Zurück zu meinem Abenteuer: Auch wenn es mit diesem Forum am ersten Blick nicht viel zu tun hat, so dachte ich in den 20 Stunden und 20 Minuten doch einmal ans Skifahren. Ich erblickte von einem Berg ein benachbartes LSAP, somit ist der Bezug hergestellt.
Durch meinen ersten Wettkampf im Jahr 2015, ein Berglauf im niederösterreichischen Voralpenland, kam ich auf den Trichter. Hier verlinke ich ein Streckenvideo dazu.
Den Läufer, der die Kamera einst am Kopf mitführte, kenne ich mittlerweile auch persönlich. Sein Sohn hatte einst 50 km Straßenlauf in einer 3:51er Pace absolviert (Angaben bei der Pace nicht 100% garantiert, könnte auch 3:52 oder 3:50 gewesen sein). Damit war er in diesem Segment der Herr des österreichischen Streckenrekords. Ob das noch immer der Fall ist, weiß ich nicht.
Ich machte dann mehrere derartige Wettkämpfe und fragte mich, wie es sei, da mehr als z.B. 7-8 km zu laufen. 20, 30 oder noch weiter? Mit einem ehemaligen Bekannten, den ich bei diesen Events immer wieder im Startertfeld fand, überlegte ich mir ein paar Strecken. Einfach von Googlemaps aus die Route angelegt, was nicht immer so klug war. Vor Ort sieht es an manchen Stellen anders aus, da Wege verschwunden sind oder hinzukamen. Wenn man jedoch zu zweit ist, macht es die Sache einfacher. 1 km mehr oder weniger extra juckt sowieso nicht, sollte man sich einmal wirklich verschätzen.
Eines Tages erfuhr ich vom Dirndltal Extrem. Bis inklusive 2019 war das hier im Süden von St.Pölten ein Ultralauf der leichten Art. Zugegeben waren die Streckenabschnitte technisch recht gut machbar, da geht es in Tirol etc. schon anders zur Sache. Das Event gibt es seither nicht mehr, obwohl sie ab 2018 (also 1 Jahr nach meinem Erfolg) sogar noch eine light Version mit ca. 60 km einführten. Vielleicht ein Opfer von Corona. Bisschen Verständnis habe ich für die Veranstalter auch, da es ein großer Aufwand war, die Strecke zu markieren, die Checkpoints aufzustellen, wo Personal arbeitete. Dann mussten noch die Genehmigungen von den Grundstücksbesitzern sowie den Gemeinden für die Durchführung der Veranstaltung eingeholt werden usw.
Ich war damals recht blauäugig und habe mich Ende 2016 für den ganzen Bewerb angemeldet, dh. 111 km mit 5000 Höhenmeter. War ich im Sommer 2016 spontan in einer Staffel mitgelaufen, da diese wen als Ersatz suchte. Damals war meine Strecke ca. 26 km mit 1000 Höhenmeter. Leider hatte ich mich dort einst verirrt, dennoch konnten wir noch drittschnellste Staffel werden, weil die beiden nach mir nochmals gut abgingen. Nach dem Event sagte ich mir trotzdem "nächstes Jahr dann den ganzen" und so sollte es am 5.8.2017 um 6 Uhr auch kommen. Mein eigenes Wort habe ich gegenüber mir selbst gehalten, was den Selbstrespekt enorm gestärkt hatte. Heute sage ich jedoch, dass man sich lieber devot gegenüber sich selbst verhalten soll. Wenn ein Marathon normal geworden ist, dann ist der Weg zum Ultramarathon einfach nur eine logische Konsequenz.
Bevor wir mit der Tour starten, füge ich hier noch meine Checkpoint-Ankunftszeiten ein:
Start: 5.8.2017 um 6:00 Uhr.
CP1: 7:02 Uhr.
CP2: 8:41 Uhr.
CP3: 10:34 Uhr.
CP4: 12:23 Uhr.
CP5: 14:43 Uhr.
CP6: 16:46 Uhr.
CP7: 18:45 Uhr.
CP8: 19:54 Uhr.
CP9: 21:40 Uhr.
CP10: 6.8.2017 um 00:09 Uhr.
Ziel: 2:20 Uhr.
Damit landete ich einst auf Rang 24 gesamt, die Sieger im Jahr 2017 waren bereits um rund 21 Uhr im Ziel. Natürlich wollte ich es auch vor Mitternacht dorthin schaffen, musste mir aber einst eingestehen, dass das nicht so ganz klappen wird. Dass ich gefinished habe, zählt heute jedoch umso mehr. Davon kann ich so viel zehren, wenn etwas Schweres im Alltag auftritt. Im Ziel kamen dann nach und nach die Schmerzen. Wusste zunächst nicht, wie ich ins Auto hineinkommen soll. Irgendwie schaffte ich es und fuhr zu meinen Eltern die paar Kilometer heim. Dabei kam ich in der Nähe der einzigen Disco hier vorbei und war in dem Moment so zufrieden, weil ich nicht mit denen tauschen wollte, die sich hier schon ins alkoholische Delirium geschossen hatten. Ich hatte zwar viele Schmerzen nach diesem Ausflug, aber langfristig war es ein ganz wichtiger Meilenstein.
