It's only little things: footmarks and fingerprints,
a treasure hunt through town
But if you look carefully, you'll see us shining through
Cause everywhere we've been, we have been leaving traces
(aus: "We were here" von BOY)
Eigentlich hatte ich gedanklich vor einem Monat meine persönliche Wintersaison beendet. Und dann liegt da der 1. Mai so günstig für ein verlängertes Wochenende und die externen Kausalattribute (Frau, Dienstplan, Firma) waren auch alle irgendwie günstig. Was will man machen - nur weil der Winter eher mau und die Schneelage echt runtergerockt ist, muss man ja noch lange nicht in Bochum bleiben. Dienstag Nachmittag in gewohnter Routine das Auto packen und mit selbigem Mittwoch morgen zur Arbeit.
Die Kurzform:
Die Details:
Auf dem Weg in den Feierabend muss ich beim Passieren dieser Bürotür lachen, aber die Laune zum Start ist natürlich eh gut.
Ich sehne die Fertigstellung der Autobahnbrücke auf der A45 bei Lüdenscheid herbei, so dass man vom Ruhrgebiet aus endlich wieder eine Alternative zur A3 an Köln und Leverkusen vorbei hat. Gerade im Berufsverkehr echt unangenehm. Ich komme insgesamt aber zufriedenstellend voran. Wohin genau es für die Nacht geht, habe ich beim Start noch offengelassen. Mögliche Ziele für den 1.5. habe ich mehrere, unter anderem auch die Zugspitze, die ich bisher nur im Sommer besucht habe. Bei gutem Vorankommen habe ich mich mit der untergehenden Abendsonne dann aber gegen Garmisch entschieden.
Auch wenn die Nacht angebrochen ist, der Grenzübergang Kiefersfelden ist nicht mehr weit.
Das Zillertal am nächsten Morgen. Die Nacht hatte ich in Kaltenbach verbracht und war zur frühest möglichen Zeit um 6:30 Uhr zum Hotel-Frühstücken erschienen. Eigentlich zu spät für eine Frühsommer-Skitour, aber ich benutze die Gletscherbahn als Hilfe und die öffnet ja eh erst um 8:15 Uhr. Die feuchten Wiesen riechen nicht nach Frühling, sie haben schon diesen würzigen Geruch von Sommer.
Nur mit Zoom-Trick wirkt es in Tux dann noch ein bisschen winterlich.
Die Südhänge sind mittlerweile bis in Kammlage schneefrei.
In Hintertux dann das bekannte Bild. Um 8:15 Uhr drängt sich zum Start von Funitel und EUB eine große Traube an der Talstation. Ich habe nicht auf die Uhr geschaut, glaube aber, es war max. eine knappe Viertelstunde. Aber lang genug, wenn man nur selten Lifte nimmt.
Diese Perspektive ist hinlänglich bekannt. Links das Funitel Gletscherbus 3, daneben die EUB Gefrorene Wand.
Schaut man hinter dem Tuxer Fernerhaus links vorbei, sieht man diese Geländekammer, bzw. bin ich das kurze Stück abgefahren bis zum Spannnagelhaus. Rechts oberhalb vom Fotostandort liegen Tuxer Fernerhaus und die ganzen Liftanlagen. Der Gipfel links im Bild mit der steilen Nordflanke und dem sanften linken Rücken ist der Hohe Riffler (3231m). Den Namen gibt es in Österreich zwei mal, der Namensvetter liegt im Verwall zwischen Kappl und St. Anton.
Der Hohe Riffler im Tuxer Tal ist ein im Frühjahr gern begangener Skitouren-Gipfel. Er bietet eine wunderbare Rundumsicht, der Zustieg ist mit ~750 Höhenmetern recht kurz (je nach dem wie weit man vom Tuxer Fernerhaus zum Auffellen abfährt) und dafür erhält man 1200 Höhenmeter Freeride-Abfahrt. Die Route zum Gipfel ist im Titelbild eingezeichnet. Bei sicheren Verhältnissen wie aktuell hat allenfalls die steile Rinne links hinauf zum breiten Gipfelrücken ihren Anspruch, das war es dann aber im großen und ganzen auch schon.
Bis zum Beginn der 2010er Jahre führte der Aufstieg noch in relevanter Menge über Gletscher, aber sowohl das Gefrorene Wand-Kees als auch das Schwarzbrunner Kees sind innerhalb weniger Jahre zu kleinen Toteisblöcken zerfallen. Die in der rechten Mulde sichtbaren, quer zum Hang verlaufenden Felsstufen gab es da noch nicht, das war alles noch vergletschert. Ich dürfte beim Aufstieg in 2025 wohl nirgends mehr Kontakt zu "ewigem" Eis gehabt haben.
