Den wenigsten ist jedoch das Skieldorado Hrast in Feistritz an der Gail ein Begriff, obwohl es nur wenige Autominuten vom Dreiländereck entfernt liegt und einen der letzten Tallifte in Mittelkärnten bietet. Nachdem ich für mein Projekt einer Seilbahn-Enzyklopädie sowieso jeden Skilift in ganz Kärnten vor die Kameralinse bekommen möchte und kurz davor noch den aktuellen Betriebsleiter des Skieldorado Hrast zufällig an meiner Arbeitsstelle getroffen habe, war für mich klar - der nächste Ski-Ausflug wird mich ins Gailtal zu einem ganz besonderem Schlepplift führen...
Der Nebel am Nachmittag des 18. Februars 2025 hielt sich hartnäckig, vor allem am Startpunkt meines Trips in Klagenfurt. "Lieber doch ein höher gelegenes Skigebiet ansteuern?", fragte ich mich, während ich die von Baustellen zerstückelte Wörthersee-Autobahn Richtung Villach fuhr. Gerade die geringe Höhenlage des Hrastlifts war es aber, die sich schließlich als Glücksfall entpuppte: So versteckte sich bei meiner Ankunft der halbe Dobratsch in den Wolken, während am Hrastlift beste Sicht herrschte - nach 16 Uhr noch verstärkt durch eine leistungsstarke Flutlichtanlage.
Das Skigebiet selbst besteht aus zwei Pisten, die beide abwechselnd von Trainingsgruppen benutzt wurden, wobei sich immer genügend Platz für Freizeitsportler wie mich ergab. Unweit der Talstation befindet sich eine Hütte sowie eine gepflegte Toiletten-Anlage (bei Weitem keine Selbstverständlichkeit in Kleinskigebieten!). Das Skigebiet verfügt außerdem über einen Kühlturm, jedoch nicht über einen Speicherteich - das Wasser wird, wenn ich mich richtig erinnere, aus dem nahe gelegenen Bach entnommen. Beide Pisten bestanden zum Großteil aus Kunstschnee, waren trotzdem (oder gerade deshalb... man denke an die Höhenlage!) in sehr gutem Zustand und ließen sich bis auf eine etwas abgeschobene Stelle am Schlusshang ausgezeichnet fahren.
Ebenso wichtig wie die Pisten sind mir die Liftanlagen eines Skigebiets und, wie bereits angedeutet, kommt man als Liftfan mit dem Langbügelschlepplift aus dem Hause STEMAG definitiv auf seine Kosten! Moment... STEMAG und Langbügel?
Die Firma STEMAG verbinden viele Seilbahn-Enthusiasten mit kultigen Pendelschleppliften oder klassischen Kurzbüglern mit den so typischen Gitterportalstützen und Liftomaten am Einstieg. Die wenigsten wissen jedoch, dass STEMAG die hauseigene Technik bis in die 80er-Jahre weiterentwickelt und auch - für damalige Verhältnisse - moderne Langbügel-Schlepplifte mit Schräg-T-Stützen errichtet hat.
Ein solches Exemplar - höchstwahrscheinlich das einzige seiner Art in Kärnten - befindet sich in Form des hier vorgestellten Hrastlifts seit 1986 in Feistritz an der Gail - auf halbem Wege Richtung Dreiländereck gab es übrigens ebenfalls noch einen STEMAG-Schlepper, allerdings handelte es sich dabei um einen Kurzbügler mit Gitterportalstützen, von denen die Fundamente noch vorhanden sind (mehr dazu eventuell in einem eigenen Beitrag...
Zurück zum Hrastlift: Der rund 650m lange Schlepplift startet auf 550m Seehöhe und erreicht seinen höchsten Punkt auf knapp 660m. 2004 wurde die Ausstiegsstelle allerdings um ca. 220m vorverlegt, da der letzte flache Abschnitt im Gegensatz zur unteren Hälfte nur schwer beschneit werden kann. Die letzten zwei Stützen passieren die Bügel also ohne Fahrgäste, was aufgrund des extrem flachen Geländes aus Skifahrer-Sicht aber auch kein großer Nachteil ist.
Angetrieben wird der Hrastlift übrigens von einem Elektromotor mit 45 kW; die Umrüstung auf einen Frequenzumrichter zum stufenlosen Verstellen der Fahrgeschwindigkeit erfolgte im Jahr 2003, zeitgleich mit dem Bau der heute noch bestehenden Flutlichtanlage. Seit 2002 verfügt das Skigebiet über eine Beschneiungsanlage, die im Winter 2019/20 umfassend modernisiert wurde.
Der aktuelle Hrastlift ist allerdings nicht die erste Liftanlage an dieser Stelle. Bereits 1962 nimmt ein erster Schlepplift von STEMAG hier den Betrieb auf - und wie könnte es anders sein - natürlich mit Kurzbügeln, Gitterportalstützen und einem Liftomat. Damals mussten die Skigäste jedoch noch bis zum Einstieg "brettln", den die Talstation befand sich etwas weiter oberhalb auf der Höhe der heutigen zweiten Stütze.
Ein großes Dankeschön an das engagierte Team des Skieldorado Hrast für die angenehmen Gespräche und all die wertvollen Informationen zu diesem besonderen Stück Kärntner Seilbahngeschichte!