Hier der Rücken des orangenen Finisher-Shirts mit dem Höhenprofil des Laufs. Die in 2018 eingeführte Kurzform startete bei CP5. Für die meisten Menschen da draußen ist selbst das unvorstellbar. Auf jeden Fall schaut immer auf dieses Bild zurück, wenn ich von konkreten Checkpoints (CP) spreche. Dann könnt ihr die Details der einzelnen Abschnitte besser einschätzen. Von CP7 zu CP8 beispielsweise waren es nur etliche km bergab. Dazu eine breite Forststraße, sodass man sich hier "aktiv erholen" konnte. Manch Trailläufer waren darüber nicht so glücklich, mir war es aber auf Grund der schon fortgeschrittenen Erschöpfung sehr recht.
Ein paar Stunden später sollte ich wieder genau hier stehen, allerdings nicht mehr so frisch.
Es geht los. Die Strecke habe ich mit einem ehemaligen Bekannten im Vorfeld besichtigt gehabt. Wir machten 4 Trainingsausflüge, diese angelehnt an die Staffeln, die es 2018 zuletzt gab. Hier herrschten viele Unstimmigkeiten vor, angeblich gab es auch Schummler, die irgendwie abkürzten oder sich mit dem Auto über Pfade fahren ließen, wo die Strecke nicht vorbeikommt. Ich weiß nichts Konkretes, finde das aber schwer bedenklich, wenn man schon nur die Intention zu so etwas hat.
Staffel 1 ging von Start bis CP2, Staffel 2 dann von CP2 bis CP4 (die lief ich 2016). Staffel 3 als die schwerste Passage von CP4 bis CP8. Die letzte Staffel von CP8 ins Ziel ist verhältnismäßig ein Sprint. Die Staffelläufer begannen 1 h nach den Einzelläufern.
Hier vor mir mein damaliger Trainingspartner. Die ersten km führen über recht flache Forststrafen und einzelne Dörfer. Der Kollege war mir damals am Berg deutlich überlegen, schaffte er es noch vor Mitternacht ins Ziel. Noch dazu ist er 19 Jahre älter, das muss man entsprechend respektieren.
Wieder einmal etwas Asphalt.
Das soll nicht lange so bleiben, wir zweigen sehr bald erneut ins Gelände ab.
Am Weg nach Hofstetten-Grünau.
Hier muss man rechts oberhalb der Kirche die Wiese mitnehmen. Beim Besichtigen der Strecke waren wir uns da nicht sicher, wir hatten aber folglich richtig vermutet.
Rückblick auf den CP1. Es sei erwähnt, dass jeder seinen eigenen Becher für die Labestellen mitnehmen musste. Plastikbecher in der Einweg-Ausführung wurden dort um 2015 herum abgeschafft. Die Gründe sind natürlich offensichtlich. Viele haben sich die Becher ein Stück mitgenommen und dann oft irgendwo zwischen zwei CP im Gelände entsorgt. Die Grundbesitzer werden sich freuen, als Veranstalter will man sich so etwas sicher nicht nachsagen lassen. Somit hat man hier sehr schnell umgestellt.
Unterwegs in Hofstetten-Grünau.
Unten geht es parallel zur B39 sowie der Mariazellerbahn dahin.
Lange lässt die nächste Markierung nicht auf sich warten, in einem steilen Haken geht es rechts den Hang hoch.
Der Asphalt bleibt noch eine Weile erhalten, die Steigung reduziert sich. Selbst am Anfang hieß es, dass man möglichst alle Steigungen gehen soll, auch wenn es noch so leicht ist. Das würde sich sonst später alles rächen.
Eine der Pfeil-Markierungen. Blau-Weiß war die Markierung des Veranstalters. Daran konnte man sich orientieren. Wir sind hier übrigens in Österreich unterwegs, falls das jemand nicht wissen sollte. Deutschland werden wir im Lauf des Laufs auch noch sehen.
Auf angenehmen Wiesen geht es leicht kupiert dahin. Im Training hatte es hier extremen Nebel und wir konnten immer nur die nächsten 5 m erahnen. Die Wiese schien nicht enden zu wollen. Im Bewerb selbst war dem zum Glück nicht so.
Wieder etwas Wald.