Je nach dem wie viel Höhenmeter man im Aufstieg sparen will, quert man so gut es die Felsen zulassen, immer rechts rüber, oder fährt gar direkt am Tuxer Fernerhaus eine der steilen Rinnen ab. Ich fand den Hang allerdings viel zu verlockend und habe etwas mehr Aufstieg gerne in Kauf genommen. Durch die Exposition zur Morgensonne firnt hier die Oberfläche jetzt am frühen Vormittag schon auf.
Und dann geht es durch gefälliges, gestuftes Gelände immer bergan. Besagte Stufen gab es vor 15 Jahren wie erwähnt nicht, da war hier noch Gletscher. Jetzt ist nur noch die oberste glatte Fläche da im Schatten Eis.
Blick zurück in einer für den Pistenskifahrer ungewöhnlichen Perspektive auf den GB 3 und das Fernerhaus.
Da freut man sich schon beim Hoch auf das Runter!
Natürlich bin ich nicht der einzige, der das schöne Wetter am Feiertag ausnutzt. Aber hier ist mehr als genug Platz für jeden.
Da kommt der Hohe Riffler in Sicht. Der Aufstieg verläuft links durch die Rinne. Zwar steiler als sie auf dem Foto aussieht, aber mit 40-45 Grad für den halbwegs Spitzkehren-Kompetenten recht problemlos zu machen.
Hier ist in den Karten rechts unterhalb der Wand des Rifflers noch das Schwarzbrunner Kees verzeichnet, aber selbst auf den Sat-Fotos bei Google-Earth von 2022 ist da fast nichts mehr von übrig.
Wieder eine eher ungewohnte Perspektive auf das Skigebiet.
Hier ist der Schnee noch hart, so dass die paar kleinen Rutschungen der Vortage aktuell wenig Anlass zur Sorge geben.
Nach der Rinne erreicht man dann die weite Rückseite des Riffler und es geht unschwer den Rest bis zum Gipfel.
Wenn man sich hier einen Moment in die große Version des Fotos einguckt, erkennt man den Gletscherbus 3 in seiner spektakulären Trasse.
Mittlerweile nur mehr kurzärmelig bekleidet erreiche ich den Gipfel, der bereits gut bevölkert ist. Die fehlende Einsamkeit ist kein Nachteil, die Stimmung unter den Anwesenden ist super. Man freut sich unbekannter weise gemeinsam über den schönen Tag.
Gipfelpanorama Richtung Schlegeisspeicher.
Noch so eine untypische Perspektive im Zoom: Vorne der GB3, hinten Olperer.
Die schmelzenden Relikte der Skigebiete Penken und hinten rechts Hochzillertal wenn ich nicht irre.
Finkenberger Alm & Co.
Die Abfahrt das lange Tal hinab ist super, das Gelände ist wunderbar zergliedert, man kann hunderte Varianten durch kleine Tobel fahren und das Timing vom Schnee in nördlicher Exposition ist perfekt. Ich habe fast durchgängig Firn. Nur ganz unten im Talgrund wird es dann sumpfig in der Sommerhitze.
Kurz bevor man auf das letzte Stück der Abfahrt zur 6SB Sommerbergalm trifft, ist der Schnee dann alle.
Der Fußmarsch über Wiese und durch ein Alpenrosenfeld ist aber sehr überschaubar.
Ab hier kann man dann durch die letzten Reste links rum schieben und kommt dann an der letzten Kurve der Piste zur Sommerberg-SB raus.
Das weiße Band wird auch ganz schön dünn mittlerweile. Dankenswerter Weise gibt es hier kein Drehkreuz auf dem Weg zum Getränk, was man ggf. hätte wegargumentieren müssen
Im Winter hätte man statt dem Abzweig Richtung Sommerberg-SB auch weiter rechts rum diverse Varianten bis ins Tal gehabt (Achtung, Wildruhezone beachten!)
Am frühen Abend komme ich an meiner Unterkunft für die nächsten zwei Tage im Ötztal an. Gerade rechtzeitig zum Pizzaessen mit @Dachstein, der wie bei unserem letzten Treffen 2023 noch immer auf seiner Tunnelbohrmaschine oben an der Kraftwerksbaustelle im Längental im Kühtai sitzt und sich unablässig weiter Richtung Stubaital durch den Berg fräst. Aber das ist wie immer eine andere Geschichte.
To be continued...