann man entweder noch bis zum Sattel geradeaus weiter oder rechts abbiegen und einen kleinen eingewehten Geraben direkt die Flanke hinauf. Ich lasse die Dame entscheiden, sonst bin ich nachher schuld. T biegt rechts ab.
Hier tritt eine kleine Quelle aus der Wiese und formt einen stetig wachsenden Eisblock.
Mit einem Meter Neuschnee in der Abfahrt sicherlich sehr nett!
2150m - Januar...
Nach der nächsten Biegung kommt das Skigebiet in Sicht. Wer genau hinschaut, entdeckt den Zinkenlift und die zugehörige Abfahrt.
Wie anfangs schon erwähnt: Der SL ist in Betrieb. Und damit haben wir das Ende unseres Aufstiegs erreicht.
Die zugehörige Abfahrt hat keine maschinelle Beschneiung. Irgendwie hat man durch Zusammenschieben und Konservieren einer Schneewehe nahe des Zauns ein weißes Band gebastelt.
Heute am 2.1. wo ich dies schreibe, ist der SL laut Homepage mittlerweile geschlossen.
Die beschneiten Abfahrten sind dann aber völlig in Ordnung. Der Vollständigkeit halber ein Blick hinüber in den Sektor Schönberg.
Das Timing passte wunderbar, im Tal treffen wir unsere Freunde zum Topfenstrudel, die sich in elterlicher Tapferkeit stetig im Skifahren und Kinderhüten abgewechselt hatten.
Solche Tage wie auch die ganze Woche kann ich nicht in Powder, Höhenmeter oder Gipfelerlebnissen benchmarken. Das wir diesen Urlaub örtlich festgelegt waren, ist für uns zwar untypisch - aber daheim sein und arbeiten müssen einfach keine Alternative. Das hier in der Region kaum Schnee gefallen ist, ist Schicksal. Eigenes Versagen wird es erst, wenn man daraus nicht trotzdem eine gute Zeit zu machen weiß.