Sehr schöne Wege hat es hier, wo man es richtig laufen lassen konnte (wenn man ausblendet, was noch vor einem lag
Die Wetterlucke kommt in Sicht. Ist ein Mini-Pass im Pielachtal. Links hinten geht es auf den Stierberg hoch. Der Name ist durchaus Programm, allerdings hatten die Bauern für den Lauf das Vieh von der Weide entfernt, was ich sehr nett fand. Hätte sie ja nicht tun müssen.
Hier wird es nun erstmals richtig steil.
Blick zurück. Wir kamen über die obere Straße am rechten Bildrand herunter.
Dass das noch gar nichts sei, wusste ich zu dem Zeitpunkt. Eisenstein und Hohenstein werden uns alles abverlangen. Also ja nicht zu voreilig im Aufstieg.
Etwas Erholung nach dem Stierberg. Rechts nebenan ist ein einsames Privatgrundstück.
CP2 kommt in Sicht und damit das Ende des ersten Staffelabschnitts. Der Sender sowie der Steinbruch dahinter verraten dies dem Ortskundigen.
Hier füllte ich meine Trinkblase auf. Rechts im Bild erkennt ihr einige Staffelläufer, die auf die Ankunft ihrer Teamkollegen warten.
Am Beginn des zweiten Staffelabschnitts. Der Herr vor mir sollte es auch noch vor Mitternacht ins Ziel schaffen.
Ob das Teil heute noch so dort steht?
Auf Höhe des Steinbruchs. Hier hatte es wieder breite Forstwege. 2016 lief ich hier als Staffelteilnehmer ganz euphorisch los.
Links vorne auf den Hügel sollte es nun gehen (wortwörtlich).
Angenehme Wiesen.
LSAP?
Blau-weiße Markierung, hier sind wir richtig.
Der Ötscher macht sich bemerkbar.
Am Stierberg zuvor hatten sie das Vieh wie gesagt kurzfristig abgezogen, hier nicht.
Ob sie auch das Ziel erreichte?
Rechts vorne geht es hoch, Markierung schon von weiter weg deutlich sichtbar.
Blick zurück. Hinten kommt man aus dem Wald herunter.
Am Grüntalkogel, dem ersten wirklichen Gipfel dieser Tour. Hier hat es sogar eine Hütte, die zu dem Zeitpunkt allerdings (noch) nicht geöffnet war.
Als Straßenläufer wird es hier erstmals etwas anspruchsvoller. Man läuft nun einige Zeit am Grat dahin. Landschaftlich super schön.
Irgendwann geht es kurz nach links auf eine Schotterstraße.
Wieder zurück auf den Grat.
Wer sieht rechts den blau-weißen Pflock? Das betone ich deshalb so sehr, weil ich mich hier 2016 in der Staffel verrannte. Ich lief munter gerade weiter, merkte aber zum Glück schnell, dass das nicht stimmen kann, weil weit und breit nichts von einem Checkpoint zu sehen war. Diesmal zum Glück daraus gelernt gehabt.
Wenn man richtig abbiegt, geht es so durch den Wald hinunter.
Auf einmal landet man auf einer kleinen Straße, wo einen sogleich CP3 erwartet.
Viel würde ich nicht brauchen, Rucksack ließ ich an und lief recht bald weiter. Übrigens hatte man eine Karte bekommen, die man an jedem CP zwicken lassen musste, wie damals die Skikarten an den urigen Einzelliften. Nach CP3 gab es auch etwas Erholung, da man die Asphaltstraße bergab lief.
Grüne Markierung am Asphalt deuten den richtigen Weg, hier musste man scharf rechts abbiegen.
Die Forststraße zog sich nun endlos dahin, dazu stets ganz minimale Steigung.
Irgendwann wurde sie wieder zu Asphalt.
Nach der nächsten Anhöhe ging es nur mehr talwärts nach Frankenfels. 2016 lief ich hier so schnell, um meinen Fehler vor CP3 gefühlt auszugleichen.
Sobald man den Bahnübergang sehen kann, naht die B39, die wir zuvor auch in Hofstetten kurz neben uns hatten. Frankenfels ist erreicht. 2016 war hier für mich Feierabend.
Rückblick auf CP4. Jetzt begann der schwerste Teil des Rennens.
Aus Frankenfels kämpfen wir uns hinaus.
Bis CP5 zieht es sich endlos dahin.
Die 2 überholten mich und erreichten das Ziel noch hauchdünn vor Mitternacht.
Ein LSAP-artiger Kurort erscheint. Hier wurden meines Wissens nach einst sogar Tagungen etc. abgehalten. Keine Ahnung, wie es dort heute aussieht.
