Die Todesvision kam gegen den Liftedurst nicht an. Anstatt der Vorahnung zu folgen und lieber zuhause zu bleiben, setzte ich mich nach Sonnenaufgang ins Auto und fuhr die A 8 in Richtung Dachsteingletscher. Ich wollte das Gebiet endlich, endlich einmal wieder aufsuchen, denn lediglich 1991 war ich einmal als Kind dort gewesen.
Es sollte sich als durchaus richtige Entscheidung erweisen, denn kurz nach meinem Besuch wurde der Skibetrieb dort oben eingestellt und die Lifte nun mehr abgetragen. Damit hätte ich nie gerechnet – eher noch mit weiterem Lifteschwund in Ramsau.
Bei der vorsichtigen Fahrt über die Mautstraße von Ramsau aus hinauf zur Südwandbahn sollte ich an einer Stelle vorbeikommen, die so ähnlich wie das hier gezeigte Bild aussah und die meinem nächtlichen Traum exakt glich. Ich glaube ehrlich gesagt nicht an Vorahnungen, Schicksalsbestimmungen oder böse Fluche. Aber ein wenig mulmig wurde mir doch zumute, als die Kurve in real auftauchte und ich noch vorsichtiger wie ohnehin sonst den Berg hinauf fuhr.
Wenigstens hing mir nicht wieder das obligatorische SUV-Arschloch im Nacken. Schade, dass sie keine Sektion von Ramsau hinauf zur Südwandbahn gebaut haben – man hätte sich das Passstraßengegurke sparen können. Im Hochwinter dürfte das ohnehin kein Vergnügen sein und es gibt ja, glaube ich, auch eine Abfahrt nach Ramsau hinunter.
Zwischenstopp zuvor noch am Rittisberg, wo ich mit dem Teleobjektiv zur neuen Planaibahn zoomte – die dritte Generation nun mehr. Die erste (1972-1985) habe ich gar nicht mehr bewusst kennen gelernt. Leider wurde die gute, alte 3KSB von 1980 abgerissen – war zwischenzeitlich auch schon ein interessanter Oldtimer.
Auch am Rittisberg sollte die dritte Generation kommen, die damals Anfang 2022 schon im Bau war. Wieder exakt die gleiche Trasse, die vor 1998 schon der steile Rittisberglift genommen hat.
Leider habe ich den nicht im Betrieb erlebt – 1991 bei der Anfahrt zum Gletscher aber immerhin mal zu Gesicht bekommen. Damals verlief die Trasse noch mitten im Wald. Vor ein paar Jahren habe ich es mal geschafft, die nun mehr abgerissene 4SB zu fahren. Am Osthang steht noch der ehemalige Rittisberglift II, nun mehr Rittisberglift. Müsste Anfang der 80er hinzugekommen sein – der hier einst verlaufene Schlepper stammte bestimmt schon aus den 60ern und hatte noch Gitterportalmasten.
Deutlich sieht man noch die historische Schleppertrasse...
Am Parkplatz steuerte einer herum und glotzte, als ob er aus dem 14. Jahrhundert hergebeamt worden wäre;) Wenigstens kam er nicht her, um irgend eine dumme Frage zu stellen. Also doch kein Deutscher
Weiter oben begegnete ich dafür 2 älteren Österreichern, die sehr sympathisch wirkten.
„Hast die Skischuh vergessen?“, wurde ich gefragt, als ich erschrocken kehrt machte, aber es war die Karte für die Mautstation, die man an der Liftkasse einlösen konnte.
Da bemerkten die beiden Fremden, dass sie auch ihre Mauttickets im Auto hatten liegen lassen.
„Mei sind wir deppert!“, hörte ich einen rufen
Hier die spektakuläre Trasse der stützenlosen Südwandbahn. 1991 herrschte hier Nebel, sodass man nicht so einen guten Blick drauf hatte. Seitdem war ich die Südwandbahn nicht mehr gefahren. Einmal besuchte ich 2018 das kleine Schleppergebiet an der Talstation und im Sommer 2012 stiefelte ich hier oben mal herum. Aber hinauf auf den Gletscher bin ich erst 2022 wieder gekommen.
1991 hatten sie noch die alten Kabinen, aber in der Talstation sah es unverändert aus. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir damals ewig angestanden haben. Das Gebiet oben gefiel mir asl Kind nicht so recht – keine Waldabfahrten, keine Waldschneisen bei den Liften, nur ein kurzer Schlepper (Hunerkogellift) und allenfalls interessant der alte Schladminger Gletscherlift mit seinen Kurven. Die damals „moderne“ DSB mit nur 800 Metern fand ich langweilig – ich wäre lieber im Ennstal geblieben, doch es lag so wenig Schnee seinerzeit, dass sich alles am Gletscher drängte.
Es war wenig los und die Kabine wurde nicht einmal voll.
Für was ist denn diese Markierung gut?
Es geht an der Südwand hinauf...
Hier durfte man wenigstens knipsen. Bei der Tegelbergbahn wird man gleich weitergescheucht. Am besten gar nicht erst rauffahren und die Liftler belästigen...
Bevor ich mich ins Skivergnügen stürzte, musste der arme Kamerasensor erst mal noch ackern...
Selfie mit Reiteralm im Hintergrund
Am linken Bildrand die Hasecklifte...
Fortsetzung folgt die Tage...