Skifahren ist im Ruhrgebiet zunächst einmal nichts Besonderes: Schließlich gibt es in Bottrop seit 2001 eine Skihalle mit 640 Metern Abfahrtslänge. Bloß einen Skilift sucht man dort vergebens, denn man wird auf zwei parallelen Förderbändern hinaufbugsiert.
Aber nicht immer waren die Bewohner des Ruhrgebiets darauf angewiesen, wie bastian-m in seiner Trilogie „Ski im Ruhrgebiet“ die Abfahrten per eigener Muskelkraft zu erklimmen. Denn es gab sie wirklich einmal, die Skilifte im Ruhrgebiet. Die spärlichen Informationen habe ich im Folgenden zusammengetragen und mir die ehemaligen Skigebiete vor Ort angesehen. Starten wir – auch der Chronologie wegen – im Südosten, in Hagen.
Skilift Goldberg, Hagen
Die Großstadt Hagen liegt irgendwo zwischen Dortmund, Witten und Wuppertal und wird auch das „Tor zum Sauerland“ genannt. Was zunächst attraktiv klingt, täuscht. So ist Hagen für mich eine der besonders hässlichen Städte des Ruhrgebiets. Aber immerhin blickt der Ort auf eine lange Skifahrer-Tradition zurück. Seit 1907 gibt es den Hagener Skiclub (https://www.hagener-skiklub.de/historie/), der 1953 auf dem Goldberg im Stadtgebiet eine Abfahrt anlegte. Diese bringt es (laut Google Earth) auf ungefähr 95 Höhenmeter und eine Abfahrtslänge von fast 350 Metern.
1966 errichtete der Verein dann den Skilift: Einen Seillift, der laut meiner Recherche nur den untersten Teil der Abfahrt erschloss. Doch Abfahrt und Lift reichen gewissermaßen nicht für einen erfolgreichen Skibetrieb. Und so ist diversen Lokalzeitungen zu entnehmen, dass dem Skigebiet, welches zwischen 220 und 315 Meter Höhe lag, regelmäßig der Schnee fehlte.
2016 wurden laut der Westfalenpost (https://www.wp.de/staedte/hagen/article ... edeln.html) schließlich der Seillift und die Flutlichtanlage demontiert.
Übersicht des Skiareals am Hagener Goldberg auf Google.Maps. Orange die Piste, rot der Seillift
Bislang kenne ich aus Betriebstagen nur die nachfolgenden beiden Fotos. Sie zeigen den Kassencontainer am Einstieg (https://img.sparknews.funkemedien.de/23 ... _1200.jpeg) sowie im Jahr 2010 die Umlenkung an der Bergstation (https://encrypted-tbn0.gstatic.com/imag ... GziMqEHA&s). Auf der letzten Aufnahme sieht man links oben den Bismarckturm, was bei der Verortung etwas hilft.
In der Westfälischen Rundschau (https://www.wr.de/archiv-daten/article1 ... ihang.html) wurde 2009 zudem dieses Foto der Bergstation veröffentlicht: https://img.sparknews.funkemedien.de/12 ... _1200.webp
Handelt es sich hierbei wirklich um dieselbe Umlenkrolle oder wurde innerhalb des einen Jahres etwas ausgetauscht?
Im Oktober 2020, als die Inzidenzen gerade so den Ortswechsel zuließen, unternahm ich mit meinem ortsansässigen Kumpel die nachfolgende Begehung des ehemaligen Skiareals am Goldberg. Einstieg in die alte Abfahrt am "Hagen Fenster" - wohlgemerkt auf 315 Metern Höhe.
Nach wenigen Metern der Blick zurück auf den Startpunkt.
Immer wieder suche ich auch neben der Piste im Dickicht nach Hinweisen auf den Skibetrieb. Hier könnte ein Teil einer Vermattung zu sehen sein. Ob diese am Goldberg tatsächlich im Einsatz war, habe ich noch nicht in Erfahrung gebracht. Aber was soll das hier sonst gewesen sein?
Wirklich ein schöner Hang. Aber auf dieser Höhe natürlich nicht zu betreiben.
Blick auf die Stadt Hagen, der ich mit einer Ausnahme nicht viel abgewinnen kann.
Im Mittelteil gibt es diese Verwachsung. Ansonsten ist die Piste noch frei.
Blick auf den Teil oberhalb der Verwachsung.
Die gesamte Abfahrt verfügte über eine Flutlichtanlage, deren Reste noch da sind. Die hölzernen Masten hat man nämlich einfach gefällt - fällt im Wald ja keinem auf. Passend dazu heißt es in der Westfalenpost, man habe die Masten 2016 "niedergelegt".
Die Verkabelung hingegen fällt auf.
Zurück zur Piste, die im mittleren Verlauf weiterhin ein tolles Gefälle aufweist.
Und dann wird es nochmal richtig steil, bevor die Piste auf der freien Wiese ausläuft, wo bis vor einigen Jahren auch der Seillift stand.
Blick zurück auf das Steilstück, das diesen Namen wirklich verdient.
Hier unten hat man Teile der Flutlichtanlage am Wanderweg zumindest weiterverwendet. Das obere Ende des Masts liegt in Bildmitte darnieder.
Der unterste Teil ist flacher als das Waldstück und wurde vom Seillift bedient.
Von der Senke unten bis etwa zur Position des Fotografen verlief der Lift: Von etwa 220 auf etwa 250 Meter Höhe, mit einer Länge von etwa 120 Metern.
Die Beweise sind spärlich aber vorhanden. Zur Orientierung sind hier der ungefähre Streckenverlauf sowie oben der Bismarckturm und die markante Tanne markiert.
Dies bitte vergleichen mit der Aufnahme von 2009.
https://encrypted-tbn0.gstatic.com/imag ... GziMqEHA&s
Die Erkundung des Skilifthangs ist dann zugegeben nicht so akribisch verlaufen, wie sonst. Grund dafür war die Unkenntnis über den genauen Liftverlauf zum damaligen Zeitpunkt sowie ein Dämmerschoppen auf einer der Bänke am Wanderweg. Letzteres fühlte sich im Oktober 2020 zwischen den Lockdowns an wie ein zweiwöchiger Urlaub und hatte daher höhere Priorität.
Über diese Wiese verlief der Lift und hatte oben am Waldrand seine Bergstation.
Möglicherweise sind das hier Reste des Einstiegsbereichs an der Talstation. Sicher bin ich mir aber nicht.
Am Kassen-Container gab es ja Holzzäune.
https://img.sparknews.funkemedien.de/23 ... _1200.jpeg
Wieder oben am Bergstationsbereich.
Und hier würde ich meinen, habe ich tatsächlich ein Überbleibsel des Lifts entdeckt: Könnte die Verankerung der Bergstation sein.
Und das möglicherweise ein Holzhütte, die zur Anlage gehört haben könnte. Aber auch das ist unsicher, laut Westfalenpost waren es ja zwei Container, würde von der Lage her aber passen.