Bei dieser Kurve hatten wir uns in der Trainingsbesichtigung gefragt, ob dieses Verkehrszeichen recht hat oder wir gerade weiter müssen. Ihr erinnert euch, blau-weiß ist die Markierung, also nach links ins Tal hinunter.
Blick zurück, von links kamen wir auf diese Kehren zu und rannten sie nun hoch.
Nehmt euch vor diesem Bauernhaus in Acht. Als wir im Training hier unterwegs waren, sagte der Bauer zu uns, die Mountainbiker sollen sich ja verpissen. Mein Trainingskollege fragte ihn, ob er denn Fahrräder an uns sehe. Dann war Ruhe.
An den Sträuchern waren hin und wieder diese Bänder als Markierung angebracht.
Wieder eine dieser endlosen und leicht ansteigenden Geraden.
Endlich die Markierung zum Abbiegen.
Nach diesem kurzen Waldweg war es nicht mehr weit nach Schwarzenbach.
Hier hinunter?
Ja, der Markierung am Baum sei Dank.
Nun begann mein linker Fußrücken etwas zu schmerzen. Da musste ich durch. Bei so einem Lauf sei das ab einem gewissen Zeitpunkt normal. Kein Grund zur Sorge, sondern Zähne zusammenbeißen.
Ich freute mich über den flachen und weichen Boden, da spürte ich kaum etwas.
Hier geht es nach Deutschland, wer kommt mit?
Schwarzenbach ist erreicht.
CP5 war etwas größer. Hier saß ich erstmals ein paar Minuten. Ehemalige Vereinskollegen von damals hätten nicht mehr gedacht, dass ich hier nochmals aufstehe und weitermache. Der "Minilauf" in den Jahren 2018 und 2019 begann wie gesagt hier.
Wir laufen nun frontal auf dieses Haus zu.
Für die Bewohner sicher ein lustiger Anblick, wie wir uns da direkt an ihrem Grundstück die Treppen hochkämpften.
Direkt dahinter taucht man in diesen Wald ein. Landschaftlich wunderschön, in dem Moment aber die pure Qual. Wer bis hierher zu viele Steigungen gelaufen war, bekam jetzt vom Eisenstein die Rechnung präsentiert.
Es wird nicht leichter, nur heißer, weil der Wald endete.
Eine Liftspur war für den einsamen Ultraläufer gemäht worden. Was hätte ich mich jetzt über einen Schlepplift und Grasski gefreut.
Blick zurück. Rechts unten aus dem Wald kam man hoch.
Der Hohenstein lacht einen schon an, obwohl man gerade mit dem Eisenstein im direkten Kampf steht. Wer ersteren erreiche, habe es "geschafft".
Endlich etwas Erholung am Weg zum Eisenstein, dazu diese herrlichen Pfade. Vorne die altbekannte Markierung zu sehen.
Hinauf in das nächste Stockwerk des Eisensteins.
Zum Glück wieder etwas Abkühlung im Wald.
Klettern hieß es nun, mit den "ultraschweren" Beinen nicht so leicht.
Der Gipfel des Eisensteins naht.
Die Julius-Seitner-Hütte kommt in Sicht.
Dort aß ich nun die bisher salzigste Suppe meines Lebens, die sie natürlich extra für uns Ultraläufer angerichtet hatten. Auch hier blieb ich nun bisschen sitzen. Auf dem Schild seht ihr die Daten der Strecke von Eisenstein zu Hohenstein.
Das LSAP Eibl in Türnitz lag seitlich unterhalb von mir. Wer will, darf hier gern die ehemaligen Lifte einzeichnen. Zugegeben war das für mich ein Blick auf den Eibl, den ich so noch nie hatte. Normalerweise nur von Norden kommend und frontal, als wir sowieso dorthin oder zum Annaberg fuhren.
Ich verließ den Eisenstein, obwohl ich am liebsten dort geblieben wäre. Zunächst ist das noch eine breite Forststraße.
Das ändert sich allerdings recht bald. Hauptsache, die blau-weiße Markierung bleibt im Sichtfeld.
Es kommt nun ein richtiges Dschungel-Feeling auf.
Wir sind noch immer auf Kurs.
Hier musste man sich sehr konzentrieren, was angesichts der fortschreitenden Erschöpfung nicht mehr so leicht war.
Vorne links geht es weiter.
Hier gefiel es mir sehr gut.
Einer der besten Momente auf den ganzen 111 km.
Wieder einmal klettern.
Danach folgt die Forststraße zum Hohenstein.
Schon wieder klettern.
Nun beginnt der direkte Kampf mit dem Hohenstein.
Auf selbigem. Ich sagte ja, ab hier habe man es geschafft. Ob dem so ist, erfährt ihr im nächsten Teil des Threads.